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Künstler

Cuno Amiet

Titel

Mittagsrast

Jahr
1910
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 59 x 72 cm
Rahmenmaß 63,5 x 77 x 4 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1969 aus dem Kunsthandel
Credits
Copyright: D. Thalmann, Aarau, Switzerland
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

1898 siedelte sich Cuno Amiet in der idyllischen Ortschaft Oschwand bei Herzogenbuchsee im Schweizer Kanton Bern, fernab der klassischen Kunstzentren an. Abgesehen von etwa fünf Studienjahren an der Kunstakademie in München und der Pariser Académie Julian sowie seinem dreizehnmonatigen Aufenthalt in dem bretonischen Dorf Pont-Aven, kam er mit der aktuellen Kunstszene nur noch sporadisch in direkten Kontakt. Dennoch nahm er am damaligen Kunstgeschehen teil, indem er seine Arbeiten zu zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland schickte und Zeit seines Lebens internationale Beziehungen konsequent pflegte. Darüber hinaus informierte er sich anhand einschlägiger Lektüre über aktuelle Entwicklungstendenzen. Sein Haus war zudem ein beliebter Treffpunkt von Künstlern, Musikern und Schriftstellern. Amiet verfügte über eine schnelle Auffassungsgabe und sein profundes Verständnis der verschiedenen Richtungen der zeitgenössischen Avantgarde ermöglichte ihm ein unmittelbares Aufgreifen der unterschiedlichen Gestaltungsprinzipien, die er in seinem Schaffen individuell verarbeitete. Um 1910 wandte sich Cuno Amiet eine Zeitlang wieder konventionelleren Kompositionen zu.(1) Naturalismus und Abstraktion vermischen sich in dem ländlich-beschaulichen Gemälde »Mittagsrast«, mit dem der Maler ein Motiv aufgreift, das die ruhig-kontemplative Stimmung seiner heimatlichen Umgebung ins Bild setzt. Eindrucksvoll reflektieren die leuchtenden Farbfelder die mittägliche Hitze und weisen Amiet einmal mehr als den großen Koloristen aus, der neben Giovanni Giacometti (1868-1933) dem Schweizer Kunstpublikum mit seinen Werken die Prinzipien der französischen Avantgarde um die Wende des 20. Jahrhunderts vermittelte, noch bevor die Originale selbst dort zu sehen waren. Mit locker geschwungenem, weich fließendem schwarzen Kontur sind die großzügig nebeneinander gesetzten, farbigen Flächen jeweils voneinander abgetrennt. In der Verflachung und Vereinfachung der Formen, den vom Bildgegenstand gelösten, zur Reinheit gesteigerten Farben und den schwungvollen, dekorativen Konturen zeigt sich die Auseinandersetzung mit Stilmitteln von Paul Gauguin (1848-1903) und dem Pont-Aven-Kreis sowie mit der schönlinigen Malerei der prophetisch-symbolistischen Nabis und den ungebändigten Farbakkorden der Fauves. Ohne historisierend-narrativen Kontext oder literarische Vorbilder konzentriert sich Amiets Malerei auf ihre eigenen, rein vom Ästhetischen bestimmten Mittel: das Zusammenwirken von Farben und Formen, Fläche und Struktur. Im Gegensatz zu den subjektiv-eruptiven Bildäußerungen der jüngeren »Brücke«-Künstler, drückte Cuno Amiet seine Emotionen über wohl durchdachte stilistische Mittel aus, und sein Expressionismus beschränkte sich hauptsächlich auf die Maltechnik. Jedoch bestanden grundsätzliche Übereinstimmungen in der Abwendung vom akademischen Idealbild und dem großzügigen Einsatz einer »neuen Farbigkeit«. Als Schweizer, dem sowohl das kulturelle Umfeld Frankreichs als auch Deutschlands vertraut war, stellte er ein Bindeglied zwischen französischer und deutscher Kunstauffassung dar, blieb in seinem Schaffen aber einzigartig. Mit der kunstvollen Umsetzung des Bildgegenstandes in eine harmonische Einheit von Form, Farbe und Linie, suchte Amiet einen individuellen Ausdrucksgehalt zu erschaffen, der die erlebte Faszination des Motivs anschaulich vermittelt. Ober seine künstlerische Arbeitsweise berichtete er seinem Vater in einem Brief aus Pont-Aven: »Wenn ich etwas anfange, so frag ich mich vor allem, welches Zusammentreffen gewisser Linien oder welches Zusammenwirken gewisser Farbtöne es ist, das mir einen solchen oder anderen Eindruck einflößt.... Wenn man es ... herausgefunden hat, so wird man ... selten verfehlen, das Empfundene zum Ausdruck zu bringen und das Bild, wenn es auch nur eine Blume ist, wird immer etwas Lebhaftes, Sprechendes haben, kurzum etwas Großartiges. « (2)

(1) Die erkämpfte Unabhängigkeit und die »Brücke«- Zeit, in: George Mauner, Cuno Amiet, Zürich 1984, S. 44-56, hier S. 46.
(2) Brief vom 14.11.1892, in: George Mauner, Von Pont- Aven zur »Brücke« - Amiet als »pons inter pontes«, in: Ausst.-Kat. Cuno Amiet - Von Pont-Aven bis zur »Brücke«, hrsg. von Toni Stooss und Therese Bhattacharya- Stettler, Kunstmuseum Bern, Mailand 1999, S. 20.

Cathy Stoike

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: CA 1910 (Signatur)
: Nicht bezeichnet (Bezeichnung)

Inventarnummer
24/69

Werkverzeichnisnummer
Müller/Radlach 1910.51

Literatur

Die "Brücke" : Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2000, Kat. Nr.161

Brücke : la nascita dell´espressionismo, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Milano : Mazzotta, 1999, Kat. Nr.Kat.-Nr. 137

Die "Brücke" : Meisterwerke des Expressionismus aus dem Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., Berlin : Brücke-Museum, 2000, Kat. Nr.Kat.-Nr. 161

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.392, Abb. S.393, Kat. Nr.155