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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Stilleben mit Vase und Krügen

Jahr
um 1960
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 76 x 90 cm
Rahmenmaß 91,8 x 105,5 x 4 cm
Details zum Erwerb
Dauerleihgabe der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Das »Stilleben mit Vase und Krügen« gehört zur Werkgruppe der letzten Ölgemälde in Schmidt-Rottluffs Schaffen, bevor er 1964 diese Technik altersbedingt aufgab. Bezeichnend für den Künstler Schmidt-Rottluff ist, dass er auch im hohen Alter nichts an Kreativität und Schaffenslust eingebüßt hatte und nochmals eine neue Bildsprache entwickelte, die für sein Empfinden und Denken einen adäquaten Ausdruck möglich machte.
So zeichnet sich diese letzte Stilstufe des mittlerweile fast achtzigjährigen Künstlers durch eine unruhige Gesamtwirkung aus, die aus brüchigen Konturlinien und einem unregelmäßigen Farbauftrag resultiert. Gerade diese Bedeutung der Umrisslinien ist eine Konstante in Schmidt-Rottluffs Werk, die sich stets fortentwickelte: Seit den 1930er Jahren hatte er diese zu einem wichtigen Charakteristikum seines persönlichen Stils gemacht, zunächst als schwarze, dann als leuchtend bunt-farbige Konturen, die den Gegenständen und Flächen im Bildraum Festigkeit und im Laufe der 1950er Jahre eine fast abstrahierte Autonomie verliehen hatten. Nun werden diese Konturen nicht mehr entschlossen und kraftvoll durchgezogen, sondern sind aus kürzeren, voneinander abgesetzten Strichen mit unregelmäßigen Rändern geformt. Sie werden durchlässig, lösen die Stabilität der Dingwelt allmählich auf und verleihen dem Bild einen flackernden, unbeständigen Charakter. Die gezeigten Objekte, die für die alltägliche Lebenswelt Schmidt-Rottluffs stehen, scheinen geradezu in Auflösung begriffen zu sein.
Damit setzte Schmidt-Rottluff diese neue Art der Kontur als expressives Mittel ein. Ausgehend von dem Verständnis des Expressionismus als einer Kunst, die das subjektive Erleben der Welt und die persönlich empfundene Stimmung des Künstlers durch seine Handschrift sichtbar macht, ist dies ein weiterer, konsequenter Entwicklungsschritt dieser künstlerischen Maxime. Ein ganzes Menschenleben voll künstlerischem Schaffen ist damit anhand der von Schmidt-Rottluffs Hand entstandenen Kunstwerke nachzuvollziehen, von der stürmischen, eruptiven Energie der Jugend während der Zeit der »Brücke« bis hin zu der beruhigten, gefestigten Weltsicht des gereiften Mannes und dem Ausdruck des alten Menschen, der sich mit der Vergänglichkeit und der Auflösung seiner Welt im Bewusstsein der eigenen Endlichkeit auseinandersetzte. Schmidt-Rottluffs späte Stilleben werden damit zu ergreifenden Zeugnissen eines tief und ehrlich empfindenden Menschen. Die fast klischeehafte Assoziation an eine »zittrige Hand« des alternden Künstlers mag nicht nur als ein humoriger Verweis auf die eigene Lebenssituation zu verstehen sein. Diese stilistische Eigenart wird zum Kennzeichen seiner späten Gemälde und prägt auch die in den 1960er und 1970er Jahren noch zahlreich entstehenden Aquarelle.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M.: Brücke-Museum Berlin - Malerei und Plastik : Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung ; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2011.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten links: S.Rottluff (Signatur)
: Nicht bezeichnet (Bezeichnung)

Inventarnummer
A 90

Werkverzeichnisnummer
nicht mehr bei Grohmann

Literatur

Karl Schmidt-Rottluff - Die Berliner Jahre 1946 - 1976 , Remm, Christiane, Fredheim, Arnt, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2005, Erw. S.31, Abb. S.112, Kat. Nr.50

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik, Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung : kommentiertes Verzeichnis der Bestände , Remm, Christiane, Dahlmanns, Janina, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2011, Erw. S.192, Abb. S.193, Kat. Nr.86