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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Gerümpel

Jahr
1949
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 75 x 90 cm
Rahmenmaß 89 x 104,5 x 3,8 cm
Details zum Erwerb
Dauerleihgabe der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Auch das Gemälde »Gerümpel« gehört zu den Stilleben Schmidt-Rottluffs, die in der Zeit der Berlin-Blockade entstanden. Die Auswahl völlig unspektakulärer Gegenstände aus dem privaten Lebensbereich des Künstlers wird hier auf die Spitze getrieben. Der Blick ist auf den Fußboden eines Gartenschuppens mit den scheinbar wahllos darauf verteilten Objekten gerichtet: eine einzelne, ausgetretene Sandale, eine Mistgabel, ein Tau, ein dünneres Seil, einzelne Tonscherben und Steine. Keines dieser Dinge wäre unter normalen Umständen bildwürdig — doch gerade darin liegt die Aussage dieses eigenwilligen Gemäldes. Es impliziert, dass in der Situation der Isolation nur noch der Blick auf den Fußboden möglich ist; es beklagt das Fehlen der persönlichen Freiheit, des Blicks in die Ferne und der Gelegenheit zu Austausch und Inspiration. Auch die Zufälligkeit in der Anordnung der dargestellten Gegenstände und die vermeintlich willkürliche Komposition bekommen eine Bedeutung, indem sie das Gefühl von fehlender Struktur, fehlender Ordnung und fehlender Stabilität ausdrücken. Überhaupt ist bei Schmidt-Rottluffs Arbeiten dieser Zeit ein hoher Symbolgehalt festzustellen.(1) Der alte Schuh, dem sein Gegenstück fehlt, wird zu einem Sinnbild für Einsamkeit und Unvollständigkeit. Die herumliegenden Scherben und Bruchstücke sprechen von Zerstörung: von der konkret faßbaren Zerstörung im vom Bombenkrieg in ein Trümmerfeld verwandelten Berlin, in das Schmidt-Rottluff zurückgekehrt war, wie auch von der innerlichen Zerstörung beim Verlust von geliebten Menschen, altvertrauten Strukturen und Beziehungen der Vorkriegszeit.

(1) Vgl. auch Christiane Remm, "Immer wieder muß die Welt neu gesehen werden". Metamorphose von Motiv, Form und Farbe im Spätwerk Schmidt-Rottluffs«, in: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Die Berliner Jahre 1946-1976, Brücke-Museum Berlin, München 2005, S. 17-32, hier S. 22-24.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M.: Brücke-Museum Berlin - Malerei und Plastik : Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung ; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2011.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt=Rottluff "Gerümpel" =495= / =gewachst= (Bezeichnung)

Inventarnummer
A 30

Werkverzeichnisnummer
nicht bei Grohmann

Literatur

Karl Schmidt-Rottluff - Die Berliner Jahre 1946 - 1976 , Remm, Christiane, Fredheim, Arnt, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2005, Abb. S.62, Kat. Nr.9

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik, Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung : kommentiertes Verzeichnis der Bestände , Remm, Christiane, Dahlmanns, Janina, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2011, Erw. S.72, Abb. S.73, Kat. Nr.26

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Erw. S.136, Abb. S.157, Kat. Nr.99