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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Taunusfrühling

Jahr
1951
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 76 x 90 cm
Rahmenmaß 90,5 x 104,7 x 4 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1964 als Schenkung von Karl Schmidt-Rottluff
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Das Gemälde zeigt den Blick auf die frühlingshafte Kulisse der Taunuslandschaft, wo Schmidt-Rottluff in den 50er Jahren, anknüpfend an die Aufenthalte der Jahre 1932 bis 1943, in Hofheim bei Hanna Bekker vorn Rath regelmäßig die Frühjahrsmonate verbrachte, bevor er sich in sein Sommerdomizil nach Sierksdorf an der Lübecker Bucht zurückzog.' Der gewundene Verlauf der schmalen Straße führt unser Auge in den Bildraum. Zum offenen, tiefenillusionistischen Fernblick in der linken Bildhälfte kontrastiert die gedrängte Motivdichte der rechten Bildpartie, wo im Vordergrund der in prachtvoller Blüte stehende, die gesamte Bildhöhe füllende Baum das Hauptmotiv der Komposition bildet. Bei dem im Hintergrund aufragenden Haus handelt es sich sehr wahrscheinlich um das Anwesen des sogenannten »Blauen Hauses« von Hanna Bekker vorn Rath, das an der Kapellestraße oberhalb der Stadt Hofheim lag und von einem weiten, parkähnlichen Garten umgeben war. Deutlich sichtbar sind das markante hohe Satteldach mit weitern Überstand und die vorgelagerte Loggia. Der konzentrierten Darstellung von Haus und Garten der befreundeten Sammlerin und Kunsthändlerin widmete sich Schmidt-Rottluff 1951 ebenfalls im Gemälde »H's Garten (Hannas Garten)«. Vergleichbar der dortigen Bildanlage überragt im vorliegenden Fall das Gebäude als optischer Fixpunkt die kleinteilige Naturszenerie und markiert am oberen Bildrand formal den ruhenden Gipfelpunkt der Komposition.
Eigentliches Thema des Bildes ist die jahreszeitliche Entfaltung der Pflanzen und Bäume, das Wachsen und Wirken der Vegetation im Zusammenspiel mit der hügeligen Umgebung. Die erwachenden Kräfte der Natur sind in eine lebhafte, von intensiv leuchtenden Farbklängen getragene Flächenmalerei übersetzt. Dem Aufblühen antwortet ein expressives Aufglühen der Farbwerte. Fernab der belastenden Verpflichtungen von Berlin konnte Schmidt-Rottluff im Taunus seine innere Ruhe wiederfinden. Das Gemälde zeugt von der hier gewonnenen Kraft für die künstlerische Arbeit. Schmidt-Rottluffs Bildsprache artikuliert sich aus der formgestaltenden Energie der reinen, extrem lichthaltigen und vom Naturvorbild abgelösten Übersteigerung der Farbe. Die konturbetonte, auf grobe Umrisse reduzierte Verknappung der Bildgegenstände bindet die Erscheinung der Dinge in die Zweidimensionalität der Bildebene. Schmidt-Rottluffs charakteristischer Farbzonenstil der 50er Jahre offenbart sich besonders eindrücklich in der großen Baumsilhouette, deren Blütengeäst zu einer arabeskenhaft bewegten, ornamental anmutenden Flächenform stilisiert ist. Die inspirierende Thematik der Taunuslandschaft rückte während der 50er Jahre mehrfach ins Blickfeld des Malers, so in den farbgewaltigen Leinwandarbeiten »Heißer Taunuspark« und »Taunuslandschaft« wie auch im Medium des Aquarells, beispielsweise in dem Blatt »Heißer Taunuswald« von 1959.3 Die reizvolle, naturverbundene Stimmung des Hauses von Hanna Bekker fing Schmidt-Rottluff schließlich auch mit der Technik der Tuschpinselzeichnung in kraftvoller Formensprache ein, so in dem zeitgleich entstandenen Blatt »Balkon mit Sonnenschirm (Haus Hanna Bekker)«.

(1) Die Malerin, Sammlerin und Kunsthändlerin Hanna Bekker vom Rath 11893-1983) setzte sich besonders in den Jahren nach 1945 verstärkt für Schmidt-Rottluff ein und veranstaltete in ihrem »Frankfurter Kunstkabinett« ab 1948 mehrere Ausstellungen seiner Werke. Vgl. auch: Ausst.-Kat. Vierzig Jahre Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, Frankfurt a.M. 1987.
(2) Siehe dazu auch die historische Aufnahme des Hauses in: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Retrospektive, Kunsthalle Bremen, München 1989, S. 104, Abb. 68.
(3) Im Sammlungsbestand des Brücke-Museums Berlin, Inv. Nr. 62/64, siehe Abb. S. 236.

Andreas Gabelmann

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt=Rottluff "Taunusfrühling" ((514)) (Bezeichnung)

Inventarnummer
19/64

Werkverzeichnisnummer
Grohmann S. 306, Tafel S. 274

Literatur

Karl Schmidt-Rottluff - Die Berliner Jahre 1946 - 1976 , Remm, Christiane, Fredheim, Arnt, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2005, Abb. S.128, Kat. Nr.64

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.254, Abb. S.255, Kat. Nr.97

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Abb. S.61, Kat. Nr.30