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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Taunuslandschaft

Jahr
1952
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 76 x 101 cm
Rahmenmaß 91 x 115 x 3,5 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1964 als Schenkung von Karl Schmidt-Rottluff
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Aus dem Erlebnis der Natur stammt auch bei diesem Gemälde einer »Taunuslandschaft« die Anregung Schmidt-Rottluffs für die Bildfindung. Das helle Licht eines Spätwintertages wird für den Betrachter nachvollziehbar und erinnert an die besondere Stimmung der ersten Ahnung eines baldigen Frühlings. Doch beschränkt sich das Kunstwerk nicht allein auf die erfahrbare Wiedergabe des real erlebten Moments und seiner Atmosphäre. Auch unter rein künstlerischen, bildimmanenten Kriterien ist ein spannungsvolles Ensemble von Farbe, Form und Dynamik entstanden. Die verschiedenen Landschaftselemente sind flächig begriffen und zu Streifen transformiert, die annähernd horizontal übereinander geschichtet sind. Mit den Vertikalen der schattenhaft dunklen Baumstämme entsteht so ein lebendiges Wechselspiel der Linien, die eine fast gitterartige Struktur in einem eleganten Rhythmus bilden. Tiefenräumlichkeit entsteht aus den übereinander geordneten Farbstreifen kaum, ihre farbliche Intensität ist überall gleichbleibend stark, so dass das Ensemble fast an einen Bildteppich erinnert. Die räumliche Vorstellung einer Landschaft mit Vor-der- und Hintergrund ist eher durch die Dynamik der diagonal geführten Linien innerhalb der einzelnen Bildflächen gegeben. Keilförmig schiebt sich das dargestellte Feld mit seiner Spitze nach vorne, als Fluchtlinien öffnen sich Wege und Waldrand nach beiden Seiten hin.
Spannungsvoll ist auch das Zusammenwirken der Farben zu nennen, welches, wie bei Schmidt-Rottluff in den 1950er Jahren üblich, experimentell bis gewagt erscheint. Eine Komposition ungewöhnlicher Töne kommt in diesem Gemälde zusammen, die künstlerisch gesteigert sind, alle jedoch von der gesehenen Naturszene angeregt wurden: Der warme, gelbe Waldboden und die rotbraune Erde stehen für die Wärme der Natur, letzte winterliche Schneereste und das Sonnenrund geben strahlend weiße Akzente. Die abgestuften braunen und rosa Klänge des Heckengewirrs gehen einen ungewöhnlichen Dialog mit den violett erscheinenden Schatten ein, während die tiefblaue Silhouette des Berges diesen so verschiedenartigen und kleinteilig aufgetragenen Farben eine ruhige Fläche gegenüberstellt. Davor gelegt ist dann nochmals die rhythmische Reihung der fast schwarzen, schlank aufragenden Umrisse der blattlosen Baumstämme.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt=Rottluff "Taunuslandschaft" ((5210)) (Bezeichnung)

Inventarnummer
20/64

Werkverzeichnisnummer
nicht bei Grohmann

Literatur

Karl Schmidt-Rottluff - Die Berliner Jahre 1946 - 1976 , Remm, Christiane, Fredheim, Arnt, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2005, Abb. S.130, Kat. Nr.66

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.256, Abb. S.257, Kat. Nr.98

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Abb. S.63, Kat. Nr.32