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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Die Palette

Jahr
1950
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 76 x 90 cm
Rahmenmaß 91,8 x 105,5 x 3,5 cm
Details zum Erwerb
Dauerleihgabe der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Um 1950 dienten Interieurs und Stillleben dem Künstler bildnishaft als Spiegel seiner Befindlichkeit. Auch »Die Palette« zeigt in diesem Kontext ein typisches Interieur-Stillleben: Auf dem — in etlichen Darstellungen dieser Zeit gezeigten — Tisch mit der einseitig nach innen gewölbten Kante sind ein Blumentopf, Becher und andere persönliche Gegenstände abgelegt und werden dem Betrachter demonstrativ gezeigt. Im vorliegenden Gemälde jedoch bilden ganz besondere Objekte den Mittelpunkt der Darstellung: Es ist die Farbpalette des Künstlers, die an prominenter Stelle in der Bildmitte platziert wurde und die den Blumentopf und die anderen irdenen Gefäße quasi an den Rand drängt. Rechts daneben erscheinen die dazugehörenden Pinsel, die — im Unterschied zu den »verdrängten« Gegenständen — mit ihrer Lage direkt auf die Palette verweisen. Mit diesem Arrangement bringt Schmidt-Rottluff ein Anliegen zum Ausdruck, das über das metaphorische Abbilden seiner Situation und seines Befindens durch die Wiedergabe des persönlichen Umfelds hinausgeht: Mit der Darstellung von Malutensilien wie Palette und Pinsel bedient er bewusst eine kanonische Form des Künstlerbildnisses.
Langsam tastete er sich heran an die Wiederaufnahme des klassischen Sujets des Selbst- bzw. Künstlerbildnisses, das große Bedeutung für ihn hatte. Vor allem zu Beginn der 192oer Jahre waren mit dem künstlerischen Neubeginn nach dem Ersten Weltkrieg etliche Selbstbildnisse entstanden, von denen einige den direkten Bezug zu seiner Profession als Künstler aufweisen. Auch im »Selbstbildnis« von 1928 zeigt er sich noch mit dem Pinsel in der Hand. Der Blick entschlossen und vielleicht etwas abweisend, kündet dieses Portrait doch von kraftvoller Selbstdarstellung und eindringlicher Befragung. In den folgenden sechzehn Jahren malte er kein Selbstportrait mehr, und das »Selbstbildnis« von 1944, entstanden zur Zeit des Malverbots, ist von gänzlich anderer Wirkung: Ohne Insignien des Künstlertums, frontal und nur im Gesichtsausschnitt wiedergegeben, wirkt es wie ein fragender Blick in den Spiegel, ein unbestimmtes Zeugnis im Sinne einer Identitätsbefragung. Nach der Diffamierung durch die herrschenden Nationalsozialisten findet sein künstlerisches Engagement nunmehr im Verborgenen statt; und auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der erneuten Erlangung künstlerischer Freiheit finden sich die Aussagen des Künstlers weiterhin chiffriert in den Objekten und Arrangements seiner Stillleben. So präsentiert Schmidt-Rottluff in »Die Palette« anstelle seiner selbst wesentliche Requisiten seiner Identität als Künstler, eine verschlüsselte und gleichsam überaus deutliche Botschaft seiner Selbstbestimmung. Die Anordnung der Palette als Blickfang in der Mitte der Komposition und ihre Hervorhebung durch auffallendes Licht lässt die Eindringlichkeit der Aussage deutlich werden. Im selben Jahr 195o führte Schmidt-Rottluff zwei letzte Selbstbildnisse in Öl aus. Eines davon, »Im Atelier«,(1) zeigt den Künstler erneut vor einem seiner Arbeitsmittel, der Staffelei. Das Pendant zu dem vorliegenden Gemälde, »Gelbe Palette« aus dem Jahr 1953,(2) vereint mehrere Attribute seiner Künstlerschaft, wie Staffelei, Malkasten, Pinsel und Palette, und verortet das Stillleben in seinem Atelier, deutlicher noch, als im vorliegenden Bild. Der kritische befragende Blick in den Spiegel ist nicht mehr nötig, die Frage nach seiner Identität als Künstler ist beantwortet.

(1) Siehe Moeller 2006, Kat. Nr. 9o.
(2) Siehe Ebd., Kat. Nr. 99.

Christiane Remm

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten links: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt=Rottluff "Die Palette" ((504)) / =gewachst= (Bezeichnung)

Inventarnummer
A 32

Werkverzeichnisnummer
Grohmann S. 305

Literatur

Karl Schmidt-Rottluff - Die Berliner Jahre 1946 - 1976 , Remm, Christiane, Fredheim, Arnt, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2005, Erw. S.22, 24, Abb. S.65, Kat. Nr.12

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik, Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung : kommentiertes Verzeichnis der Bestände , Remm, Christiane, Dahlmanns, Janina, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2011, Erw. S.76, Abb. S.77, Kat. Nr.28

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Abb. S.160, Kat. Nr.102