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Künstler

Max Kaus

Titel

Porzellanmalerin II

Jahr
1926
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 73 x 90 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1971 anläßlich des 80. Geburtstages des Künstlers
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Bevorzugtes Modell für die Frauenbildnisse des Malers bleibt in den Zwanziger Jahren Gertrud Kaus. Häufig sind der Dargestellten Geschirr oder anderweitige Keramik beigesellt. Angesichts von Kaus' Ausbildung an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Berlin-Charlottenburg zur Porzellanmalerin und ihrer späteren Anstellung bei der KPM (Königliche bzw. Staatliche Porzellan-Manufaktur) scheinen diese Dinge nicht zufällig wiederholt in den Bildern aufzutauchen. Vielmehr können sie als »Attribute« der Dargestellten angesehen werden, nämlich als Gegenstände, die zur ihrer Wesensbestimmung beitragen. Doch auch eine »gewöhnliche« Funktion erfüllen sie in den Werken: Sie sind Alltagsgegenstände einer häuslichen Einrichtung, die zur Folie von Kaus' Gemälden dieser Entstehungszeit wird. Der Ausdruck »Feiertagsgegenstände« ist allerdings zutreffender, da die Arbeiten des Malers eine feiertägliche Stille kennzeichnet, die seine Inspiration von Werken der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts bezeugt. Besonders die Interieurs von Jan Vermeer van Delft mit ihren Frauenfiguren, welche ruhig bei der Ausübung häuslicher Tätigkeiten geschildert werden (z. B. »Die Spitzenklöpplerin«, um 1664), sind in Hinsicht der Lichtregie und der damit zusammenhängenden konzentrierten Stimmung für Kaus beispielhaft gewesen. Kaus strich in seiner 1960 verfassten Autobiographie die Bedeutung von Vermeer für seine künstlerische Entwicklung heraus: »1921 entstanden die Bilder in zurückhaltenden Farben, die von Vermeer beeinflusst waren, der mir einen grossen Eindruck gemacht hatte und durch den ich (wohl mehr unbewusst als gewollt) aus dem Expressionistischen loskommen wollte.«(1) Der Künstler dachte bei dieser Aussage vermutlich an Werke wie »Schreibende« (1921) oder »Stilleben mit drei Tulpen« (1922).(2) Letzteres Gemälde zeigt eine in sich versunkene Frau, die das Kinn am Tisch wie die Personifikation der »Trägheit« (Desidia bzw. Acedia) in Werken Vermeers aufstützt, welche an eben diese eine der sieben christlichen Todsünden gemahnt. Eindeutig war Vermeer jedoch auch in der nachfolgenden Schaffenszeit Kaus' Vorbild. Ihn scheint aber weder die tiefgründige Symbolik in Werken Vermeers und seiner Zeitgenossen noch deren ironische Bildstrukturen interessiert zu haben. Dagegen muss deren zeitloser Ausdruck von Schönheit Kaus' steter Ansporn gewesen sein.
Wie in der Nische einer Dachgaube sitzt eine Frau seitlich am Fenster, durch das nur schemenhaft eine Architektur zu erkennen ist. Ihr Kopf ist nach unten auf den Tisch vor ihr gerichtet, auf dem sie beidhändig vorsichtig einen Pinsel über einen Teller führt. Weitere Utensilien ihrer kunsthandwerklichen Tätigkeit, wie u. a. ein Drehteller und noch unbemalte Teller, sind auf dem Tisch platziert. Alles in dem Bild wirkt harmonisch und ausgewogen sowie fokussiert auf die Konzentration der Frau bei der sie erfüllenden Tätigkeit. Kaus erzielte diesen Eindruck vor allem durch die kompositorische Anlage des Bildes und seinen auf Ausgewogenheit abzielenden Einsatz von Farben. Das Blau vom Teller wiederholt sich in dem Tuch, das die Dargestellte von hinten umfängt. Es scheint am Balken befestigt zu sein, um geeignete Lichtverhältnisse für ihre Tätigkeit zu schaffen, und erfüllt dabei doch gleichzeitig die bildliche Funktion, den Raum noch abgeschlossener, intimer erscheinen zu lassen. Auch das Rot ihrer Weste wiederholte Kaus in den Dachbalken und dem Drehteller, wodurch eine Balance dieser beiden Primärfarben im Bild erzielt wurde. Ihr Pullover leuchtet dagegen Gelb und zieht mit seiner Strahlkraft alle Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich und damit auf das Tun der Hände vor ihrer Brust. Der Moment der Hingabe an die Arbeit scheint damit das eigentliche Zentrum des Gemäldes.

(1) Zit. nach Autobiographie in: Ausst.-Kat. Max Kaus —
Druckgraphik. Brücke-Museum Berlin 1998, S. 162.
(2) Vgl. Ursula Schmitt-Wischmann, Max Kaus. Werkverzeichnis der Gemälde, Berlin 1990, Nr. 25, 32, S. 84 f.

Bettina Schaschke

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten links: MKaus 26 (Signatur)
: Nicht bezeichnet (Bezeichnung)

Inventarnummer
11/71

Werkverzeichnisnummer
Schmitt-Wischmann 99

Literatur

Max Kaus : Gemälde von 1917 - 1970; zum 80. Geburtstag d. Künstlers am 11. März 1971, Reidemeister, Leopold, Berlin : Brücke-Museum, 1971, Kat. Nr.26

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.422, Abb. S.423, Kat. Nr.167

Max Kaus. Schenkungen für das Brücke-Museum Berlin, Hauptautor: Janina Dahlmanns, Volker Strunz, Magdalena M. Moeller, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Hirmer Verlag, München, 2017, Abb. S.Abb. 15, S. 36

Max Kaus - Erich Heckel. Eine Künstlerfreundschaft, Janina Dahlmanns, Lizzy Blasius, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Hirmer Verlag, München, 2015, Kat. Nr.67