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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Zerstörtes Haus

Jahr
um 1930
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 88,5 x 101 cm
Rahmenmaß 98,5 x 113 x 4 cm
Verknüpfte Ausstellungen
Karl Schmidt-Rottluff. expressiv - magisch - fremd, , Bucerius Kunst Forum, Hamburg
Details zum Erwerb
Dauerleihgabe der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung, Berlin
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Das Gemälde »Zerstörtes Haus« entstand im Kontext von Schmidt-Rottluffs Aufenthalt in Rom, wo er 1930 drei Monate in der Villa Massimo als Gast der Deutschen Akademie verbrachte. Er fokussierte dabei jedoch weniger auf die römische Antike oder die Tradition der von ihr inspirierten Kunst. Er artikulierte vielmehr ein Widerstreben gegen den »antiken Rummel» und empfand seine Umgebung als »Klamottenland«.(1) So wählte er im vorliegenden Gemälde — statt der Vedute eines berühmten antiken Bauwerks mit großem kunsthistorischen Wert für die abendländische Kunstgeschichte, wie es jahrhundertelang reisende Künstler aus dem Norden in Italien taten — ein einfaches, verfallenes Gebäude zum Motiv. Schmidt-Rottluff erhebt das eigentlich unwichtige, unbekannte Bauwerk in seiner Zerstörung und Verwahrlosung zum Kunstwerk und gibt damit auch einen leicht sarkastischen Kommentar zur kritiklosen Antiken- und Ruinenverehrung. Das verfallene Haus weist zwar klassische Säulen auf, wie sie die italienische Architektur bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein prägten, doch hat es nichts mit dem verblassten Ruhm der untergegangenen Pracht des römischen Weltreiches zu tun. Seit dem 18. Jahrhundert war die Darstellung von Ruinen zu einem romantischen Sinnbild der vergangenen Größe und damit für die Vergänglichkeit des Menschen geworden. Davon ist in Schmidt-Rottluffs Gemälde nichts zu spüren. Vielmehr konstatiert er lapidar die vorgefundenen Formen und richtet sein Interesse ausschließlich auf die konstruktiven architektonischen Zusammenhänge der noch stehengebliebenen Wände, Streben und Fragmente. Er fokussiert dabei auf das rein bildnerische Zusammenspiel der verschiedenen Flächen und ihrer räumlichen Positionierung. Auffällig ist auch die dramatisch inszenierte Lichtführung. Das Licht leuchtet von einer niedrig gelegenen Quelle aus — ob es die letzten Strahlen einer untergehenden Sonne sind oder ein starkes Scheinwerferlicht, ist aus der reinen Darstellung nicht festzustellen. Die entstehenden harten, tief dunklen Schlagschatten erweitern noch die Zahl verschiedener, zueinander gruppierter Flächen, die ein verschachteltes und komplexes Miteinander entwickeln.
Generell ist die Farbgebung etwas verhaltener als in der rein expressionistischen »Brücke«-Zeit oder auch in Schmidt-Rottluffs Werken der frühen 1920er Jahre. Doch klingt bereits die befreite Farbgebung seiner späteren Stilentwicklung an. Hier ist es das intensiv leuchtende Gelb, das mit starker, fast aus sich selbst heraus strahlender Kraft den Bildeindruck bestimmt. Es ist diese Umwandlung von Licht zu festen Farbflächen, zu konkret erscheinender Materie, mit der Schmidt-Rottluff in seinem Spätwerk nochmals einen ganz eigenen, ungewöhnlichen Aspekt in die Kunst der Moderne brachte.

(1) Schmidt-Rottluff in einem Brief vom 7. August 193o an Max Sauerlandt, Handschriftenabteilung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, zit. nach: Gunter Thiem, »Dokumentation zu Leben und Werk«, in: Roland Doschka (Hrsg.), Karl Schmidt-Rottluff Meisterwerke aus den Kunstsammlungen Chemnitz, München 2005, S. 161-191, hier S. 178.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M.: Brücke-Museum Berlin - Malerei und Plastik : Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung ; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2011.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: "Zerstörtes Haus" / Schmidt=Rottluff „Zwiesprache“ ((3114)) [durchgestrichen] (Bezeichnung)

Inventarnummer
A 4

Werkverzeichnisnummer
nicht bei Grohmann

Literatur

Karl Schmidt-Rottluff : das nachgelassene Werk seit den zwanziger Jahren ; Malerei, Plastik, Kunsthandwerk ; Brücke-Museum, Ausstellung vom 20. August 1977 - 15. Januar 1978, Berlin, Reidemeister, Leopold, Berlin : Brücke-Museum, 1977, Abb. S.Tafel 5, Kat. Nr.5

Karl Schmidt-Rottluff : ein Maler des 20. Jahrhunderts ; Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von 1905 bis 1972 ; eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Brücke-Museum Berlin, Belgin, Tayfun, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2001, Kat. Nr.Kat.-Nr. 53

Schmidt-Rottluff : Colección Brücke-Museum Berlin, 6 octubre - 17 diciembre 2000 , Fundación Juan March, Madrid, Madrid : Fundación Juan March, 2000, Kat. Nr.19

Karl Schmidt-Rottluff, der Maler, Schmidt, Hans-Werner, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Stuttgart : Hatje, 1992, Kat. Nr.69

Schmidt-Rottluff : Gemälde, Landschaften aus 7 Jahrzehnten, Knupp-Uhlenhaut, Christine, Hamburg : Altonaer Museum, 1974, Abb. S.Tafel S. 95, Kat. Nr.Kat.-Nr. 27

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik, Sammlung der Karl-und-Emy-Schmidt-Rottluff-Stiftung : kommentiertes Verzeichnis der Bestände , Remm, Christiane, Dahlmanns, Janina, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2011, Erw. S.30, Abb. S.31, Kat. Nr.5

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Erw. S.27, Abb. S.40, Kat. Nr.9