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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Gelbe Palette

Jahr
1953
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 101 x 87 cm
Rahmenmaß 113,3 x 99,3 x 3,5 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1964 als Schenkung von Karl Schmidt-Rottluff
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Vor allem in den zahlreichen Stilleben seines Spätwerkes suchte Schmidt-Rottluff unermüdlich nach einer gültigen Neubestimmung des Gegenständlichen in Zeiten der Abstraktion. Innerhalb dieser Kunstauffassung, welche die inhaltsunabhängige, subjektiv entäußerte malerische Geste als neue Freiheit neben der Wirklichkeit propagierte, war für die Darstellung von Gegenständen der äußeren Realität, wie sie die Stilllebenmalerei fordert, kein Raum. Vor dem Hintergrund der nach 1945 stilgeschichtlich führenden gegenstandslosen Kunst strebte Schmidt-Rottluff nach einer malerischen, allein dem subjektiven Ausdrucksempfinden verpflichteten Definition der Dinge.
Die vorliegende Komposition fokussiert unseren Blick auf die ruhenden Arbeitsutensilien des 69jährigen Malers. Im eng gefassten Bildausschnitt erscheinen im matten Licht eines seitlich angeschnittenen Fensters Palette und Pinsel, Malkasten und Staffelei sowie Pflanzen, Beistelltisch und Heizkörper als stumme Zeugen der künstlerischen Tätigkeit und der häuslichen Privatsphäre des nicht anwesenden Urhebers. Die Dinge sind derart dicht und eng zueinander gerückt, dass sie ein stilllebenhaftes, sperrig bildfüllendes Arrangement bilden, welches den Umraum zurückdrängt und nahezu gänzlich ausblendet. Als zentrales Motiv des intimen Ensembles strahlt die gelbe Palette im Vordergrund aus der in blaugrüne Farbwerte getauchten Umgebung heraus. Schmidt-Rottluffs Bildanlage, Formensprache und Farbgebung verleiht der stillen Gegenstandsbetrachtung eine eigentümlich beseelte Eigensprache, lässt die Dinge zueinander in Dialog treten und zugleich stellvertretend, gleichsam als attributive Metaphern, von der Daseinssituation des zurückgezogen lebenden und vorrangig auf sein schöpferisches Tun konzentrierten Künstlers künden. »Die vielen Anforderungen, die von außen an mich herankommen, sind ein Kreuz — die meisten Briefe beantworte ich auch nicht mehr ... Was ich noch leisten kann, will ich auf meine Arbeit beschränken, und die treibt mich zum Glück immer sehr«, erklärte er im Juni 1956 in einem Brief an Wilhelm R. Valentiner.(1)
Beispielhaft offenbart sich in dem Gemälde, welches die Bildgattungen Stilleben, Interieur und Atelierdarstellung in sich vereinigt, Schmidt-Rottluffs Farbzonenstil der 50er und 60er Jahre. Die strenge Flächengliederung mit geschlossener Parzellierung der Einzelformen und starken Konturierungen verbindet die Dinge nicht mit dem Raum, sondern zeigt sie in einem isolierten Nebeneinander, »so als sollte jedes Stück für sich bleiben.... Die Dinge breiten sich vor einer Wand nach vorn aus und stehen da, als warten sie auf das Geschehen eines Ereignisses, auf Menschen, die den Raum betreten.«(2) Angesichts der besonderen, vieldeutigen Aura der entkörperlichten Objekte spricht Will Grohmann gar von einer »Magie der Gegenstände«.(3) Zusammen mit dem Gemälde »Mond groß im Osten« gehört die Komposition »Gelbe Palette« ohne Zweifel zu den bekanntesten, vielfach ausgestellten und meist interpretierten Werken aus Schmidt-Rottluffs Schaffensperiode der 50er Jahre.(4)

(1) Brief vom 21.06.1956. Zit. nach: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Retrospektive, Kunsthalle Bremen 1989, S. 103.
(2) Will Grohmann, Karl Schmidt-Rottluff, Stuttgart 1956, S. 140.
(3) Ebd.
(4) Vgl. Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff. Ein Maler des 20. Jahrhunderts, Museum am Ostwall, Dortmund 2001, Verzeichnis der Werke, bearbeitet von Andreas Gabelmann, Kat. Nr. 76 und 79, S. 285.

Andreas Gabelmann

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten links: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt=Rottluff "Gelbe Palette" ((5310)) (Bezeichnung)

Inventarnummer
21/64

Werkverzeichnisnummer
Grohmann S. 307, Tafel S. 238

Literatur

Verzeichnis der zur Eröffnung ausgestellten Werke September 1967 bis März 1968, Heinrich Albertz, Werner Stein, Leopold Reidemeister, Werner Stein, Berlin, Berlin : Brücke-Museum, 1967, Abb. S.Tafel 59, Kat. Nr.34

Karl Schmidt-Rottluff : ein Maler des 20. Jahrhunderts ; Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von 1905 bis 1972 ; eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Brücke-Museum Berlin, Belgin, Tayfun, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2001, Kat. Nr.79

Schmidt-Rottluff : Colección Brücke-Museum Berlin, 6 octubre - 17 diciembre 2000 , Fundación Juan March, Madrid, Madrid : Fundación Juan March, 2000, Kat. Nr.32

Karl Schmidt-Rottluff, der Maler, Schmidt, Hans-Werner, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Stuttgart : Hatje, 1992, Kat. Nr.119

Karl Schmidt-Rottluff : Retrospektive, Staatsgalere Stuttgart, Gunter Thiem, Stuttgart, München : Prestel, 1989, Abb. S.Tafel 110, Kat. Nr.326

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.258, Abb. S.259, Kat. Nr.99

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Abb. S.169, Kat. Nr.111

Karl Schmidt-Rottluff, Remm, Christiane, München : Klinckhardt & Biermann, 2016, Abb. S.53, Kat. Nr.32