Zurück zu den Ergebnissen
Zurück zu den Ergebnissen
Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Grabmal

Jahr
1947 - 1954
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 98 x 112 cm
Rahmenmaß 112,5 x 126 x 4,8 cm
Verknüpfte Ausstellungen
Karl Schmidt-Rottluff. expressiv - magisch - fremd, , Bucerius Kunst Forum, Hamburg
Details zum Erwerb
Dauerleihgabe der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Ein Grabmal im eigentlichen Sinne ist auf diesem Gemälde nicht zu sehen, obwohl der Künstler diesen Titel eigenhändig auf dem Keilrahmen vermerkt hat. Möglicherweise handelt es sich bei dieser Bezeichnung um einen Titel, mit dem Schmidt-Rottluff im übertragenen Sinne die morbide, melancholische Atmosphäre des gezeigten Ruinenfeldes unterstreichen wollte. Im Gemälde fällt der Blick auf ein umfriedetes Feld mit einem verfallenen Eingangstor, zahlreichen Ruinen und einzelnen, stehengebliebenen Wänden. Thematisch erinnert die Szene stark an die um 193o in Rom entstandenen Gemälde, in denen sich Schmidt-Rottluff mit dem Motiv der Ruinenlandschaften beschäftigte, ohne jedoch den Fokus explizit auf die Reste antiker Monumente zu legen. Vielmehr ging es ihm um das Herausarbeiten konstruktiver Zusammenhänge der Architektur an sich, um die Magie der erlebten Stimmung und die starke Symbolkraft der Vergänglichkeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg bearbeitete Schmidt-Rottluff dann mehrfach Motive und Landschaften seiner Vergangenheit erneut bildnerisch aus der Erinnerung heraus, wie beispielsweise die Landschaften aus Pommern.(1) Hier scheint es sich auch um ein solches »Erinnerungsbild« zu handeln, das 1947 begonnen wurde, dann jedoch zunächst, aus ungeklärten Gründen, liegenblieb und erst 1954 vollendet wurde.
Die Ruinenlandschaft wird von einer unheimlichen, bedrohlichen Stimmung getragen, erzeugt durch den nächtlichen Himmel und die gleichzeitig dramatische Lichtregie. Das dunkle Zwielicht der Nacht wird durch ein von links hereinfallendes sehr helles Licht beleuchtet, das auf den Architekturfragmenten, aber auch auf den aufragenden Bäumen harte Schlagschatten und helle Lichtflächen erzeugt. Die Quelle dieses Lichtes ist dabei völlig unerklärlich, was der Szenerie eine unwirkliche Magie und die surreale Atmosphäre einer Traumlandschaft verleiht. Besonders dem satten Gelb kommt als Lichtfläche eine besondere Rolle zu, es erscheint betont ausschließlich auf dem im Vordergrund liegenden Tor, durch das der Betrachter sozusagen in das Bild mit seinen Blicken hinein schreitet. Zu diesem Gelb sowohl komplementär wie auch im Helligkeitswert kontrastierend erscheinen die glühenden Violett- und Blautöne. Sie stehen als farbliche Symbole für die Nacht, den Traum, den Tod, das Vergessen.
Schmidt-Rottluff interessierte sich für die Zusammenhänge der Architektur, für den konstruktiven Aufbau von Flächen im Bildraum. Doch dominieren gerade in diesem Bild auch die symbolhafte Komponente und eine magisch-surreale Grundstimmung. Damit wird das Gemälde zu einem ungewöhnlichen Beispiel dieser in Schmidt-Rottluffs Gesamtwerk durchaus wichtigen, bisher aber weniger beachteten Thematik.

(1) Vgl. auch: Christiane Remm, "Metamorphose von Motiv, Form und Farbe im Spätwerk Schmidt-Rottluffs", in: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Die Berliner Jahre 1946-1976, Brücke-Museum Berlin, München 2005, S. 17-32, hier S. 20f.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M.: Brücke-Museum Berlin - Malerei und Plastik : Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung ; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2011.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt=Rottluff "[...]" =gewachst= / ((47/5410)) (Bezeichnung)

Inventarnummer
A 20

Werkverzeichnisnummer
nicht bei Grohmann

Literatur

Karl Schmidt-Rottluff, der Maler, Schmidt, Hans-Werner, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Stuttgart : Hatje, 1992, Kat. Nr.120

Karl Schmidt-Rottluff - Die Berliner Jahre 1946 - 1976 , Remm, Christiane, Fredheim, Arnt, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2005, Abb. S.90, Kat. Nr.31

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik, Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung : kommentiertes Verzeichnis der Bestände , Remm, Christiane, Dahlmanns, Janina, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2011, Erw. S.114, Abb. S.115, Kat. Nr.47