Künstler

Max Pechstein

Titel

Das gelbschwarze Trikot

Jahr
1910
Gattung
Material / Technik
Maße
Bildmaß 68,9 × 78 cm
Rahmenmaß 82,7 × 92,6 × 5,5 cm
Verknüpfte Alben
Details zum Erwerb
Seit 1990 Dauerleihgabe aus Privatbesitz
Credits
Max Pechstein, Das gelbschwarze Trikot, 1910, Öl auf Leinwand, Brücke-Museum, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, © Pechstein – Hamburg / Tökendorf; VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Objektreferenz
Vorderseite von Im Wasser

Ausstellungen (Auswahl)

Literatur (Auswahl)

  • Senator für Wissenschaftund Kunst, Berlin (Hg.), Künstler der Brücke. Gemälde der Dresdener Jahre 1905 - 1910 , Ausst.-Kat. Brücke-Museum Berlin, Berlin 1973.

  • Magdalena M. Moeller, Das Brücke-Museum Berlin, Prestel, München 1996.

  • Magdalena M. Moeller (Hg.), Brücke. La nascita dell´espressionismo, Ausst.-Kat. Fondazione Antonio Mazzotta Milan, Mazzotta, Milano 1999.

  • Magdalena M. Moeller (Hg.), Die Brücke. Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Ausst.-Kat. Brücke-Museum Berlin, Hirmer Verlag, München 2000.

  • Magdalena M. Moeller (Hg.), Max Pechstein im Brücke-Museum, Ausst.-Kat. Brücke-Museum Berlin / Von der Heydt-Museum Wuppertal / Schleswig-Holsteinische Landesmuseen - Schloss Gottorf/Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, Hirmer Verlag, München 2001.

  • Magdalena M. Moeller (Hg.), Auf der Suche nach dem Ursprünglichen. Mensch und Natur im Werk von Otto Mueller und den Künstlern der Brücke, Brücke-Archiv 21/2004, Hirmer Verlag, München 2004.

  • Javier Arnaldo, Magdalena M. Moeller (Hg.), Brücke. Die Geburt des deutschen Expressionismus, Ausst.-Kat. Berlinische Galerie, Hirmer Verlag, München 2005.

  • Javier Arnaldo, Magdalena M. Moeller (Hg.), Brücke. El nacimiento del expresionismo alemán, Ausst.-Kat. Museo Thyssen-Bornesza Madrid/Fundación Caja Madrid, Madrid 2005.

  • Brücke und Berlin. 100 Jahre Expressionismus, Ausst.-Kat. Neue Nationalgalerie, Kulturforum Potsdamer Platz, Nicolai, Berlin 2005.

  • Magdalena M. Moeller (Hg.), Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik. Kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Hirmer Verlag, München 2006.

  • Staatssekretär für kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin, André Schmitz (Hg.), Im Zentrum des Expressionismus. Erwerbungen und Ausstellungen des Brücke-Museums Berlin 1988 - 2013. Ein Jubiläumsband für Magdalena M. Moeller, Hirmer Verlag, München 2013.

  • Max Pechstein. Pionier der Moderne, Ausst.-Kat. Brücke-Museum, Hirmer Verlag, München 2015.

  • Magdalena M. Moeller (Hg.), Brücke Museum Highlights, Hirmer Verlag, München 2017.

Details

Signatur/Bezeichnung
Monogrammiert unten links: HMP 1909 (Signatur)
Nicht bezeichnet (Bezeichnung)

Inventarnummer
DL 1990/2

Werkverzeichnisnummer
Soika 1910/31

(Marwa)

Liebe …,

ich hoffe, es geht dir gut und du genießt die Sonne, die überall scheint, aber nicht hier, denn hier habe ich keine Sonne und lebe im Grau. Die strahlende Sonne … ich merke, wie sehr ich von ihr abhängig bin. Die Leute auf den Straßen dort, die alle kleinen Details wahrnehmen. Ich fühle da meine vollständige Existenz. Egal, wie sie mich sehen und unter welcher Kategorie mich zuordnen werden, nur meinem Aussehen nach. Hier bin ich eher unsichtbar.

Meine Sichtbarkeit ist sehr abhängig von dem Ort, an dem ich mich befinde. Abhängig von den Menschen gegenüber, die mich sehen oder nicht sehen wollen, abhängig von den Ideologien und der politischen Perspektive der anderen. Ob ich überhaupt bestimmen kann, wann und wo ich sichtbar oder nicht sein möchte, ist mir unklar. Aber ich will irgendwann bestimmen können.

