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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Stilleben mit Messingkessel

Jahr
1950
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 76 x 90 cm
Rahmenmaß 88 x 102 x 4,8 cm
Verknüpfte Ausstellungen
Karl Schmidt-Rottluff. Das Rauschen der Farben, 2017/18, Kunstmuseum Ravensburg
Details zum Erwerb
Dauerleihgabe der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Beim »Stilleben mit Messingkessel« handelt es sich um eine Komposition, die Schmidt-Rottluff in verschiedenen Variationen dargestellt hat. Ein nahezu identisches Arrangement gestaltete der Künstler noch in Tusche und zudem eine sehr ähnliche Version in Öl, die den Titel »Messingkessel« trägt. Das Arrangement, bestehend aus Wasserkessel, Teekännchen und Zuckerdose, sowie die Perspektive, die den Betrachter in Sitzhöhe am Tisch verortet, erschaffen die ruhige, wohnliche Situation einer Teepause. Der fokussierte Bildausschnitt des Stillebens lenkt das Interesse auf die jeweiligen Objekte und offenbart eine Vorliebe für spezielle Formen. Der Tisch mit seiner ausgefallen geschwungenen Form findet in mehreren Werken des Künstlers bildnerische Verwendung. Ebenso wird das Interesse an spezifischen Details wie der Holzmaserung eingefangen. Sowohl im Gemälde als auch in der Tuschpinselzeichnung findet sich diese markante Besonderheit.
Die Bedeutung, die Schmidt-Rottluff bei diesem Motiv Form und Linienführung beimisst, wird bei einer Gegenüberstellung der beiden Gemälde deutlich. Die Formen der verschiedenen Objekte sind nahezu identisch, während die gegenstandsspezifische Farbgebung der künstlerischen Phantasie weicht. So ist in dem Gemälde »Messingkessel« die Zuckerdose weiß getönt, mit einem stilisierten blauen Tupfenmuster versehen sowie durch einen rot gefärbten Knauf und einen ebensolchen Deckelrand akzentuiert. Im »Stilleben mit Messingkessel« stimmen die Details der roten Partien überein, doch die Dose wird in einem kräftigen Blau, versetzt mit hellblauen Lichtreflexen, gestaltet. Ebenso erscheint dasselbe Teekännchen mal in gelber, mal in grüner Färbung — ein deutliches Beispiel dafür, dass die Farbgebung dem individuellen Gestaltungswillen folgt.
Mittels der Farbwerte wird analog zum Bildtitel der Messingkessel besonders hervorgehoben. Zusammen mit der Tischoberfläche erstrahlt er in stark kontrastierendem Gelb. Die großzügig angelegte Farbfläche verleiht dem Bild einen Ruhepol und bezeugt zudem die experimentelle Gestaltungsweise von Licht. Während die Schlagschatten der Objekte auf eine Lichtquelle links im Bild hinweisen, lassen sich — außer auf der Zuckerdose — auf dem Geschirr keine entsprechenden, heller nuancierten Lichtreflexe ausmachen. Ausschlaggebend ist, dass die leuchtend gelbe Farbe die Empfindung des Künstlers von Licht repräsentiert. Ob die stark reflektierende Materialität von metallenem Kessel und glatter Tischoberfläche hierbei eine Rolle spielt, sei dahingestellt. Schmidt-Rottluff stellt Licht nicht mittels Lichtpointierungen dar, sondern er »malt Licht« in einer Farbe, die Sonnenlicht und Wärme nach persönlichem Empfinden ausdrückt. Durch diese Stilprinzipien erfahren das Sonnenlicht, das Teewasser im Messingkessel und der behagliche Ort eine enorme Wertschätzung.
Das im Hintergrund erscheinende abstrakt ornamentale Bändermuster mit grün eingefassten blauen Bändern vor dunkelrotem Fond orientiert sich an dem Streifenmuster eines Vorhangs, der in mehreren Bildern Beachtung findet.(1) Stark stilisiert, vom Gegenstand zur freien Formentwicklung tendierend, präsentieren sich die »Vorhang-Bänder« in einer dynamischen Diagonalbewegung — gleich der Impression eines heftigen Windstoßes, der das Sonnenlicht in den Raum trägt. Der Duktus der schnell aufgetragenen Farbbänder intensiviert diese Dynamik. Die Impulsivität wird harmonisch integriert durch die im gleichen Farbklang gestalteten Konturierungen der Tischkanten. Deren freie Gestaltung zeigt Schmidt-Rottluffs Freude an der experimentellen, dekorativen Mehrfach-Konturierung, die sich zu einem markanten Merkmal des Künstlers entwickelt.

(1) So zum Beispiel in dem Gemälde »Stilleben mit Kresse, Wecker und blauem Buch«, 1950er Jahre, Öl auf Leinwand, 112 x 76 cm, Brücke-Museum Berlin, Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung.

Merit Marckwort

Aus: Moeller, Magdalena M.: Brücke-Museum Berlin - Malerei und Plastik : Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung ; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2011.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert oben links: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt=Rottluff "Stilleben mit Messingkessel" ((5017)) / "gewachst" (Bezeichnung)

Inventarnummer
A 41

Werkverzeichnisnummer
Grohmann S. 305

Literatur

B 110, Karl Schmidt-Rottluff (1884 - 1976), Stilleben Teekessel, 1950

Karl Schmidt-Rottluff - Die Berliner Jahre 1946 - 1976 , Remm, Christiane, Fredheim, Arnt, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2005, Erw. S.25, Abb. S.68, Kat. Nr.15

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik, Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung : kommentiertes Verzeichnis der Bestände , Remm, Christiane, Dahlmanns, Janina, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2011, Erw. S.84, Abb. S.85, Kat. Nr.32

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Abb. S.162, Kat. Nr.104