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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Am Pleißebach

Jahr
1906
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 59 x 70 cm
Rahmenmaß 75,2 x 85,8 x 5 cm
Verknüpfte Ausstellungen
Die Brücke 1905 - 1914, 2018/19, Museum Frieder Burda, Baden-Baden
Künstler der Brücke. Gemälde der Dresdener Jahre 1905 - 1910, 1973, Brücke Museum, Berlin
Details zum Erwerb
Erworben 1971 als Schenkung von Karl Schmidt-Rottluff
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

In der Dresdener Galerie Arnold, die 1904 eine Präsentation der neusten französischen Kunst gewidmet hatte,(1) war Schmidt-Rottluff dem französischen Neo-Impressionismus in Originalen begegnet. Die Auseinandersetzung mit den divisionistischen Farbtheorien Seurats und Signacs ist in seinem Gemälde »Am Pleißebach« von 1906 deutlich zu erkennen. Aus der Nähe kann das Auge des Betrachters nur die einzelnen Farbflächen und -zonen unterscheiden, die in warmfarbige und kühlfarbige Bereiche gegliedert sind. Der Maler arbeitet mit einer radikalen Zergliederung der Bildfläche in einzelne Farbpunkte und löst die Einzelformen nahezu auf. Erst aus einiger Entfernung werden die motivischen Bezüge für das Auge erkennbar, so der sich durch die hüglige Landschaft schlängelnde Bach und die Vegetation aus Bäumen und Buschwerk. Das blaue Band des Baches scheint in seiner farblichen Intensität geradezu mediterran, auch die sonnigen Rot-, Gelb- und Orangetöne steigern ihre Leuchtkraft durch den lebendigen Komplementärkontrast zum kühleren Blau und Grün. Mit der Distanz entwickeln sich durch die Helligkeit der einzelnen Zonen räumliche Zusammenhänge, wie beispielsweise in der steilen Uferböschung, die in weicher Rundung modelliert ist.
Schmidt-Rottluff folgte nicht konsequent der neoimpressionistischen Vorgabe, die eigene Handschrift zurückzunehmen und die Szene aus einem gleichmäßigen Raster von Punkten oder kleinen Strichen entstehen zu lassen. Statt dessen variiert er die Breite und Länge der aufgetragenen Striche und Punkte, die mal mit mehr, mal mit weniger Schwung auf die Leinwand gebracht sind. Hierdurch lässt Schmidt-Rottluff verschiedene Partien entstehen, die nicht nur rein aus der Farbe geschaffen sind, sondern auch durch die Größe und Beschaffenheit der einzelnen Farbkommata und ihrer Dynamik charakterisiert werden.(2) Es wird klar, daß es Schmidt-Rottluff nicht um eine naturwissenschaftlich motivierte Analyse des Phänomens der visuellen Wahrnehmung ging. Die ausgesprochen nüchterne Systematik und naturwissenschaftliche Präzision des Vorbilds des französischen Neoimpressionismus entsprach nicht seinem impulsiven, leidenschaftlichen Temperament. Statt dessen klingt hier deutlich der starke Ausdruckswille des jungen Künstlers an. Er strebte bereits in diesem frühen Beispiel nach emotionalem Schwung und kraftvoller Dynamik.(3) In der kompakten, schweren Pinselschrift, die die Farbe in dichter, pastoser Substanz aufträgt, äußert sich die Persönlichkeit des Künstlers. Seine wuchtige und robuste Handschrift inspirierte seinen Kollegen Ernst Ludwig Kirchner 1913 in seiner »Chronik der Brücke« zu dem Begriff des »monumentalem Impressionismus«, als er von Schmidt-Rottluffs frühen Gemälden sprach.

(1) Ruth Negendanck, Die Galerie Ernst Arnold 118931951). Kunsthandel und Zeitgeschichte, Weimar 1998, S. 401.
(2) Vgl. auch den Bildkommentar der Autorin in: Le néoimpressionisme de Seurat à Paul Klee, Musée d'Orsay, Paris 2005, S. 342 f.
(3) Andrea Witte, Die «Brücke«, in: Ausst.-Kat. Farben des Lichts. Paul Signac und der Beginn der Moderne von Matisse bis Mondrian, Westfälisches Landes-museum für Kunst und Kulturgeschichte Münster u.a., Ostfildern 1996, S. 267-290, S. 272.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: Schmidt-Rottluff (Signatur)
: Nicht bezeichnet (Bezeichnung)
Rückseitig auf dem Bildträger: ... (Etikett)

Inventarnummer
31/71

Werkverzeichnisnummer
nicht bei Grohmann

Literatur

Die "Brücke" : Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2000, Kat. Nr.44

Karl Schmidt-Rottluff : ein Maler des 20. Jahrhunderts ; Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von 1905 bis 1972 ; eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Brücke-Museum Berlin, Belgin, Tayfun, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2001, Kat. Nr.5

Schmidt-Rottluff : Colección Brücke-Museum Berlin, 6 octubre - 17 diciembre 2000 , Fundación Juan March, Madrid, Madrid : Fundación Juan March, 2000, Kat. Nr.3

Karl Schmidt-Rottluff, der Maler, Schmidt, Hans-Werner, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Stuttgart : Hatje, 1992, Kat. Nr.8

Brücke : la nascita dell´espressionismo, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Milano : Mazzotta, 1999, Kat. Nr.Kat.-Nr. 41

Die "Brücke" : Meisterwerke des Expressionismus aus dem Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., Berlin : Brücke-Museum, 2000, Kat. Nr.Kat.-Nr. 44

Christian Rohlfs : die Begegnung mit der Moderne, Luckow, Dirk, München : Hirmer, 2005, Kat. Nr.37

Brücke : die Geburt des deutschen Expressionismus, Javier, Arnaldo, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2005, Abb. S.215, Kat. Nr.100

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.156, Abb. S.157, Kat. Nr.52

Künstler der Brücke. Gemälde der Dresdener Jahre 1905 - 1910 Ausstellung im Brücke-Museum vom 8. September bis 28. Oktober 1973, Leopold Reidemeister, Senator für Wissenschaftund Kunst, Berlin, 1973, Kat. Nr.9