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Irma Stern. Eine Künstlerin der Moderne zwischen Berlin und Kapstadt
2. November 2025
Die Expressionistin Irma Stern (1894–1966) gilt in Südafrika als eine der wichtigsten Vertreter*innen der Moderne. In Deutschland ist ihre Kunst hingegen kaum bekannt. Dies war einmal anders: Aufgewachsen zwischen beiden Ländern, studierte sie Malerei in Weimar und Berlin. In den 1920er-Jahren stellten die wichtigsten Galerien der Hauptstadt ihre ausdrucksstarken Porträts und farbintensiven Landschaften aus. Sie war Gründungsmitglied der Novembergruppe und eng mit dem Brücke-Künstler Max Pechstein befreundet. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialist*innen endete Sterns Karriere in Deutschland abrupt: Als Jüdin wurde sie verfolgt und ihre expressionistischen Werke als „entartet“ abgewertet.
Sterns Werk ist komplex und von einer unauflösbaren historischen Ambivalenz geprägt: Als Frau musste sie sich in einem männerdominierten Kunstbetrieb behaupten. Als Jüdin erlebte sie Ausgrenzung und Antisemitismus. Zugleich profitierte sie als weiße Künstlerin von den rassistischen Gesellschaftsstrukturen des Kolonialismus und des Apartheidsystems und inszenierte sich als „Kennerin“ Schwarzer Kulturen.
Das Brücke-Museum widmet dieser wichtigen Künstlerin der globalen Moderne die erste museale Einzelausstellung in ihrer ehemaligen Heimat Berlin. Über 40 Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle aus internationalen, vor allem südafrikanischen Sammlungen treten in Dialog mit Werken der Brücke-Künstler und laden ein, Irma Stern (wieder) zu entdecken. Eine ortspezifische Intervention des südafrikanischen Künstlers Athi-Patra Ruga reflektiert Leben und Werk Sterns aus einer queeren Schwarzen Perspektive.
Die Ausstellung wird begleitet durch die Publikation Irma Stern, hg. v. Lisa Hörstmann und Lisa Marei Schmidt für das Brücke-Museum, mit Beiträgen von Irene Below, LaNitra M. Berger, Lisa Hörstmann, Gcotyelwa Mashiqa, Athi-Patra Ruga und Lisa Marei Schmidt, Hirmer Verlag, 208 Seiten, Museumsausgabe 39 Euro.
Nicht Einfach
Das pluralistische Diskursprogramm Nicht Einfach lädt ab September 2025 dazu ein, den Blick auf die Künstlerin Irma Stern und ihre ambivalenten Erfahrungen zwischen Verfolgung und Exil als jüdische Frau und Privilegien als weiß gelesene Südafrikanerin zu erweitern. Ausgehend von Leben und Werk Sterns werden die Verschränkungen von Antisemitismus, Kolonialismus und Rassismus in seiner Komplexität im gegenwärtigen deutschen Erinnerungsdiskurs thematisiert.
Ein sich im Laufe der Ausstellung stetig verändernder Thementisch lädt die Besucher*innen in der Ausstellung dazu ein, an dem Projekt teilzuhaben. Das Programm mit Workshops, Rundgängen und Diskussionen beginnt im September.
Die Inhalte des pluralistischen Programms entwickelt das Expert*innen-Team Ahmad Dakhnous, Tahir Della, Anna Yeboah und Yehudit Yinhar. Sie werden von Pegah Byroum-Wand wissenschaftlich begleitet. Nicht Einfach ist eine Idee von Daniela Bystron, Kuratorin für Outreach, Brücke-Museum.
