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Künstler

Anton Kerschbaumer

Titel

Am Hafen von Malcesine

Jahr
1928
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 74,5 x 60,5 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1980
Credits
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Das Schaffen des aus Rosenheim stammenden, seit 1908 in Berlin lebenden Künstlers Anton Kerschbaumer ist im Brücke-Museum mit zwei Gemälden sowie rund 20 Aquarellen, Gouachen und Grafiken vertreten. Durch die Zugehörigkeit zum gleichen Sanitätszug wie Erich Heckel im Ersten Weltkrieg hatte er dessen Bekanntschaft gemacht. Diese Beziehung wurde in den Folgejahren in Berlin fortgeführt und durch die Freundschaft mit Karl Schmidt-Rottluff ergänzt. So entstand auch der »ausdrückliche Wunsch«(1) der beiden Gründer des Brücke-Museums, Kerschbaumers Werk neben dem der eigentlichen Mitgliedern der »Brücke« in der Sammlung zu bewahren.
Künstlerisch gab es wenige stilistische Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Pionieren des deutschen Expressionismus und Kerschbaumer, der sich eher in einer romanischen Bildtradition sah. Statt von einem Lehrer-Schüler-Verhältnis zu sprechen, wie es beispielsweise in gewisser Hinsicht auf Heckel und Max Kaus zutrifft, ist somit hier eher der Begriff einer geistigen wie praktischen Mentorschaft passend. Dies erkannte auch Kerschbaumer selber, der über Heckel und dessen Kunst schrieb: »Er geht nur auf das psychologische, auf das Menschliche. Er ist Gotiker. Er schätzt Cranach, der auch ein Sachse. Während ich als Süddeutscher zu sehr Venezianer bin, die Schönheit, die Verhältnisse (Proportionen), die Durchführung suche.«(2)
Neben dem ausdrücklichen Interesse Kerschbaumers an der formalen Strukturierung durch ein harmonisches Verhältnis der Proportionen ist demnach auch der »eher heiter-mediterrane Charakter«(3) ein prägendes Charakteristikum seiner Kunst. Deutlich wird dies im Bild »Hafen von Malcesine«, das während eines mehrmonatigen Aufenthaltes am Gardasee entstanden ist. Wie es für sein Schaffen charakteristisch war, entwickelte Kerschbaumer auch hier an der Zusammenstellung von Architekturelementen ein spannungsvolles Zusammenspiel der geometrischen Formen. Die Flächen werden, egal ob sie sich im Vordergrund oder Hintergrund befinden, dabei als gleichwertige Teile betrachtet und konstruktiv miteinander und zueinander in Beziehung gesetzt. Dreiecke, Trapeze und Parallelogramme vereinen sich zu einer homogenen Bildfläche. Von Bedeutung ist auch die Oberfläche, die unter völliger Zurücknahme der Pinselschrift des Künstlers mit dem Spachtel gestaltet ist und so eine poröse, rauhe Wirkung erzielt. Der haptische Reiz der spröden Struktur erinnert an natürliche Flächen wie Stein oder Holz. Rein malerische Fragen der Komposition und Farbwirkung lassen sich auf diese Weise optimal untersuchen und erproben. Bisweilen erreicht Kerschbaumer mit dieser auf die Tiefenräumlichkeit verzichtenden Malweise eine geradezu abstrahierende Wirkung, und erst auf den zweiten Blick offenbart sich der konkrete Bezug zur gegenständlichen Wirklichkeit. In einem Tagebucheintrag formulierte der Künstler seine Intention: »Die Natur ist nicht dazu da, um Bilder zu stellen. Versuche die linearen, räumlichen und farbigen Werte aus der Natur herauszuziehen, die das Bild machen!«(4)

(1) Leopold Reidemeister im Vorwort zum Ausst.-Kat. Anton Kerschbaumer, 1885-1932. Zum. 50. Todestag. Brücke-Museum Berlin, Städtische Galerie Rosenheim, Berlin 1981, S. 3.
(2) Anton Kerschbaumer, Beziehungen zu Heckel, in: Erich Heckel zum Dank und Gedenken, Brücke-Archiv Nr. 4, Berlin 1970, S. 36.
(3) Markus Ewel, Anton Kerschbaumer und die Kunst in Deutschland 1900 bis 1930, München 1996, S. 5.
(4) Tagebucheintrag vom 3.5.1928, in: Konstanze Wetzel-Kerschbaumer, Anton Kerschbaumer. 1885-1931, München 1994, S. 33.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: Kerschbaumer 28 (Signatur)
: Nicht bezeichnet (Bezeichnung)

Inventarnummer
11/80

Literatur

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.434, Abb. S.435, Kat. Nr.171