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Künstler

Max Pechstein

Titel

Junges Mädchen

Jahr
1908
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 65,5 x 50,5 cm
Rahmenmaß 80,5 x 65 x 8 cm
Verknüpfte Ausstellungen
Künstler der Brücke. Gemälde der Dresdener Jahre 1905 - 1910, 1973, Brücke Museum, Berlin
Die Brücke 1905 - 1914, 2018/19, Museum Frieder Burda, Baden-Baden
Details zum Erwerb
Dauerleihgabe der Staatlichen Museen zu Berlin, Nationalgalerie
Credits
Copyright: Pechstein – Hamburg / Tökendorf
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Max Pechsteins Ölgemälde »Junges Mädchen« ist eines der wichtigsten und bedeutsamsten Zeugnisse der Begegnung des Künstlers mit der Kunst der französischen Fauves. Diese hatte Pechstein in der ersten Jahreshälfte 1908 direkt in Paris in den dortigen Galerien und Kunsthandlungen kennengelernt.
Im Herbst 1907 hatte Pechstein als Absolvent der Dresdener Kunstakademie den Sächsischen Staatspreis gewonnen, der es jungen Künstlern ermöglichen sollte, zur Weiterbildung in Rom und Florenz die Werke der Renaissance zu studieren. Pechstein jedoch hielt es drei Monate in Italien, dann reiste er mit dem Geld nach Paris, dem damaligen Zentrum der aktuellsten Kunst. Pechstein wollte nicht nach dem Vergangenen suchen, sondern sich direkt mit den modernen Strömungen und den neuesten künstlerischen Ideen seiner Zeit messen. Sein sechsmonatiger Aufenthalt in der französischen Metropole brachte ihm zahlreiche inspirierende Anregungen und künstlerische Stimulation. Hier erlebte er die stilistische und formale Lösung von den »alteingesessenen Kräften«, wie sie im »Brücke«-Programm als Ziel formuliert war und wie sie sich Pechstein sehnlichst erhofft hatte.
Das »Junge Mädchen« atmet durch und durch harmonische Ausgewogenheit und ist in ihrer ganzen Ausstrahlung von einer lockeren Leichtigkeit geprägt. Künstlerisch entsteht dies durch die gekonnte Verschränkung von Farbe, Form und Komposition. Der nachgerade melodische Grundton, der von französischer Geschmeidigkeit und der Unbeschwertheit der Stimmung in Paris zeugt, entsteht durch die elegant geschwungene Linie einer weichen S-Form, in die Kopf, Hals und Oberkörper der Dargestellten eingebunden sind.(1) Die innere Einstellung der Franzosen, dass Kunst Auge und Herz erfreuen solle und eine Vorstellung von Harmonie und Lebensfreude abbilden möge, ist während der Entstehung des Gemäldes von Pechstein ganz verinnerlicht. Die Worte von Henri Matisse, dem wichtigsten Vertreter der Fauves, treffen ganz auf die Stimmung auch dieses Bildnisses zu: »Was ich erträumte, ist eine Kunst der Ausgewogenheit, der Reinheit, der Ruhe ... , wie ein gemütlicher Sessel, in dem man seine Alltagssorgen vergißt.«(2)
Vor allem in der farblichen Gestaltung hat Pechstein, inspiriert durch das Vorbild der Fauves, nun gänzliches Neuland betreten.(3) Luftig leicht und locker ist die Farbe dünn in einzelnen Akzenten aufgetragen, nichts erinnert mehr an den dichten, pastosen Farbteppich des Vorjahres. Doch ist die Farbe nicht nur leichter, sondern auch lichter geworden und hat eine ganz neue Intensität in der Leuchtkraft gewonnen. Dies wird auch betont durch das Stehenlassen der Leinwand, die zwischen den einzelnen Farbbahnen und -tupfen hervorleuchtet und die Intensität der Farbe unterstreicht. Gleichzeitig entsteht so der Eindruck des Spontanen, des Skizzenhaften, das dem »Brücke«-Motto des »unmittelbar und unverfälscht« entsprach. Dennoch ist die Wahl der Farben alles andere als zufällig, sondern mit großer Sicherheit gemäß der komplementären Kontraste ausgewählt, was als Effekt wiederum eine gegenseitige Steigerung und Intensivierung der Leuchtkraft zur Folge hat.

(1) Meike Hoffmann, Max Pechstein in Paris, in: Ausst.-
Kat. Max Pechstein. Sein malerisches Werk, Brücke-
Museum Berlin u.a., München 1996, S. 65-77, zu
»Junges Mädchen«, S. 74 ff.
(2) Übersetzt nach: Henri Matisse, Notes d'un peintre,
in: Ecrits ä propos sur l'art, Paris 1972, S. 50.
(3) Zur Rezeption der Fauves in Deutschland siehe
auch: Carla Schulz-Hoffmann, Sur l'influence des
Fauves en Allemagne, in: Ausst.-Kat. Le fauvisme ou
»Ii6preuve du feu«. Eruption de la modernit6 en
Europe, Mus6e d'art moderne de la Ville de Paris, Paris
1999, S. 279-285.

Janina Dahlmanns

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Monogrammiert oben rechts: HMP 08 (Signatur)
Rückseitig: Junges Mädchen/ 1908/ HMPechstein/ Berlin W. 62./ Kurfürstenstr. 126/ Berlin-Grunewald /Warmbrunnerstr. 20 (Bezeichnung)

Inventarnummer
DL 1984/1

Werkverzeichnisnummer
Soika 1908/6

Literatur

Max Pechstein im Brücke-Museum, Belgin, Tayfun, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2001, Kat. Nr.2

Das Brücke-Museum, Reidemeister, Leopold, Berlin, 1984, Abb. S.35

Brücke und Berlin : 100 Jahre Expressionismus, Arnold-Becker, Alice , Berlin : Nicolai, 2005, Abb. S.Abb. 197, Kat. Nr.Kat.-Nr. 327

Brücke : die Geburt des deutschen Expressionismus, Javier, Arnaldo, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2005, Abb. S.282, Kat. Nr.151

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.326, Abb. S.327, Kat. Nr.132

Max Pechstein : Pionier der Moderne, Moeller, Magdalena M., München : Hirmer, 2015, Erw. S.90, Abb. S.85, Kat. Nr.48

Brücke Museum Highlights, Moeller, Magdalena M., München : Hirmer, 2017, Kat. Nr.236

Künstler der Brücke. Gemälde der Dresdener Jahre 1905 - 1910 Ausstellung im Brücke-Museum vom 8. September bis 28. Oktober 1973, Leopold Reidemeister, Senator für Wissenschaftund Kunst, Berlin, 1973, Abb. S.Tafel 17, Kat. Nr.30