Neulich habe ich einen Workshop organisiert. Für das Gespräch habe ich das Bild Das gelbschwarze Trikot von Max Pechstein ausgewählt. Es ist erstaunlich zu sehen, wie lange wir darüber sprechen können. Es ist auch sehr interessant, wie die Verbindungen, die wir für uns in dem Bild herstellen können, viel mit dem Bild machen. Und am interessanten ist, wie die Wahrheit des Bildes fast keinen Einfluss auf uns haben kann.

Für mich waren die Verbindungen/Beziehungen/Kontakte zwischen den Figuren auf dem Bild sehr wichtig. Ich glaube, weil ich mich seit einer Weile mit der Verbindung zwischen der Kunstgeschichte hier und an anderen Orten dieser Welt beschäftige. Die Figur im Vordergrund (vorne) – die Figuren im Hintergrund (hinten) – gelbschwarz (Gefängniskleidung, sichtbar) – nackt – roter Himmel.

Warum machen wir Kunst? Also, warum machst du Kunst?

Die Frage beschäftigt mich und irgendwie versuche ich seit einiger Zeit, eine Antwort für mich zu finden. Ich dachte, ich mache eigentlich Kunst, um meine Probleme zu ordnen, sie in eine Liste zu schreiben, eins nach dem anderen. Ich weiß nicht, ob das überhaupt klappt.

Was denkst du? Was änderst du in der Welt oder für dich beim Kunstmachen?

Ich denke, beim Kunstmachen spiele ich mit dem Rhythmus des Lebens, mache alles langsamer, damit ich überhaupt etwas von diesem Leben unter dem Kapitalismus mitbekomme. Langsammm. Sehr langsam und wieder von Anfang an.

Auch die Zeit beim Schreiben genieße ich.

Wenn ich mir das Bild anschaue, kommen mir einige Fragen in den Sinn. Was ist wahr? Was bedeutet die Wahrheit? Wer hat sie? Gibt es eine Wahrheit? Ist die Wahrheit hier wie die, die in Syrien ist? Ist die Wahrheit hier wie die, die in Haiti ist?

Ist die Wahrheit identisch mit der Realität?

Und wenn ich an die Kunstgeschichte denke, was ist die Wahrheit? Denn fast alle arabischen Künstlerinnen und Künstler sind kein Teil dieser Geschichte. Woran soll ich glauben? Was bedeutet das? Existieren wir gar nicht als Kunstschaffende?

In einem Videointerview mit dem 1999 verstorbenen Erneuerer der syrischen Kunst, Fateh Almoudarres, das als Dokumentarfilm auf Youtube zu sehen ist, sagt dieser in einer sehr romantisch verträumten Stimme, „er spüre die Brücke zwischen Syrien und dem Rest der Welt.“

Wo ist diese Brücke? Ist sie nur in seinen surrealistischen Träumen?

Ist die Brücke eine Wahrheit oder eher eine Auslegung?

„Ich bin belagert, und wer mich belagert, ist mir unbekannt“, so Fateh Almoudarres.

Die Brücke ist für ihn ein Versprechen, dass er nicht allein ist, dass irgendwas ihn mit der Welt verbindet. Übrigens, ich habe den Workshop „Die zugemauerte Brücke“ genannt ;-)

Wir brauchen einander, aber was ist mehr wert? Individuum oder Kollektiv?

Die Frage hat mich beschäftigt, weil wir Menschen am meisten idealistisch sprechen und sehr egoistisch umsetzen. Nach einem Gespräch mit einem Freund erhielt ich eine Mail mit einem Witz, mit dem Titel „Zur Frage des Kollektivs“:

Der sowjetische Sozialpsychologe I. S. Kon erzählte folgenden Witz: „Ein Professor wurde einmal gefragt: ‚Was ist wichtiger, das Kollektiv oder die Persönlichkeit?‘ – ‚Selbstverständlich das Kollektiv’, antwortete der Professor, ‚aber nur dann, wenn es aus Persönlichkeiten besteht. Denn die Summe von Einsen [Einzelpersönlichkeiten] ist eine Zahl, die stets größer als eins ist, während die Summe von Nullen stets gleich null ist.‘“

Die weiteren Gedanken und Fragen kommen nach und nach.

Ganz viele Grüße,

Marwa

(Marwa)
Brief
(مروه)
(Aya Soika)
Über das Werk
(Sonja Eismann)
Sichtbarkeit
(Anwar) Augen
00:27
(Anwar) Gelb und Schwarz
00:24
(Bassel) Etwas Anderes
00:48
(Rama) Himmel
00:27
(Dani) Stimmung
00:10
(Kifan) Winter
00:11
(Marwa) Geheimnis
00:37
Assoziationen
00:48
Fragen
00:15
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