Zurück zu den Ergebnissen
Zurück zu den Ergebnissen
Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Bildnis S.

Jahr
1911
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 84 x 76 cm
Rahmenmaß 102,3 x 95 x 3,6 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1964 als Schenkung von Karl Schmidt-Rottluff
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Schmidt-Rottluff traf die Hamburger Kunsthistorikerin Rosa Schapire zum ersten Mal 1908 in Dangast, nachdem diese bereits 1907 der Künstlergruppe »Brücke« als »Passives Mitglied« beigetreten war. Mit großem Enthusiasmus setzte sie sich für die Gruppe und ihre Ziele ein und hat neben dem Ehepaar Nolde wohl die meisten passiven Mitglieder geworben. Zunächst engagierte sie sich für Emil Nolde, »als sie dann Schmidt-Rottluff kennenlernte, war dessen Kunst für sie ein großes Erlebnis.«(1) Mit Vorträgen und Aufsätzen propagierte sie seine Arbeit und gab das erste Werkverzeichnis seiner Druckgraphik heraus (1924). In Hamburg formierte sich schnell ein beachtlicher Kreis von Förderern und Sammlern der Kunst Schmidt-Rottluffs. Zwischen 1910 und 1912 ließ sich Schmidt-Rottluff ganz in Hamburg nieder. Hier intensivierte sich der Kontakt zu Rosa Schapire. Sie erteilte ihm zahlreiche Aufträge für gebrauchsgraphische Arbeiten, z. B. ein Briefverschluss, Visitenkarten oder einen Briefbogen. In dieser Zeit entstand auch das großformatige »Bildnis Rosa Schapire«. Hier zeigt Schmidt-Rottluff seine Förderin repräsentativ im Halbfiguren-Ausschnitt an einem Tisch sitzend. Ihr extravaganter Hut verweist auf ihre gesellschaftliche Stellung, ihre Pose ist die des »Denkers«, wie es ihrem Beruf entspricht. Trotz dieser bedeutungsvollen Darstellungskonventionen erscheint das Bildnis sehr privat und einem besonderen Augenblick verpflichtet. Ernst und nachdenklich schaut sie am Betrachter vorbei, es ist ein Moment der Stille, des Sich-Fallenlassens, nicht des Auftritts. Das sensible Erfassen des Wesens Rosa Schapires steht im Gegensatz zur Wahl der künstlerischen Mittel. Schmidt-Rottluffs Tendenz zur Vereinfachung von Form und Komposition führte ihn zum Arbeiten mit großangelegten Flächenzonen, denen er die naturalistische Gestalt und Körperlichkeit der Person unterordnete. Jeder Fläche, die ein anderes Körper- oder Staffageelement repräsentiert, gab er eine eigene, nicht zwingend authentische Farbe. Es gibt kaum beschreibende Konturen und wenig Modulation. Seine »Zeichnung«, die er nur durch das Setzen von Farben und Definieren von Licht erreicht, ist grob im Sinne der Abbildung, aber vollkommen souverän und entspricht seiner aktuellen Ausdrucksintention. Noch spürbar ist Schmidt-Rottluffs Bestreben, seine im Aquarelljahr 1909 entwickelte Ausdruckskraft in Gemälde umzusetzen. Er trägt die Farben stark verdünnt auf und setzt sie so nebeneinander, als könnten sie ineinander zerfließen. Die im Aquarell noch vorherrschenden Linienbänder wandeln sich in kürzere, gestische Pinselstriche, die summarisch zu Flächenstrukturen zusammengefaßt werden. Diese Flächen weisen nun aber eine zunehmende Festigkeit auf, der vehemente Pinselstrich unterliegt um 1911 bereits einem Ordnungssystem, das auf formale Klarheit im künstlerischen Sinne zielt.

(1) Erich Heckel 1958 im Gespräch mit Roman Norbert Ketterer, in: Roman Norbert Ketterer, Dialoge. Bildende Kunst, Kunsthandel, Stuttgart/Zürich 1988, S. 43.

Christiane Remm

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert oben links: S.Rottluff 1911 (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt-Rottluff "Bildnis S." Ölgem. (Bezeichnung)

Inventarnummer
2/64

Werkverzeichnisnummer
Grohmann S. 284

Literatur

Die "Brücke" : Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2000, Kat. Nr.47

Verzeichnis der zur Eröffnung ausgestellten Werke September 1967 bis März 1968, Heinrich Albertz, Werner Stein, Leopold Reidemeister, Werner Stein, Berlin, Berlin : Brücke-Museum, 1967, Abb. S.Tafel 17, Kat. Nr.13

Karl Schmidt-Rottluff : ein Maler des 20. Jahrhunderts ; Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von 1905 bis 1972 ; eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Brücke-Museum Berlin, Belgin, Tayfun, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2001, Kat. Nr.19

Schmidt-Rottluff : Colección Brücke-Museum Berlin, 6 octubre - 17 diciembre 2000 , Fundación Juan March, Madrid, Madrid : Fundación Juan March, 2000, Kat. Nr.7

Karl Schmidt-Rottluff, der Maler, Schmidt, Hans-Werner, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Stuttgart : Hatje, 1992, Kat. Nr.19

Karl Schmidt-Rottluff : Retrospektive, Staatsgalere Stuttgart, Gunter Thiem, Stuttgart, München : Prestel, 1989, Abb. S.Tafel 29, Kat. Nr.84

Brücke : la nascita dell´espressionismo, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Milano : Mazzotta, 1999, Kat. Nr.Kat.-Nr. 43

Brücke und Berlin : 100 Jahre Expressionismus, Arnold-Becker, Alice , Berlin : Nicolai, 2005, Abb. S.Abb. 38, Kat. Nr.Kat.-Nr. 412

Die "Brücke" : Meisterwerke des Expressionismus aus dem Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., Berlin : Brücke-Museum, 2000, Kat. Nr.Kat.-Nr. 47

Christian Rohlfs : die Begegnung mit der Moderne, Luckow, Dirk, München : Hirmer, 2005, Kat. Nr.78

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.166, Abb. S.167, Kat. Nr.57

Brücke Museum Highlights, Moeller, Magdalena M., München : Hirmer, 2017, Kat. Nr.145

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Abb. S.102, Kat. Nr.58

... die Welt in diesen rauschenden Farben. Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Magdalena M. Moeller, Rainer Stamm, Christiane Remm, Gloria Köpnick, Magdalena M. Moeller und Rainer Stamm, Hirmer Verlag, München, 2016, Kat. Nr.1

1905 - 1935 Ekspresjon! Edvard Munch - Tysk og Norsk Kunst i tre Tiar, Steinar Gjessing, Arne Eggum, Erik Morstad, Magne Bruteig, Roland Scotti, Magdalena M. Moeller, Helmut R. Leppien, Andreas Hüneke, Kristin Tandberg, Munch-museet, Oslo, 2005, Abb. S.214, Kat. Nr.126

Flucht in die Bilder? Die Künstler der Brücke im Nationalsozialismus, Aya Soika, Meike Hoffmann, Meike Hoffmann, Lisa Marei Schmidt, Aya Soika für das Brücke-Museum, Hirmer Verlag, München, 2019, Abb. S.Abb. 26