Gefördert durch den Projektfond Zeitgeschichte und Erinnerungskultur der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Künstler
Begleitprogramm
- Eröffnungstag: Irma Stern12. Jul
- Öffentlicher Rundgang 20. Jul
- Umrahmen – Drei Impulse zum Perspektivwechsel (DE/EN)20. Jul
- Kuratorinnenrundgang mit Valentina Bay25. Jul
- Stretching Sessions (DE/EN/ES)26. Jul
- Öffentlicher Rundgang 27. Jul
- Offene Werkstätten (DE/EN/ES/PT)28. – 30. Jul
- Kuratorinnenrundgang mit Valentina Bay1. Aug
- Öffentlicher Rundgang 3. Aug
- Öffentlicher Rundgang auf Englisch 3. Aug
- Öffentlicher Rundgang 10. Aug
- Stretching Sessions (DE/EN/ES)16. Aug
- Blickwechsel: Experiment Portrait (DE/EN/ES)17. Aug
- Öffentlicher Rundgang 17. Aug
- Öffentlicher Rundgang 24. Aug
- Kamera ab: Von der Idee zum Mini-Spielfilm (DE)28. Aug
- Öffentlicher Rundgang 31. Aug
- Öffentlicher Rundgang auf Englisch 31. Aug
- Spiegelbild6. Sep
- Öffentlicher Rundgang 7. Sep
- Kuratorinnenrundgang mit Valentina Bay13. Sep
- Öffentlicher Rundgang 14. Sep
- Öffentlicher Rundgang auf Englisch 14. Sep
- Kunstvermittlung und Antragstraining für freischaffende Künstler*innen (DE/EN)15. Sep
-
“If I Didn’t Define Myself For Myself, I Would Be Crunched Into Other People’s Fantasies For Me And Eaten Alive.”
20. Sep - Blickwechsel: Experiment Portrait (DE/EN/ES)21. Sep
- Öffentlicher Rundgang 21. Sep
- Öffentlicher Rundgang auf Englisch 21. Sep
- Tischtalk Nicht Einfach 25. Sep
- Öffentlicher Rundgang vor dem Tischtalk 25. Sep
- Unsichtbare Grenzen26. Sep
- Öffentlicher Rundgang 28. Sep
- Öffentlicher Rundgang ohne Anmeldung5. Okt
- Öffentlicher Rundgang auf Englisch ohne Anmeldung5. Okt
- Kuratorinnenrundgang mit Lisa Hörstmann auf Englisch11. Okt
- Stretching Sessions (DE/EN/ES)11. Okt
- Kunst, Architektur und Natur: Das Brücke-Museum11. Okt
- Blickwechsel: Experiment Portrait (DE/EN/ES)12. Okt
- Öffentlicher Rundgang 12. Okt
- Kunst, Architektur und Natur: Das Brücke-Museum12. Okt
- Kuratorinnenrundgang mit Lisa Hörstmann17. Okt
- Öffentlicher Rundgang 19. Okt
- Öffentlicher Rundgang auf Englisch 19. Okt
- Trialog als Methode24. Okt
- Öffentlicher Rundgang 26. Okt
- Öffentlicher Rundgang auf Englisch 26. Okt
- Nomadic Memory - Messy Identities26. Okt
- Israel/Palästina und die Deutsche Staatsräson30. Okt
-
Ausgebucht
Zwischen Metropole und (Villen-)Kolonie1. Nov
Publikationen
Irma Stern
Katalog
Hrsg. Lisa Hörstmann und Lisa Marei Schmidt für Brücke-Museum
Texte: Valentina Bay, Irene Below, LaNitra M. Berger, Lisa Hörstmann, Gcotyelwa Mashiqa, Athi-Patra Ruga und Lisa Marei Schmidt
Hirmer Verlag
208 Seiten
deutsch/englisch
ISBN: 978-3-7774-4529-8
45 €
Erscheint April 2025
Mitarbeiter*innen
Lisa Marei Schmidt, Kuratorin
Lisa Hörstmann, Co-Kuratorin
Valentina Bay, Assistenzkuratorin und Projektleitung
Daniela Bystron, Kuratorin für Outreach
Ximena Gutiérrez Toro, kuratorische Assistenz für Outreach
Stoodio Santiago da Silva, Ausstellungsgestaltung
Dr. Pegah Byroum-Wand, Koordination, Moderation und wissenschaftliche Begleitung Nicht einfach