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Künstler

Erich Heckel

Titel

Blühende Zweige

Jahr
1905
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 60 x 60 cm
Rahmenmaß 69 x 69 x 2,7 cm
Verknüpfte Ausstellungen
Details zum Erwerb
Erworben 1966 als Schenkung von Erich Heckel
Credits
Copyright (Print): Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
Copyright (Online): VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Im Gemälde »Blühende Zweige« experimentiert Erich Heckel mit Elementen des Neoimpressionismus und verbindet sie mit Anregungen aus der Kunst van Goghs. Auf den ersten Blick dominieren die locker nebeneinander gesetzten Tupfen, die eine Assoziation an den Punktstil der Neoimpressionisten wachrufen.(1) Heckel unterwirft sich jedoch nicht der strengen Theorie des Pointillismus im Sinne von Seurat und Signac. Statt der völligen Lösung von linearen Konturen strukturiert Heckel die Bildfläche durch die kurvigen Arme der Äste. Dabei orientiert er sich an der dynamisch und energiegeladen über das Bild laufenden Pinselschrift van Goghs. Die Äste in naturalistischem Braun und Schatten assoziierendem Blau geben der Komposition Festigkeit und vermitteln eine Vorstellung von oben und unten. Im Gegensatz dazu breiten sich die runden, wie kommaförmigen Farbflecken in die Breite aus, ohne räumliche Tiefenwirkung zu erzielen. Sie scheinen sich ins Unbegrenzte auch über die ausschnitthafte Bildfläche hinaus fortzusetzen. Aus Rot, Rosa und Weiß sind diese Partien mit den duftigen Blüten gestaltet und tendieren zu einer freien, geradezu abstrahierenden Farbwirkung. Der neoimpressionistischen Theorie eines wissenschaftlich reflektierten Einsatzes der reinen Farben zu ihrer additiven Wirkung folgt Heckel nur marginal. Statt mit geduldigem, spitzem Pinsel Bildpunkte aufzutragen, variiert er die Größe der Farbflecken, und statt reine Farben des Prismas nebeneinander zu setzen, die sich erst aus einer gewissen Distanz im Auge des Betrachters zur erwünschten Farbwirkung zusammenschließen, verwendete bereits auf der Palette gemischte Töne. Dennoch wird deutlich, dass Heckel den Effekt des Zusammenspiels und die Kontraste der nebeneinander liegenden Farben ausprobierte. Dabei befasste er sich mit dem Ausdruckscharakter der Farben: So hebt der helle, pastellhafte Ton der Blüten das lockere Wesen, den durchscheinenden Charakter der zarten Frühlingsboten hervor. In betont frischem Maigrün wird auf das lebendige Erwachen der Vegetation verwiesen. Formal gänzlich frei, wie assoziative Ausrufezeichen aus Farbe, setzt Heckel leuchtend blaue Akzente, die den Durchblick durch die blühenden Zweige auf einen sonnigen Himmel andeuten. Gewagt und für die Zeit recht unorthodox ist das bewusste Stehenlassen des Malgrundes. Die unbemalte, weiß hervortretende Leinwand wird in die Darstellung integriert und verleiht durch ihren matten, kreidigen Ton den leuchtenden Farben noch intensivere Strahlkraft. Hier kündigt sich bereits das expressive Moment an, das für Heckels Schaffen in den Folgejahren von großer Bedeutung sein wird.
Die »Blühenden Zweige« sind aus heutiger Sicht ein aufschlussreiches Zeugnis der Anregungen, die die jungen »Brücke«-Künstler in ihrer Anfangszeit aufgriffen.(2) Der Künstler selbst betrachtete das Bild wenig später als experimentelle Fingerübung und nutzte die andere Seite der Leinwand bereits drei Jahre später ein weiteres Mal für das expressiv bewegte Stillleben der »Toten Hühner«.

(1) Andrea Witte, Die »Brücke«, in: Ausst.-Kat. Farben des Lichts. Paul Signac und der Beginn der Moderne von Matisse bis Mondrian, hrsg. von Erich Franz, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster u.a. 1996/97, Ostfildern 1996, S. 267-290, S. 270 f.
(2) Zu den verschiedenen Ausstellungen in Dresden, die für die »Brücke«-Künstler inspirierend gewesen sein könnten, siehe auch: Witte, wie Anm. 1, S. 267-269

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
: Nicht signiert (Signatur)
: Nicht bezeichnet (Bezeichnung)

Inventarnummer
4/66 v

Werkverzeichnisnummer
Vogt 1905 / 1

Literatur

4/66, Erich Heckel (1883 - 1970), Tote Hühner, 1908

Die "Brücke" : Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2000, Kat. Nr.76

Das Brücke-Museum, Reidemeister, Leopold, Berlin, 1984, Abb. S.43

Das Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., München : Prestel, 1996, Abb. S.54

Die "Brücke" : Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgraphik von Ernst-Ludwig Kirchner, Karl Schmitt-Rottluff, Erich Heckel, Max Pechstein, Emil Nolde und Otto Mueller aus der Sammlung des Brücke-Museums Berlin, Benesch, Evelyn, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 1995, Kat. Nr.70

Erich Heckel : 1883 - 1970 ; Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik, Dube, Annemarie, München : Prestel, 1983, Abb. S.93, Kat. Nr.12

Künstler der Brücke : Gemälde der Dresdener Jahre 1905-1910, Reidemeister, Leopold, Berlin, 1973, Abb. S.Tafel 3, Kat. Nr.5

Die "Brücke" : Meisterwerke des Expressionismus aus dem Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., Berlin : Brücke-Museum, 2000, Kat. Nr.76

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.84, Abb. S.85, Kat. Nr.20 verso

Künstler der Brücke. Gemälde der Dresdener Jahre 1905 - 1910 Ausstellung im Brücke-Museum vom 8. September bis 28. Oktober 1973, Leopold Reidemeister, Senator für Wissenschaftund Kunst, Berlin, 1973, Abb. S.Tafel 1, Kat. Nr.4