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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Die Serpentine

Jahr
1950
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 87 x 101 cm
Rahmenmaß 99 x 113 x 4 cm
Details zum Erwerb
Dauerleihgabe der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Bei der Betrachtung von Schmidt-Rottluffs Gesamtwerk fällt auf, dass er in seinen Landschaftsdarstellungen häufig das Motiv einer Straße, meist in hellen, sonnigen Farben gehalten, zum Blickfang machte.(1) Hier drängt sich eine symbolische Interpretation auf, da das Motiv des in der unbekannten Ferne verschwindenden Weges beim Betrachter einige Assoziationen auslöst. Jedoch scheint es wahrscheinlicher, dass Schmidt-Rottluff das Motiv primär aus kompositorischen Gründen reizte: eine helle Fläche, die sich schwungvoll in die Tiefe des Bildraumes erstreckt, die das Auge des Betrachters anzieht und leitet. Diese den Bildaufbau bestimmende Stringenz ist gerade im vorliegenden Gemälde »Die Serpentine« eindringlich erfahrbar. Das Gelb der Straße scheint durch seine Mischung mit Weiß gleißend hell, gleichzeitig leitet das gebrochene Weiß zu verschiedenen reinweißen Partien im Bild über: dem Weiß des Hausdaches oder den schimmernden Leuchtzonen um die Äste und Berge, die an den nebligen Dunst eines frühen Morgens erinnern. Der Blick wird also in zweierlei Hinsicht geleitet und gezogen: farblich durch das über mehrere Zonen springende Weiß, aber auch formal durch den dynamischen Schwung der sich um die Kurve schlängelnden Serpentinenstraße. Dieser gelbe Weg erinnert an die strömende Unaufhaltsamkeit von etwas Fließendem, an eine nicht aufzuhaltende Naturgewalt. Prägnant hervorgehoben ist auch der Kontrast zwischen der dynamischen, warmfarbigen, hellen Form dieses Weges und der Statik des gewaltig und unbewegt aufragenden Massivs der in kühlerem Blau gehaltenen, majestätisch entrückten Berge im Hintergrund des Bildes.
Auffallend in diesem Gemälde ist die Eleganz der Linienführung, die weich gekurvt und schönlinig erscheint. Auch die reduzierte, scherenschnittartig anmutende Form des blätterlosen Baumes in der Kurve sowie seines Schattens hat eine graphische, sehr konzentrierte Ästhetik. Insgesamt wird in diesem Bild die Schönheit des persönlichen Landschaftserlebnisses Schmidt-Rottluffs
umgesetzt.

(1) Beispielweise »Taunusfrühling«, 1951, Öl auf Leinwand, Brücke-Museum Berlin, Inv.-Nr. 19/64. Vgl. Magdalena M. Moeller (Hrsg.), Brücke-Museum Berlin. Plastik und Malerei. Kommentiertes Verzeichnis der Bestände, München 2006, Kat. Nr. 97.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M.: Brücke-Museum Berlin - Malerei und Plastik : Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung ; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2011.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt=Rottluff "Die Serpentine" ((508)) / =gewachst= (Bezeichnung)

Inventarnummer
A 33

Werkverzeichnisnummer
Grohmann S. 305

Literatur

Karl Schmidt-Rottluff : ein Maler des 20. Jahrhunderts ; Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von 1905 bis 1972 ; eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Brücke-Museum Berlin, Belgin, Tayfun, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2001, Kat. Nr.Kat.-Nr. 73

Karl Schmidt-Rottluff, der Maler, Schmidt, Hans-Werner, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Stuttgart : Hatje, 1992, Kat. Nr.103

Karl Schmidt-Rottluff - Die Berliner Jahre 1946 - 1976 , Remm, Christiane, Fredheim, Arnt, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2005, Abb. S.91, Kat. Nr.32

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik, Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung : kommentiertes Verzeichnis der Bestände , Remm, Christiane, Dahlmanns, Janina, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2011, Erw. S.78, Abb. S.79, Kat. Nr.29

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Abb. S.50, Kat. Nr.19