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Künstler

Max Pechstein

Titel

Eliasfriedhof in Dresden

Jahr
1906
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 44,3 x 61 cm
Rahmenmaß 54,6 x 70,5 x 4 cm
Verknüpfte Ausstellungen
Die Brücke 1905 - 1914, 2018/19, Museum Frieder Burda, Baden-Baden
Künstler der Brücke. Gemälde der Dresdener Jahre 1905 - 1910, 1973, Brücke Museum, Berlin
Details zum Erwerb
Erworben 1979 aus Privatbesitz
Credits
Copyright: Pechstein – Hamburg / Tökendorf
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Im Jahr 1906 trat Max Pechstein der im Vorjahr gegründeten Künstlergruppe »Brücke« bei. Der Absolvent der Dresdener Kunstgewerbeschule und Meisterschüler an der Kunstakademie hatte während seiner Arbeiten an einem Wandbild für die internationale Raumkunst-Ausstellung in Dresden Erich Heckel kennen gelernt, der dort für den Architekten Wilhelm Kreis tätig war. Bei einer Diskussion über die Leuchtkraft der Farbe auf einem der Bilder Pechsteins entdeckten die beiden Maler ihre künstlerischen Gemeinsamkeiten, bald darauf wurde Pechstein in den Kreis der »Brücke«-Gemeinschaft eingeführt. »Beglückt entdeckten wir einen restlosen Gleichklang im Drang nach Befreiung, nach einer vorwärts stürmenden Kunst.«(1) so beschrieb Pechstein in der Rückschau die enthusiastische Aufbruchstimmung dieser Zeit.
Dieser jugendlich-engagierte Wille zur Avantgarde und zur Lösung von der traditionellen akademischen Malweise manifestiert sich auch deutlich in dem im selben Jahr entstandenen Gemälde »Eliasfriedhof in Dresden«. Vor allem die pastose Technik mit temperamentvollem Gestus ist für die Malerei Pechsteins in den Jahren 1906 und 1907 typisch. Im dickflüssigen, dichten Farbauftrag ist der Duktus des Pinsels deutlich zu erkennen, so dass der ganze Schwung und die impulsive Dynamik des Schaffensprozesses sichtbar bleiben. Hier zeigt sich das Vorbild Vincent van Goghs, dessen Kunst bei Pechstein ebenso wie bei seinen »Brücke«-Kollegen tiefe Bewunderung auslöste.(2) Durch die sichtbaren Pinselstriche, die mal breit und kurvig, mal kürzer und kommahaft sind, werden die einzelnen Bildpartien strukturiert und in ihrer Oberfläche zueinander in Kontrast gesetzt. Gekonnt kreiert Pechstein auch den Eindruck der durch das dichte Blattwerk fallenden Sonnenstrahlen, die auf der Wiese ein goldenes Licht hervorrufen. Hier wird deutlich, dass ihm auch die Prinzipien des Impressionismus bestens vertraut waren. Doch geht er stilistisch darüber hinaus, indem er nicht den rein visuellen Eindruck, sondern die subjektiv empfundene eigene Gemütslage wiedergibt. In der bewegten, schwungvollen Dynamik der sommergrünen Wiese manifestiert sich der Schaffensdrang des jungen Malers, der ihm selber wie ein unaufhaltsam sprudelnder Strom von Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten vorkam. Gleichzeitig lässt sich das stete Fließen als symbolhafter Gedanke an das Dahinströmen der Zeit und des Lebens lesen. Überhaupt ist die Wahl des Motivs des Friedhofs mit den Assoziationen zu Tod, Vergänglichkeit und Morbidität ein Rückgriff auf die Themenwelt des Symbolismus und somit auf die Kunst des Fin de Siècle. In dieser Phase des Suchens nach neuen Ausdrucksformen ist diese Verbindung von Altem in der Thematik und Neuem im Stil durchaus eine typische Erscheinung.
Der zu diesem Motiv inspirierende Dresdener Eliasfriedhof ist in der Pirnaischen Vorstadt, an der Holbeinstraße gelegen.(3) Wie bei den Architekturmotiven und Ansichten von Stadträumen bei der »Brücke« üblich, lässt sich auch bei Pechstein der topographische Ort genau ermitteln. Bei aller Konzentration auf künstlerische Eigenschaften, wie hier Farbe und Licht sowie die Dynamik des Duktus, sind die Details des vorbildgebenden Ortes wiederzuerkennen.

(1) Max Pechstein, Erinnerungen, hrsg. von Karin von Maur, 2. Auflage, Stuttgart 1993, S. 22 f.
(2) Magdalena M. Moeller, Zu Pechsteins Stil und Stilentwicklung, in: Ausst.-Kat. Max Pechstein. Sein malerisches Werk, Brücke-Museum Berlin u.a., München 1996, S. 41-63, S. 42 f.
(3) Konstanze Rudert, Dresdner Motive in den Werken der Künstlergemeinschaft Brücke, in: Ausst.-Kat. Die Brücke in Dresden 1905-1911, hrsg. von Birgit Dalba-jewa und Ulrich Bischoff, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister, Köln 2001; S. 359-388; S. 381.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Monogrammiert unten rechts: MP 06 (Signatur)
Rückseitig auf dem Bildträger: M. Pechstein/ 06/ Dresden/ Eliasfriedhof (Bezeichnung)

Inventarnummer
3/79

Werkverzeichnisnummer
Soika 1906/2

Literatur

Max Pechstein im Brücke-Museum, Belgin, Tayfun, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2001, Kat. Nr.1

Die "Brücke" : Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2000, Kat. Nr.120

Brücke : la nascita dell´espressionismo, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Milano : Mazzotta, 1999, Kat. Nr.Kat.-Nr. 108

Die "Brücke" : Meisterwerke des Expressionismus aus dem Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., Berlin : Brücke-Museum, 2000, Kat. Nr.Kat.-Nr. 120

Brücke : el nacimiento del expresionismo alemán, Arnaldo, Javier, [Madrid] : Museo Thyssen-Bornemisza, 2005, Kat. Nr.41

Brücke : el naixement de l'expressionisme alemany, Arnaldo, Javier, Barcelona : Lunwerg, 2005, Abb. S.99

Christian Rohlfs : die Begegnung mit der Moderne, Luckow, Dirk, München : Hirmer, 2005, Kat. Nr.56

Brücke : die Geburt des deutschen Expressionismus, Javier, Arnaldo, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2005, Erw. S.140, Abb. S.147, Kat. Nr.40

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.324, Abb. S.325, Kat. Nr.131

Max Pechstein : Pionier der Moderne, Moeller, Magdalena M., München : Hirmer, 2015, Erw. S.40, Abb. S.23, Kat. Nr.5

Brücke Museum Highlights, Moeller, Magdalena M., München : Hirmer, 2017, Kat. Nr.235

Künstler der Brücke. Gemälde der Dresdener Jahre 1905 - 1910 Ausstellung im Brücke-Museum vom 8. September bis 28. Oktober 1973, Leopold Reidemeister, Senator für Wissenschaftund Kunst, Berlin, 1973, Kat. Nr.16