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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Die neuen Häuser

Jahr
1960
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 76,4 x 90 cm
Rahmenmaß 91,5 x 105 x 3,3 cm
Verknüpfte Ausstellungen
Karl Schmidt-Rottluff. Das Rauschen der Farben, 2017/18, Kunstmuseum Ravensburg
Details zum Erwerb
Erworben 1964 als Schenkung von Karl Schmidt-Rottluff
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Dargestellt ist sehr wahrscheinlich die neue, mit weiten Gebäudeabständen großzügig konzipierte Wohnbebauung in Sierksdorf an der Lübecker Bucht, wo sich Schmidt-Rottluff im Sommer 1960 von Anfang Juni bis Anfang September aufhielt. Aus einer verschatteten Vordergrundzone fällt der Blick in die gleißende Helligkeit des Sommernachmittags und fängt sich an zwei freistehenden, perspektivisch hintereinander gestaffelten Häusern. Flankierend gerahmt von der großen Baumkrone zur Linken und der angeschnittenen Hausecke zur Rechten gleitet unser Blick zu einem einzelstehenden niederen Baum, dessen vertikal ausgreifende Konturen von der emporragenden Giebelfront des hinteren Gebäudes aufgenommen wird. Die hohe Fassade dieses Hauses weckt unwillkürlich formale und farbliche Assoziationen zum Gemälde »Roter Giebel« von 1911. Wie dort, so formuliert Schmidt-Rottluff auch in der vorliegenden Komposition das Thema der Verknüpfung von Natur und Architektur durch das schroffe Gegeneinanderstellen von Landschaftselementen und Häusern. Den strengen und klaren, von konstruktiver Tektonik bestimmten Gebäudeformen stellt er das freie, organische Wachstum der Vegetation unmittelbar entgegen. Obschon beide Motivbereiche gleichwertige Bildanteile beanspruchen, scheinen doch die beiden Neubauten in den vormals unberührten Landschaftsraum hineinzudrängen und mit ihren aufgegrabenen Grundstücken die Natur an den Rand zu schieben. Nicht zuletzt durch die unnatürlich übersteigerte Farbanlage in grellem Violett und aggressivem Rot charakterisiert Schmidt-Rottluff die massiven Steinbauten als Fremdkörper, die sein stilles Refugium an der Ostseeküste nachhaltig verändern und den lieb gewonnenen Fluchtpunkt für den zeitlebens naturverbundenen Einzelgänger zunehmend in Frage stellen.
Dem Sujet neuentstandener Gebäude in ländlich vertrauter Umgebung und den daraus abgeleiteten, formalästhetisch spannungsvollen Kontrastwirkungen wandte sich Schmidt-Rottluff in den 60er Jahren ebenso im Medium der Tuschpinselzeichnung zu, wie die Blätter »Baustelle«(1) oder »Der Neubau I« von 1963 dokumentieren. Das Gemälde »Die neuen Häuser« lässt sich motivisch einordnen in die umfängliche Werkgruppe von Arbeiten nach 1945, welche eine facettenreiche Dialogsituation von Architekturen und Landschaften zeigen. Zusammen mit dem ebenfalls in der Sammlung des Brücke-Museums befindlichen Gemälde »Mond und Gartentor«(2) gehört das Bild zu den vier einzigen bekannten Ölbildern, die Schmidt-Rottluff im Jahr 1960 hervorgebracht hat.

(1) Vgl. Abb. in: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Tuschpinselzeichnungen, Brücke-Museum Berlin, München 1996, Kat. Nr. 98, Tafel 98.
(2) Siehe dazu: Magdalena M. Moeller, Karl Schmidt-Rottluff. Werke aus der Sammlung des Brücke-Museums Berlin, München 1997, Kat. Nr. 67, Tafel 67.

Andreas Gabelmann

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten links: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt=Rottluff "Die neuen Häuser" =gewachst= 604 (Bezeichnung)

Inventarnummer
37/64

Werkverzeichnisnummer
nicht bei Grohmann

Literatur

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.290, Abb. S.291, Kat. Nr.115

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Abb. S.82, Kat. Nr.51