Rückseiten


Kuratiert von Nadine Bauer

13 Bilder


Üblicherweise wird in Ausstellungen nur eine Seite der Leinwand gezeigt. In der Sammlung des Brücke-Museums tragen zehn Gemälde von Erich Heckel, Max Pechstein und Ernst Ludwig Kirchner eine vollwertige Darstellung auf beiden Seiten der Leinwand. In der Regel gilt das jüngere Bild als dasjenige, das heute als Vorderseite verstanden wird, aber es gibt auch Ausnahmen, wie bei Erich Heckels Junger Mann und Mädchen (1909) und Flusslandschaft bei Würzburg (1921).

Nicht immer trifft der Künstler die Entscheidung, welche Seite zur Schau gestellt werden soll. Heckel übertünchte beispielsweise seine Darstellung Römisches Stilleben von 1909. Bevor das Bild in das Brücke-Museum gelangte, wurde über mehrere Jahre hinweg nur die rückseitige Darstellung einer Sandabfuhr (1912) im Kunsthandel angeboten. Anfang der 1970er Jahre entdeckte man das verdeckte Stillleben wieder und der Verkauf des Gemäldes gelang schließlich. Diese Freilegung hing demnach auch mit einem Interesse des Kunstmarktes an „neuen“ Bildern der Brücke-Maler zusammen. Dieses Beispiel deutet an, dass die Wahl der als wertvoller erachteten Schauseite auch immer etwas mit dem gerade vorhandenen Zeitgeschmack zu tun haben kann.

Die Erkundung der Rückseiten von Kunstwerken ist auch für die Provenienzforschung relevant. Ein Blick lohnt sich beispielsweise auf die Rahmen – etwa von Kirchners Sich kämmender Akt / Violette Bäume – da sich hier neben Motiven auf den Leinwänden auch Provenienzhinweise entdecken lassen.