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Künstler

Karl Schmidt-Rottluff

Titel

Erzgebirgsdorf

Jahr
1905
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 43,5 x 70,5 cm
Rahmenmaß 56 x 83 x 2,7 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1976 als Schenkung von Karl Schmidt-Rottluff
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Erzgebirgsdorf gehört zu den ersten Bildern, in denen sich Schmidt-Rottluff von der traditionellen Pleinair-Technik der deutschen Freilichtmalerei zu lösen begann. 1901 waren seine ersten signierten Aquarelle entstanden, ab 1902 die ersten Ölmalereien. Diese Arbeiten, deren Motive er in der ländlichen Umgebung seines Heimatortes Rottluff (bei Chemnitz) fand, sind geprägt von der naturalistischen Kunstauffassung, mit der Schmidt-Rottluff durch seinen Zeichenlehrer in Chemnitz in Berührung kam. Seine erste, grundlegende Kunstausbildung erhielt er am Gymnasium im fakultativen Unterricht bei dem Kunsterzieher Professor Friedrich Otto Uhlmann. Uhlmann wird als ein relativ konservativer, in seinen Ansichten jedoch aufgeschlossener Lehrer beschrieben. Er lehrte seine Schüler eine professionelle Aquarell- und Zeichentechnik, ließ sie nach Vorlagen modernster französischer Impressionisten arbeiten und vermittelte ihnen den Grundsatz der modernen englischen Aquarellisten, möglichst alles nass-in-nass zu malen. Für das Malen in Öl verlangte er allerdings ein an der Tradition orientiertes Vorgehen. Mit zeitgenössischer deutscher Freilichtmalerei im Original kam Schmidt-Rottluff durch Besuche von Ausstellungen in der Chemnitzer „Kunsthütte“ in Berührung. Hier sah er u. a. Arbeiten der norddeutschen Künstler Ludwig Dettmann und Gotthard Kuehl, deren helle, atmosphärische Wiedergabe der einfachen heimatlichen Landschaft seine Aufmerksamkeit erregte. Auch seine freundschaftlichen Kontakte zu dem Maler Robert Sterl beeinflussten die Entwicklung der Kunstauffassung Schmidt-Rottluffs. Seine Ausdrucksmittel lockerten sich, er fand zu einem neuartigen, freieren Umgang mit der Form und zu hellerer, fast schon unverhältnismäßig bunter Farbe. Erich Heckel, mit dem Schmidt-Rottluff damals schon befreundet war und mit dem er in Chemnitz gemeinsam vor der Natur gemalt hatte, erinnerte sich daran: „Schmidt-Rottluff brachte dazu eines Tages Aquarelle mit ..., und die waren damals schon ... sehr stark farbig … . im Gegensatz zu dem, was sonst an Aquarellen zu sehen war, und andererseits entsprachen sie durchaus einer neuen Konzeption der Farbe.“(1) Auch Uhlmann erkannte Schmidt-Rottluffs künstlerische Eigenständigkeit. 1904 vermittelte er ihm die Ausstellung einiger Landschaftsbilder in der „Kunsthütte“. Schmidt-Rottluff hatte es bereits als Schüler zu einem souveränen technischen Können und Sicherheit im Ausdruck gebracht. Mit seiner Übersiedlung nach Dresden 1905 kam er nun vielseitig mit „neuer Kunst“ in Berührung. Sein Zusammentreffen mit den anderen Brücke-Künstlern sowie das Angebot an progressiven Kunstausstellungen in den Galerien der Stadt wirkten sich nachhaltig auf seine künstlerische Entwicklung aus. In Erzgebirgsdorf verbindet sich die noch etwas konservative Auffassung des Landschaftsmotivs mit einem ganz neuen Malstil. Im November 1905 sah Schmidt-Rottluff in der Galerie Ernst Arnold Werke Vincent van Goghs. Das Erlebnis von dessen dynamisch bewegter Farbzonenmalerei übertrug Schmidt-Rottluff direkt in sein Bild. Er begann, die Farbe dick aufzutragen und die Bildfläche in farbige Zonen aufzuteilen. Das strukturelle Nebeneinander von einzelnen Pinselstrichen und unvermischten Farben führt zu einer musterhaften Flächigkeit, die Schmidt-Rottluff durch das Setzen von leuchtenden Farbakzenten wiederum plastisch modellierte. Auffällig sind auch eine deutlich hellere Palette und die Reinheit der Farben. Schmidt-Rottluff beschäftigte sich offensichtlich mit der Farbe als einer Qualität von Licht. Alle Aspekte seiner Kunstauffassung der nächsten Jahre sind in diesem Gemälde angelegt: vehementer Strich, konstruktive Ordnung, lichte Farbigkeit. Die innere Bewegtheit seiner Malerei führte Schmidt-Rottluff von der objektiv-realistischen Landschaftsschilderung zu einer subjektiv-emotionalen Kunst.

