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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Stilleben mit Teekanne

Jahr
1951
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 76 x 90 cm
Rahmenmaß 91,5 x 105,5 x 3 cm
Details zum Erwerb
Dauerleihgabe der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Verschiedene Objekte wie die den Bildtitel gebende Teekanne, ein auf einen Sockel montierter Torso, zwei Zitronen und eine Blumenvase aus Messing, die sich im übrigen heute noch im Nachlass Schmidt-Rottluffs im Depot des Brücke-Museums befindet, sind auf einer Tischplatte arrangiert. Durch die gedachten Linien der Komposition im Zusammenspiel mit den gemalten Linien entsteht ein abwechslungsreiches Beziehungsgeflecht. So sind die Objekte in einem pyramidalen Aufbau, ihrer Größe entsprechend zur Mitte hin aufsteigend, angeordnet. Dem antwortet die Form eines auf der Spitze stehenden Dreiecks, das von der Tischdecke im Vordergrund gebildet wird. Diese liegt übereck auf dem Tisch und mildert damit die strenge Horizontale der Tischkante. Der zur Bildmitte hin ansteigenden Dynamik der Komposition wirkt durch die Positionierung der Objekte eine nach außen drängende Bewegung entgegen. So sind sowohl die Teekanne wie auch die Figur nach links hin gerichtet — eine Bewegung, die durch die Öffnung der Kannentülle bzw. durch die Neigung des Torsos entsteht. Die Zitronen hingegen wenden ihre »Nasen« nach rechts. Die Blumen in der Vase fallen in beide Richtungen. Damit wird die Starre des Aufbaus gesprengt.
In den 1950er Jahren hatte Schmidt-Rottluff begonnen, die Formen der einzelnen Bildelemente mit farbigen Konturlinien zu verstärken. Dies ist auch hier bei allen Gegenständen zu beobachten, wobei durch die farbigen Gegensätze die Leuchtkraft ebenso wie die plastische Präsenz der einzelnen Dinge extrem gesteigert wird. Bei den beiden links stehenden Objekten hat Schmidt-Rottluff die Idee der farbigen Kontur weiterentwickelt, indem er sie nochmals farbig hinterlegte. Eine Farbfläche aus leuchtendem Gelb umschließt die Teekanne und die Figur, wobei es sich hier um kein fest umrissenes Gebilde, sondern eher um ein diffus auslaufendes Schimmern handelt. Dabei ist diese »Aura« auch nicht direkt als Schatten der Gegenstände zu verstehen, sondern vielmehr als eine autonom für sich stehende Fortentwicklung der farbigen Konturlinie. Sie erfüllt ihre Funktion im Bild, indem durch sie eine leicht flackernde Unruhe entsteht, die zu den klaren, fest umrissenen Dingen in der rechten Bildhälfte kontrastiert.
Durch diese zahlreichen kompositorischen Griffe in Bezug auf Bewegung und Gegenbewegung, Offenheit und Geschlossenheit von Formen wird das Bild zu einem Experiment über die Dynamik des eigentlich Unbelebten.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M.: Brücke-Museum Berlin - Malerei und Plastik : Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung ; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2011.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert oben rechts: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt=Rottluff "Stilleben mit Teekanne" ((5115)) / = gewachst = (Bezeichnung)

Inventarnummer
A 53

Werkverzeichnisnummer
Grohmann S. 306

Literatur

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik, Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung : kommentiertes Verzeichnis der Bestände , Remm, Christiane, Dahlmanns, Janina, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2011, Erw. S.98, Abb. S.99, Kat. Nr.39

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Abb. S.167, Kat. Nr.109