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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Messingkessel

Jahr
1950
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 65 x 73 cm
Rahmenmaß 77,4 x 85 x 3,5 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1964 als Schenkung von Karl Schmidt-Rottluff
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Neben der Landschaft bestimmte die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik des Stillebens die künstlerischen Intentionen Schmidt-Rottluffs während der 50er Jahre. Mehr als die Hälfte der allein 1950 geschaffenen 28 Gemälde befassen sich mit dem konzentrierten Dialog des Malers mit der stillen Welt der unbewegten Dinge.(1) Bevorzugt werden die einfachen Dinge des persönlichen Lebensumfeldes und des häuslichen Ambientes in Szene gesetzt.
Das vorliegende Gemälde zeigt im enggefaßten Ausschnitt und in schräger Draufsicht das Arrangement einer Zitronenschale, eines Wasserkessels, einer Zuckerdose und einer Teekanne. Der titelgebende Messingkessel erscheint 1950 auch in einem weiteren, allerdings großformatiger konzipierten Gemälde.(2) Das dezidierte Heranrücken an das Motiv beschneidet die Gegenstände teilweise. Eine kühne Übersteigerung der lichthaltigen Farbwerte zu intensiven Kontrasten prägt den lebhaften Ausdruckscharakter des Bildes, wobei der grelle Zusammenklang von leuchtendem Gelb und fluoreszierendem Grün vorherrschend ist. Die kraftvoll betonte Konturierung der Objektgrenzen mit breitflächig gesetzten, sich stellenweise mehrfach überlagernden farbigen Umrißlinien erzeugt eine unruhige optische Wirkung. Für zusätzliche dynamische Spannung sorgt die geschwungene Tischfläche, die sich von rechts unten in ansteigender Diagonale ins Bildfeld schiebt und eine Antwort findet in den von rechts oben herabflutenden Dekorelementen des Hintergrundes. In typischer Manier der 50er Jahre kennzeichnet eine starke Buntheit gemeinsam mit flächiger Vereinfachung und stilisierter Verknappung der Volumina die Formensprache des Bildes. Ein expressiv motiviertes Agieren aus der Eigenkraft der reinen Farbe heraus, bei der selbst die Schattenzonen zu autonomen Farbfeldern werden, bestimmt als wichtigstes Gestaltungsmittel und primärer Ausdrucksträger die Komposition. Mit dieser Auffassung von Malerei blieb Schmidt-Rottluff sich selbst und dem Wesen seiner Kunst treu und verfolgte konsequent seinen eigenen Weg. Um auch werkimmanent glaubhaft zu bleiben, verweigerte er sich strikt der zeitgenössisch vorherrschenden Stilströmung der Abstraktion und insistierte insbesondere mit der Hinwendung zum Stilleben demonstrativ und unmissverständlich auf der für ihn weiterhin verbindlichen Orientierung am Abbild der sichtbaren Wirklichkeit. Im Entstehungsjahr des Gemäldes erfasste Schmidt-Rottluff das Stilllebenmotiv des Messingkessels mit derselben Anordnung der Gegenstände, jedoch aus weniger starker Draufsicht, auch in einer Tuschpinselzeichnung. Diese Technik sollte sein Schaffen bis Ende der 60er Jahre wesentlich mitbestimmen.(3)

(1) Vgl. Will Grohmann, Karl Schmidt-Rottluff, Stuttgart 1956, S. 304.
(2) Dieselbe Anordnung der Gegenstände erfaßte Schmidt-Rottluff, hier jedoch aus der Blickhöhe der Tischkante, im »Stilleben mit Messingkessel». Siehe: Ebd.
(3) Siehe dazu grundlegend: Ausst.-Kat. Karl Schmidt-Rottluff, Tuschpinselzeichnungen, Brücke-Museum Berlin, München 1996, S. 17-19.

Andreas Gabelmann

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: S.Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: =gewachst= / ((5028)) =Messingkessel= / Schmidt=Rottluff (Bezeichnung)

Inventarnummer
42/64

Werkverzeichnisnummer
nicht bei Grohmann

Literatur

Karl Schmidt-Rottluff, der Maler, Schmidt, Hans-Werner, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Stuttgart : Hatje, 1992, Kat. Nr.106

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.234, Abb. S.235, Kat. Nr.87

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Abb. S.158, Kat. Nr.100