Zu Tisch


Katrina Schulz

0 Bild


„Wir freuten uns sehr und haben gleich mächtig losgefressen, da wir großen Hunger hatten“, so dankte Ernst Ludwig Kirchner seinem Brücke-Kollegen Erich Heckel im Dezember 1909 für die Zusendung eines Lebensmittelpakets. Das Zitat deutet die prekäre wirtschaftliche Lage an, in der sich Kirchner zu diesem Zeitpunkt befand. 

Heckels Unterstützung erinnert ebenso daran, dass Essen im Sinne von Ver-Pflegung auch immer eng mit Fürsorge und Geselligkeit verbunden ist. Und so finden sich in der Sammlung des Brücke-Museums zahlreiche Werke, die das gesellschaftliche Miteinander – sowohl in der Stadt als auch auf dem Land – rund um das Thema Essen und Trinken zeigen. Die Lebensmittel wirken oft zunächst wie Beiwerk, entpuppen sich aber auf den zweiten Blick als Motoren der Situation. Daneben gibt es viele Stillleben, die Nahrungsmittel in das Zentrum des Bildarrangements rücken. Erich Heckels Gemälde Tote Hühner macht dabei noch einmal auf eine ganz neue Kategorie des Kulinarischen in der Kunst aufmerksam: Die erlegten und zur Weiterverarbeitung aufgereihten Hühner verweisen auf die Zubereitung von Nahrung als Handwerk.