(1) Erich Heckel im Gespräch mit Roman Nobert Ketterer, in: Roman Norbert Ketterer, Dialoge. Bildende Kunst, Kunsthandel, Stuttgart/Zürich 1988, S. 36.

Christiane Remm

Aus: Magdalena M. Moeller (Hg.), Brücke-Museum Berlin. Malerei und Plastik. Kommentiertes Verzeichnis der Bestände, München 2005, Nr. 48.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten links: Karl Schmidt-Rottluff (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Schmidt-Rottluff Ölgem. Erzgebirgsdorf = (Bezeichnung)

Inventarnummer
48/78

Werkverzeichnisnummer
nicht bei Grohmann

Literatur

Die "Brücke" : Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2000, Kat. Nr.41

Karl Schmidt-Rottluff : ein Maler des 20. Jahrhunderts ; Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von 1905 bis 1972 ; eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Brücke-Museum Berlin, Belgin, Tayfun, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2001, Kat. Nr.1

Schmidt-Rottluff : Colección Brücke-Museum Berlin, 6 octubre - 17 diciembre 2000 , Fundación Juan March, Madrid, Madrid : Fundación Juan March, 2000, Kat. Nr.1

Karl Schmidt-Rottluff, der Maler, Schmidt, Hans-Werner, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Stuttgart : Hatje, 1992, Kat. Nr.2

Brücke : la nascita dell´espressionismo, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Milano : Mazzotta, 1999, Kat. Nr.Kat.-Nr. 38

Die "Brücke" : Meisterwerke des Expressionismus aus dem Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., Berlin : Brücke-Museum, 2000, Erw. S.98, Abb. S.111, Kat. Nr.13

Brücke : el nacimiento del expresionismo alemán, Arnaldo, Javier, [Madrid] : Museo Thyssen-Bornemisza, 2005, Kat. Nr.15

Brücke : el naixement de l'expressionisme alemany, Arnaldo, Javier, Barcelona : Lunwerg, 2005, Abb. S.67

Brücke : die Geburt des deutschen Expressionismus, Javier, Arnaldo, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2005, Erw. S.98, Abb. S.111, Kat. Nr.13

Karl Schmidt-Rottluff : Formen und Farbe ; 40 Jahre Brücke-Museum Berlin, Dahlmanns, Janina, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2007

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.148, Abb. S.149, Kat. Nr.48

Karl Schmidt-Rottluff : Landschaft - Figur - Stilleben, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2014, Erw. S.24, Abb. S.32, Kat. Nr.1

Künstler der Brücke. Gemälde der Dresdener Jahre 1905 - 1910 Ausstellung im Brücke-Museum vom 8. September bis 28. Oktober 1973, Leopold Reidemeister, Senator für Wissenschaftund Kunst, Berlin, 1973, Abb. S.Tafel 1, Kat. Nr.4