Karl Schmidt-Rottluff, Selbstportrait, 1949 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Erich Heckel, Mann in jungen Jahren (Selbstbildnis), 1906 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019/Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Künstlergruppe Brücke

Die expressionistische Künstlergruppe Brücke gründete sich am 7. Juni 1905 in Dresden und löste sich am 27. Mai 1913 in Berlin auf. Ihre Gründungsmitglieder, die Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl, waren Autodidakten und hatten sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam die Kunst zu revolutionieren. Sie forderten innovative und direkte Ausdrucksmöglichkeiten fern von akademischen Maltraditionen und suchten nach neuen Arbeits- und Lebensweisen jenseits bürgerlicher Konventionen. Das Programm der Brücke von 1906 demonstriert diesen Geist:

„Mit dem Glauben an Entwicklung, an eine neue Generation der Schaffenden wie der Geniessenden rufen wir alle Iugend zusammen, und als Iugend, die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen gegenüber den wohlangesessenen älteren Kräften. Ieder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergiebt, was ihn zum Schaffen draengt.“

Erich Heckel, Brücke 1910 EL Kirchner – Kniende Akte (Umschlag der V. Jahresmappe der Künstlergruppe Brücke), 1910, Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung © Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

In der Malerei zeichneten eine bewegte, expressive Pinselführung und vor allem reine, intensive Farben den gemeinsamen Stil der Gruppe aus. Vielen Gemälden gingen Zeichnungen voraus, die für die Brücke in ihrer Unmittelbarkeit stilbildend waren. In den sogenannten Viertelstundenakten hielten sie im Atelier oder in der Natur mit raschem Strich das fest, was ihnen vor Augen stand. Als Ausstellungsgemeinschaft veranstalteten die Künstler während ihres Bestehens rund 80 Ausstellungen – viele davon als Wanderausstellungen durch verschiedene deutsche Städte. Dazu vermarkteten sie sich gezielt, schufen Gebrauchsgrafik wie Kataloge, Einladungen und Plakate. Als druckgrafische Arbeiten konnten diese schnell vervielfältigt werden. Durch die Wiederaufnahme des Holzschnitts, ein damals wenig verwendetes Medium, schrieb sich die Brücke außerdem künstlerisch gezielt in eine altdeutsche Traditionslinie ein. Sie warben aktiv um Förder*innen und Sammler*innen, die als sogenannte passive Mitglieder die Gruppe finanziell unterstützten. Gegen einen Beitrag erhielten diese jährlich eine Grafikmappe der Künstler. Auch strebte die Brücke danach, sich mit internationalen Künstler*innen zu vernetzen und unter ihnen neue Mitglieder zu werben. Während Bleyl bereits 1907 austrat, bildeten Heckel, Kirchner und Schmidt-Rottluff den konstanten Kern der Künstlergruppe. Ihnen schlossen sich immer wieder Künstler an: Max Pechstein (1906), Cuno Amiet (1906), Emil Nolde (1906), Akseli Gallen-Kallela (1907), Kees van Dongen (1908), Franz Nölken (1908), Otto Mueller (1910) und Bohumil Kubišta (1911). Teils waren sie nur kurze Zeit Mitglieder, teils blieben sie bis zur Auflösung der Gruppe.

1911 übersiedelte die Brücke nach Berlin. Unter den Eindrücken der Großstadt entwickelten die einzelnen Mitglieder ihre Stile individuell weiter. 1912 verließ Pechstein die Brücke. Die Sammelmappe Chronik KG Brücke sollte daraufhin nach innen sowie außen die Geschlossenheit der verbliebenen Mitglieder bekunden. Jedoch führte die gemeinsame Arbeit an der Chronik zu Konflikten und 1913 endgültig zum Bruch.

Ernst Ludwig Kirchner, Selbstbildnis mit Hut, 1905

Max Pechstein, Selbstbildnis mit Zigarre, 1909 © Pechstein Hamburg/Tökendorf