Künstler

Ernst Ludwig Kirchner

Titel

Sich kämmender Akt

Jahr
1913
Gattung
Material / Technik
Maße
Bildmaß 125 × 90 cm
Rahmenmaß 146,5 × 111 × 5,5 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1971 aus dem Kunsthandel
Credits
Ernst Ludwig Kirchner, Sich kämmender Akt, 1913, Öl auf Leinwand, Brücke-Museum, Gemeinfreies Werk
Objektreferenz
Vorderseite von Violette Bäume

Ausstellungen (Auswahl)

Literatur (Auswahl)

  • Leopold Reidemeister, Das Brücke-Museum, Berlin 1984.

  • Magdalena M. Moeller, Das Brücke-Museum Berlin, Prestel, München 1996.

  • Magdalena M. Moeller (Hg.), Brücke. La nascita dell´espressionismo, Ausst.-Kat. Fondazione Antonio Mazzotta Milan, Mazzotta, Milano 1999.

  • Magdalena M. Moeller (Hg.), Die Brücke. Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Ausst.-Kat. Brücke-Museum Berlin, Hirmer Verlag, München 2000.

  • Javier Arnaldo, Magdalena M. Moeller (Hg.), Brücke. Die Geburt des deutschen Expressionismus, Ausst.-Kat. Berlinische Galerie, Hirmer Verlag, München 2005.

  • Javier Arnaldo, Magdalena M. Moeller (Hg.), Brücke. El nacimiento del expresionismo alemán, Ausst.-Kat. Museo Thyssen-Bornesza Madrid/Fundación Caja Madrid, Madrid 2005.

  • Brücke. El naixement de l'expressionisme alemany, Ausst.-Kat. Museu Nacional d'Art de Catalunya Barcelona, Lunwerg, Barcelona 2005.

  • Dirk Luckow, Magdalena M. Moeller, Peter Thurmann (Hg.), Christian Rohlfs. Die Begegnung mit der Moderne, Ausst.-Kat. Kunsthalle zu Kiel / Brücke-Museum Berlin, Hirmer Verlag, München 2005.

  • Magdalena M. Moeller (Hg.), Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik. Kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Hirmer Verlag, München 2006.

  • Magdalena M. Moeller und Rainer Stamm (Hg.), ... die Welt in diesen rauschenden Farben. Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Ausst.-Kat. Landesmuseum Oldenburg, Hirmer Verlag, München 2016.

  • Magdalena M. Moeller (Hg.), Brücke Museum Highlights, Hirmer Verlag, München 2017.

  • Christian Philipsen i. V. m. Thomas Bauer-Friedrich (Hg.), Bauhaus Meister Moderne. Das Comeback, Ausst.-Kat. Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale), E.A. Seemann Verlag, Leipzig 2019.

  • Meike Hoffmann, Lisa Marei Schmidt, Aya Soika für das Brücke-Museum (Hg.), Flucht in die Bilder? Die Künstler der Brücke im Nationalsozialismus, Ausst.-Kat. Brücke-Museum , Hirmer Verlag, München 2019.

Details

Signatur/Bezeichnung
Signiert unten rechts: EL Kirchner (Signatur)
Nicht bezeichnet (Bezeichnung)

Inventarnummer
7/71

Werkverzeichnisnummer
Gordon 361

(Isabel Fischer)

Über das Werk

Ernst Ludwig Kirchner, Sich kämmender Akt, 1913

Bereits in den Dresdner Jahren (1905–1911) beschäftigte sich Ernst Ludwig Kirchner intensiv mit der künstlerischen Darstellung des weiblichen Körpers – sei es in der Natur oder im heimischen Atelier. Vor allem zwischen 1909 und 1912 dominieren weiche, üppige Köperformen seine Frauendarstellungen. Ab 1912 ändert sich das radikal: Mit schlanken Figuren, langen Gliedern und spitzen bis eckigen Formen enthält ein neuer Frauentypus Eingang in seine Werke. Ein eindrückliches Beispiel für diesen Wandel findet sich in diesem Gemälde von 1913: Lang gezogene Glieder, eckige Ellbogen und spitze, nach außen stehende Brüste charakterisieren die Aktdarstellung einer Frau, die sich zentral im Bildvordergrund befindet.

Wie und warum kam Kirchner zu diesem neuen Körperideal und mit ihm zu dem Stilwechsel? Der Künstler selbst führt diesen Wandel auf ein biografisches Ereignis zurück: „Die Gestaltung des Menschen wurde durch meine 3te Frau (Erna), eine Berlinerin, die von nun an mein Leben teilte, und deren Schwester stark beeinflusst. Die schönen architektonisch aufgebauten strengförmigen Körper dieser beiden Mädchen lösten die weichen sächsischen Körper ab.“ Kirchner hatte die Schwestern Erna und Gerda Schilling, die als Tänzerinnen in Berliner Variétes und Tanzlokalen auftraten, im Sommer 1912 kennengelernt und sich mit ihnen angefreundet. Sie standen ihm in seinen Atelierräumen Modell. Neben einer Reihe von Porträts entstanden auch weitere Figuren- und Aktdarstellungen, in denen Kirchner sein neues Ideal eines modernen Frauentypus erprobte – wie das Gemälde Sich kämmender Akt.

Das Spiel mit eckigen, kantigen Formen wird im Bildhintergrund des Werkes aufgegriffen und verstärkt. Der Hintergrund – Tisch, bunte Wandbehänge, Teppich und Wände – erscheint in einzelne farbige Facetten zersplittert. Die Perspektive ist nicht mehr klar auszumachen, das Auge findet keinen festen Fluchtpunkt. Dieser dynamische Bildaufbau und die scharfen Formen lassen sich möglicherweise auf Kirchners Begegnung mit dem Futurismus zurückführen. Kirchner sah Werke der italienischen Künstler*innen im Frühjahr 1912 in der Sturm-Galerie in Berlin. Die Futurist*innen begeisterten sich für Geschwindigkeit, Dynamik und neue Technologien wie Autos, Züge, Flugzeuge und moderne Architektur. Traditionelle Motive – wozu sie auch Atelierszenen und Porträts zählten – interessierten sie nicht. Kirchner wiederum übertrug deren dynamische Darstellung auf seine Figurenbilder: Mit der Moderne änderten sich für ihn nicht nur die Fortbewegungsmöglichkeiten für die Menschen, sondern auch deren Körper. Dazu schreibt er 1926 in seinem Tagebuch: „Unsere Menschen, die mit den Straßenbahnen fahren, seit sie laufen können, bekommen einen anderen Körper […] und selbst die Schnelligkeit unserer Fahrbewegung lässt unseren Körper anders formen.“

(Betül & Brigita) Interview Selbstbewusstsein
03:14
(Stephanie) Interview Feldenkreis
03:13
(Isabel Fischer)
Über das Werk
(Șeyda Kurt)
Sei dein Most Amazing Self
(Sonja Eismann)
Der männliche Blick
(Konni) Achtsamkeit
00:36
(Betül) Feministisches Bild
00:39
(Franzi) Körperbehaarung
00:39
(Lena) Männlicher Blick
00:32
(Josephine) Self Care
00:51
(Brigita) Scham
00:14
(Betül) Gefühl von Sicherheit
00:31
Assoziationen
00:28
Fragen
00:16
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