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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Korb und Karaffe

Jahr
1958
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 78 x 91 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1964
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Vor tiefblauem Grund hat Schmidt-Rottluff das formatfüllende Arrangement eines Früchtekorbes mit Zitronen und einer Wasserkaraffe aus geschliffenem Kristallglas auf einer gelborangefarbenen Tischfläche wirkungsvoll in Szene gesetzt. Die kunstvoll verzierte Karaffe begegnet uns bereits in der 1954 geschaffenen Tuschpinselstudie »Stilleben mit Karaffe«, der schlichte hölzerne Korb erscheint auf einem weiteren Stilleben aus den späten 50er Jahren,(1) wodurch einmal mehr das enggefasste Motivrepertoire des Malers offenkundig wird. Analog zur erwähnten Zeichnung beherrscht und stabilisiert das Gefäß auch im vorliegenden Gemälde als einzige emporragende Vertikale die ansonsten von Kurvaturen, Rundungen und Diagonalen geprägte Komposition. Die kleinteilig bewegte Dekorstruktur des Glases bildet einen spannungsvollen Gegenpol zur gänzlich flächenreduzierten, blockhaft-kompakt stilisierten Formensprache der übrigen Gegenstände. Wie in mehreren Stilleben des Spätwerkes zu beobachten, so etwa in »Vase mit Rainfarn«, verzichtete Schmidt-Rottluff auf Schattenzonen der Standflächen, so dass die wenigen Dinge eigentümlich ihrer Schwerkraft entkleidet sind und als isolierte Versatzstücke ohne klaren Bezug zur Umgebung eine aperspektivisch verfremdete Wirkung entfalten. Ein collagehaftes, beinahe fragmentarisches Neben- und Hintereinander-blenden bestimmt das Kompositionsprinzip der Darstellung. Schablonenartig und geradezu schwebend treten uns die beobachteten Gegenstände entgegen; deren Konturen werden von der weichen malerischen Textur unregelmäßiger weißlicher Umrisslinien in ein gleichsam vibrierendes Zittern überführt. Die räumliche Situation schließlich bleibt völlig unbestimmt und verschwimmt im atmosphärisch verdichteten Blau.
Mit rigoroser Ausschließlichkeit und gewohnter Souveränität im Umgang mit den formalen Mitteln konzentrierte sich Schmidt-Rottluff auf das absolut Wesentliche im Zusammenwirken von verfestigter Form und leuchtender Farbe, von Körper und Raum auf der Fläche. Sein Stilllebenkonstrukt ist weit davon entfernt, nur das Abbild eines zufälligen Ensembles zu zeigen. Vielmehr kennzeichnet eine sorgsam kalkulierte Disposition der Objekte, verbunden mit der intensiven Farbgebung, den besonderen Reiz des Bildes. Die kompositorische Suche nach Ruhe, Harmonie und Ausgleich bei gleichzeitig kraftvoll-monumentaler Präsenz der einfachen Dinge, vorgetragen im hierfür prädestinierten Aufgabenfeld der Stilllebenmalerei, bestimmte Schmidt-Rottluffs gestalterische Strategie bei der Bildlösung von »Korb und Karaffe«, mit der er nicht zuletzt auch eine Neuformulierung und Positionsbestimmung des expressionistischen Stilllebenbegriffs in der Kunst nach 1945 unternahm.

(1) Siehe dazu Abb. in: Gerhard Wietek, Karl Schmidt‑
Rottluff, Plastik und Kunsthandwerk. Werkverzeichnis, München 2001, S. 134, Abb. 79. Dort ist die erwähnte, annähernd quadratische Komposition im Wohnzimmer des Künstlers über dem Schreibtisch zu sehen.

Andreas Gabelmann

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert oben links: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt-Rottluff "Korb und Karaffe" (582) -gewachst- (Bezeichnung)

Inventarnummer
35/64

Werkverzeichnisnummer
nicht mehr bei Grohmann

Literatur

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.286, Abb. S.287, Kat. Nr.113