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Stopp 5 auf dem Audiowalk: Eine Brücke in die Zukunft

Der vom Künstlerduo Po:era entwickelte Audiowalk führt zu sechs Adressen in Friedenau, an denen die Brücke-Künstler sowie die mit ihnen befreundete Malerin Emma Ritter, und Emy Fisch, die spätere Ehefrau von Karl Schmidt-Rottluff und Foto-Dokumentaristin der Gruppe, wohnten. Aus ihrer Perspektive erfahren wir mehr darüber, wer die Menschen hinter der Brücke-Kunst waren und wie sie auch jenseits ihres künstlerischen Schaffens die Konventionen ihrer Zeit in Frage stellten.

Unter Berücksichtigung der historisch überlieferten Fakten erzählen Po:era in sechs Kapiteln fiktionalisierte Geschichten, die sich an den verschiedenen Schauplätzen so oder so ähnlich zugetragen haben könnten. Eingebettet sind die an klassische Hörspielformate angelehnten Szenen in eine Begleiterzählung, die nicht nur Infos zur jeweiligen Adresse und Tipps für den Spaziergang durch Friedenau beinhaltet, sondern immer wieder auch den Bogen zur heutigen Zeit schlägt und die Errungenschaften der Künstlergruppe in aktuelle Diskurse einordnet.

Wir empfehlen den ca. 90-minütigen Hörspaziergang in der vorgeschlagenen Reihenfolge und an einem Stück zu machen, beginnend in der Durlacher Straße 15 in unmittelbarer Nähe zum S-Bahnhof Bundesplatz. Die Route zum jeweils nächsten Stopp ist auf der Karte eingezeichnet, die bei eingeschalteter Standortfunktion die Orientierung vor Ort erleichtert. Jedes Kapitel enthält Fotos zur Identifizierung der genauen Adressen. Der Audiowalk kann aber auch von zuhause und in beliebiger Reihenfolge abgerufen werden. Begleitende Musikstücke am Ende jedes Kapitels verschönern die Wege von einem Stopp zum nächsten und erzeugen ein Gefühl für die Zeit, zu der die Brücke-Künstler in Berlin lebten. Das beste Hörerlebnis bieten Kopfhörer in ausreichender Qualität.

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Wohnatelier von Otto Mueller (1916–1919)

Wohnen und Arbeiten

„An die Wände der kleinen bescheidenen Dachwohnung in Friedenau hatte er sich eine Art Paradies gezaubert, in dem seine ‚Badenden‘ sich tummelten. Eine bestrickende Folge, die sicher zum Besten gehört, was Otto Müller [sic] geschaffen hat.“

Paul Westheim, Kunstkritiker und damaliger Nachbar von Otto Mueller

Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller, Maschka Mueller und Eugen Meyerhofer in Otto Muellers Wohnung in der Wilhelmshöher Straße 18, Berlin-Friedenau, um 1918, Fotografie, Brücke-Museum

Begeistert lädt Otto Mueller seinen Nachbarn Paul Westheim ein, um ihm den gerade fertig gestellten Fries unterhalb der Decke seines Wohnzimmers zu zeigen. Hatte der Künstler in früheren Domizilen ganze Wände großflächig mit Figuren und Ornamenten bemalt, entscheidet er sich in der Wilhelmshöher Straße für ein dezentes Band mit weiblichen Akten. Inspiriert von pompejischen Fresken verwendet er hierfür eine matte Leimfarbe.

Wilhelmshöher Straße 18-19, um 1930, © edition Friedenauer Brücke

Das historische Foto dokumentiert nicht nur Muellers Wandmalerei, sondern zugleich die kurze Phase nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg bis zu seiner Berufung als Professor an die Kunstakademie in Breslau 1919. Zu sehen sind neben ihm seine Frau Maschka Mueller (geb. Meyerhofer), ihr Neffe Eugen Meyerhofer und Karl Schmidt-Rottluff, der mit seiner Partnerin Emy Frisch (ab 1919 Schmidt-Rottluff) nur wenige Gehminuten entfernt wohnt.

Friedenau ist zu dieser Zeit fest in künstlerischer Hand: Auch Erich Heckel, der Muellers Atelier in der nahen Mommsenstraße  (seit 1927 Markelstraße) übernommen hat, und Max Pechstein wohnen dort. Als Mueller schließlich nach Breslau zieht, wird Georg Tappert, Künstler und Mitorganisator der Neuen Secession, sein Nachmieter.

Valentina Bay

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