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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Stilleben mit Hyazinthe

Jahr
1938
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 65 x 112 cm
Rahmenmaß 81,2 x 128 x 5 cm
Verknüpfte Ausstellungen
Karl Schmidt-Rottluff. expressiv - magisch - fremd, , Bucerius Kunst Forum, Hamburg
Details zum Erwerb
Dauerleihgabe der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Ohne Bildtiefe zu entwickeln sind die verschiedenen Gegenstände des Stillebens nebeneinander auf einem Regal aufgereiht. Dabei entstehen keine Beziehungen unter den Dingen — ohne formale oder inhaltliche Interaktion stehen sie still nebeneinander. Der Blick des Malers ist nüchtern ganz auf die äußere Erscheinung der Dinge gerichtet und verrät eine abgeklärte innere Haltung. Fast könnte man diesen Blick auf ein Regal mit Skulpturen als eine Art Bestandsaufnahme der verschiedenen Kunstobjekte aus Schmidt-Rottluffs Besitz verstehen. Durch diese deutliche Nüchternheit und Versachlichung des Arrangements wird jedoch auch etwas über Emotionen ausgesagt: Sie fehlen ebenso wie jede äußerliche oder innerliche Bewegung. Die leblose Starre der Objekte unterscheidet sich deutlich von den sonst so dynamisch aufgefassten, belebten und ausdrucksstark aufgeladenen Dingen in Schmidt-Rottluffs vorangegangenen Stilleben. Vielmehr strahlt die Szene Resignation und Lähmung aus, die fehlende Raumtiefe verdeutlicht den fehlenden Bewegungsfreiraum für den Geist des Künstlers und wird zu einem Synonym der empfundenen Beengtheit. Blickt man auf das Entstehungsjahr dieses Stillebens, erklärt sich diese eigentümliche Stimmung und die für Schmidt-Rottluff so ungewöhnliche Komposition. Im Vorjahr hatte die Ausstellung »Entartete Kunst« der Nationalsozialisten die Kunst der Moderne an den Pranger gestellt, wobei auch das Schaffen Schmidt-Rottluffs mit über fünfzig Werken diffamiert wurde. 1938 wurden insgesamt 6o8 seiner Arbeiten aus deutschem Museumsbesitz beschlagnahmt. Die deprimierte, hoffnungslose Stimmung der Zeit offenbart auch ein Brief Schmidt-Rottluff an den ehemaligen, von den Nationalsozialisten vom Dienst suspendierten Chemnitzer Museumsdirektor Friedrich Schreiber-Weigand: »Wir darben und frieren meist an der Ostseeküste.... Ich bin auch nicht sonderlich zur Arbeit aufgelegt, der Winter hat mich ziemlich mitgenommen und so recht erholt bin ich noch nicht. Mit dem Material wird es auch immer brenzlicher, sodaß man zum Verschwenden und Drauflosarbeiten sowieso schon keinen rechten Mumm hat.«(1) Durch das Berufsverbot war es Schmidt-Rottluff ab 1941 auch nicht mehr möglich, Malmaterialien wie Ölfarbe und Leinwände zu beschaffen, so dass er in den fortgeschrittenen Kriegsjahren nur noch im Aquarell arbeiten konnte. Mit den Stilleben dieser Zeit scheint es, als suchte Schmidt-Rottluff eine ordnende Struktur in sein Leben zu bringen und moralischen Halt durch sein künstlerisches Schaffen zu finden. Stilistisch und formal sind dabei keine Neuerungen zu verzeichnen.(2) Vielmehr berief er sich auf Ruhe, Stabilität, Ordnung im Bild, um den politischen und zeithistorischen Wirren dieser Jahre etwas entgegenzusetzen. Er zog sich in seine persönliche, intime Welt in eine Art »innere Emigration« zurück. Dennoch, wie die Betrachtung des »Stillebens mit Hyazinthe« zeigt, kommt auch gerade durch den Verzicht auf bewusst emotionalisierte Inhalte eine Komponente ins Bild, die deutlich seine innere Gefühlslage und die Stimmung dieser Zeit verbildlicht.

(1) Brief vom 12. Juli 1942, zit. nach: Karl Brix, »Biographie«, in: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff Der Maler, Städtische Kunsthalle Düsseldorf u. a., Stuttgart 1992, S. 268.
(2) Vgl. hierzu auch: Andreas Gabelmann, »Der stille Blick. Bildwelten der "inneren Emigration" 1933-1945«, in: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff Aquarelle. Eine Ausstellung zum 120. Geburtstag des Künstlers, Brücke-Museum Berlin u. a., München 2004, S. 66-76.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M.: Brücke-Museum Berlin - Malerei und Plastik : Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung ; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2011.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert oben rechts: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt=Rottluff "Stilleben mit Hyazinthe" ((384)) =gewachst= (Bezeichnung)

Inventarnummer
A 15

Werkverzeichnisnummer
Grohmann S. 303

Literatur

Karl Schmidt-Rottluff : das nachgelassene Werk seit den zwanziger Jahren ; Malerei, Plastik, Kunsthandwerk ; Brücke-Museum, Ausstellung vom 20. August 1977 - 15. Januar 1978, Berlin, Reidemeister, Leopold, Berlin : Brücke-Museum, 1977, Kat. Nr.18

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik, Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung : kommentiertes Verzeichnis der Bestände , Remm, Christiane, Dahlmanns, Janina, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2011, Erw. S.46, Abb. S.47, Kat. Nr.13