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Künstler

Erich Heckel

Titel

Stilleben mit Ikat

Jahr
1949
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 64 x 85 cm
Rahmenmaß 68,2 x 89 x 2,5 cm
Verknüpfte Ausstellungen
Details zum Erwerb
Seit 1976 als Dauerleihgabe aus dem Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
Credits
Copyright (Print): Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
Copyright (Online): VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Gerade in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als Erich Heckel in Hemmenhofen am Bodensee ein neues Zuhause gefunden hatte, war das Stilleben seine bevorzugte Bildgattung. Ein starkes Bedürfnis nach Ruhe, Stille und Ordnung läßt sich in der Betrachtung und formalen Bearbeitung der unbelebten Dingwelt ideal ausleben, so dass die Kunst nach den Wirrnissen und Grenzerfahrungen der Kriegsjahre für Erich Heckel zu einem ausgleichenden Gegenpol werden konnte.
Im »Stilleben mit Ikat« kombiniert Heckel diverse Objekte, die er in sein neues Domizil hatte mitnehmen können, und die nicht den Flammen der Berliner Bombennächte zum Opfer gefallen waren. In gewisser Weise vollzieht Heckel eine Bestandsaufnahme seiner ihm persönlich wichtigen Gegenstände. Neben gesammelten Kuriositäten wie dem Widderhorn oder der schlichten bäuerlichen Schaufel aus Holz, die das ethnographische und primitivistische Interesse des Malers illustrieren, gehörten hierzu auch verschiedene außereuropäische Objekte wie die geschnitzte Maske aus Holz oder der Ikat, ein indonesischer Webteppich, der aus verschieden eingefärbten Fäden hergestellt und nach traditionellen Mustern mit stilisierten Tieren geschmückt ist und von Heckel als Wandbehang genutzt wurde. Diese Artefakte treten in einen »stillen Dialog«(1) mit den organisch gewachsenen Dingen aus der Natur wie den sich lebendig schlängelnden Blumen oder der reizvoll geriffelten Oberfläche des Horns.
In einer »unterdrückten Tiefenräumlichkeit«(2) staffelt Heckel die einzelnen Bildelemente übereinander und klappt den Tisch zu einer hellen Fläche hoch, um einen kontrastierenden Hintergrund für die abgelegten Objekte zu schaffen. Dabei kreiert er drei übereinander liegende, aufsteigende Farbzonen: Den hellen Grund des hölzernen Tisches, den rosafarbenen Wandbehang und einen oben abschließenden dunklen Hintergrund, der durch die oben und unten abschließende Borte des Webteppichs gebildet wird. Dieser horizontalen Gliederung korrespondieren die aufrechten, vertikalen Formen der stilisierten Tiere, so dass sich eine strenge Komposition ergibt, die sehr stark rhythmisiert erscheint.(3) In der stetigen Gleichmäßigkeit der Formen in Verbindung mit ihrer flächigen Gestaltung entwickelt sich eine repetitive Ornamenthaftigkeit. Sie wird vor allem durch die Blumen aufgelockert, in denen sich ein weiteres Mal Heckels Fähigkeit zum harmonischen Ausgleich in der bildnerischen Gestaltung zeigt.
Mit den Stilleben und Landschaften ab 194-9 beginnt das Spätwerk der letzten zwei Lebensjahrzehnte Heckels.

(1) Diese Formulierung von Beate Elsen-Schwedler wurde auch zum Titel einer Ausstellung: Ausst.-Kat. Der stille Dialog — Stilleben, Skulpturen, Materialbilder und Objekte des 20. Jahrhunderts in der Sammlung Würth, Museum Würth, Künzelsau 2000.
(2) Andrea Hofmann, Erich Heckel. Die Jahre am Bodensee 1944-1970, Reihe Kunst am See, Bd. 24, Friedrichshafen 1994, S. 71.
(3) Magdalena M. Moeller, Das Brücke-Museum Berlin, München u.a. 1995, 2. Auflage 2001, S. 66.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006, S. 132 (Kat. Nr. 41)

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
: Nicht signiert (Signatur)
Rückseitig: Stilleben Heckel 49 (Bezeichnung)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Heckel (Bezeichnung)

Inventarnummer
DL 1976/3

Werkverzeichnisnummer
Hünecke 1949-7; Vogt 1949/7

Literatur

170/70, Erich Heckel (1883 - 1970), Tulpen, 1949

Die Brücke in der Südsee : Exotik der Farbe, Dittmann, Lorenz, Saarlandmuseum, Ralph Melcher, Saarbrücken, Ostfildern-Ruit : Hatje Cantz, 2005, Abb. S.Abb. S. 43, Kat. Nr.Kat.-Nr. 15

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.132, Abb. S.133, Kat. Nr.41

Erich Heckel : der große Expressionist ; Werke aus dem Brücke-Museum Berlin, Bielefeld, Marlene, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2013, Erw. S.238, Kat. Nr.169

Mit Dank für die Blumen! Eine Florinade zum 25-jährigen Jubiläum des Schloßmuseums Murnau, K.P. Frank, Karin Hellwig, Josef Kümmerle, Rupprecht Mayer, Alexej Rodionov, Franziska Straubinger, Sandra Uhrig, Constanze Werner, Schloßmuseum des Marktes Murnau, 2018, Erw. S.54, Abb. S.55