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Künstler

Max Kaus

Titel

Liegende Frau mit Katze

Jahr
1921
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 75 x 90 cm
Rahmenmaß 87,5 x 103,3 x 3 cm
Details zum Erwerb
Erworben 2018 als Schenkung von Sigrid Kaus, Berlin
Credits
Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Überblickt man das erhaltene malerische OEuvre von Kaus,(1) so fällt auf, dass das einzelne Frauenbildnis schon von Anfang an zu seinen bevorzugten Motiven gehörte. Es entwickelte sich von Kopfportraits zu Halbfigurendarstellungen im Innenraum. Die Werke zeigen Frauen bei alltäglichen Betätigungen oder ruhend. Wie die »Brücke«-Maler stellte auch Kaus kein fremdes Modell dar, sondern die eigene Partnerin (ab 1923 Ehefrau) Gertrud Kant. Die Nähe zum Modell war bei der ersten Generation der Expressionisten stets Vorbedingung für eine emotionalere Wahrnehmung, die man in der eigenen Kunst anstrebte. An Heckels Typus der sinnenden und genesenden Frau erinnern so auch noch einige Kaussche Frauenbildnisse. Bei diesen mischt sich jedoch die melancholische Grundstimmung mit einer eher sachlichen Tendenz, die durch eine gewisse Distanz zur dargestellten Person gekennzeichnet ist. Rein beschreibende Bildtitel, wie »Liegende Frau mit Katze«, wahren zudem die Anonymität der dargestellten Person. Kaus behandelte das Thema zeitgleich in dem Medium der Graphik.(2) All dies spricht dafür, dass es dem Künstler um mehr ging als das Portrait seiner Frau zu gestalten.
Bei dem Gemälde rückte der Künstler sehr nah an seine liegende, wahrscheinlich schlafende Frau heran, und doch hat man den Eindruck, als würde hier ein respektvoller Abstand zur Dargestellten gewahrt. Diese ruht bildparallel ausgerichtet vor einer den Hintergrund begrenzenden Wand auf einem Diwan. Dadurch, dass Kaus ihren Körper mit einer orangefarbenen Decke als einer großflächigen Form verhüllte, fällt alles Licht auf ihren gänzlich in Profilansicht gezeigten Kopf. Auf diesem konzentrieren sich Spannung (in der Kopfhaltung) und Entspannung (im Gesichtsausdruck mit dem leicht geöffneten Mund und geschlossenem Auge). Es ist eine Spannung, die auf einer zuvor gefundenen künstlerischen Form aufbaut. Ihr sich vorreckendes Kinn, durch das ihr Hals gestreckt und gebogen erscheint, ist — nur die Blickrichtung verkehrend — vorgeprägt in der Kreidelithographie »Mädchenkopf im Profil, mit Tanne« von 1918. Weist der Kopf der Dargestellten nach links, so scheint er durch die im Ansatz sichtbare Violine über ihr wie von einem imaginären Faden gleichsam nach oben gezogen. Einen Gegenpol bzw. Widerhall zu ihr bildet die Katze, deren Kopf zur Wand und in Gegenrichtung zu dem der Frau gekehrt ist. Auch in der Körperhaltung der Katze drückt sich Spannung (in den aufgerichteten Ohren) und Entspannung (in den vorgestreckten Pfoten) aus. Das Tier balanciert das Gemälde jedoch nicht nur links aus, sondern verbindet zudem den Mittel- mit dem Hintergrund, da sich die Haltung seiner Pfote in der steigenden Diagonale von dem Tapetenmuster wiederholt. Eine Verbindung zwischen Vorne und Hinten schafft aber auch das Stilleben auf dem Tisch, das man — fast wie eine Spiegelreflexion — im Gemälde an der Wand wieder zu erkennen glaubt. Farben und Formen wurden in diesem Gemälde also aufs Genaueste abgestimmt. Doch ist die Harmonie nicht ohne Irritationen. Die größte Spannung im Bild schuf Kaus im »Goldenen Schnitt« des Gemäldes, nämlich in der Lücke zwischen dem Vorderbein der Katze und dem Kinn der Dargestellten. Nur wenige Zentimeter trennen ihre schutzlose Haut vor den scharfen Krallen des Tieres. Hierin mag sich die »expressive Unruhe« offenbaren, die Kaus bei sich selber im »Kampf zwischen statuarischer Gebautheit [und] malerischer Gelassenheit« zeitlebens gesehen hat.(3)

(1) Es hat sich jedoch nur ein Bruchteil erhalten, da ein großer Teil seiner Arbeiten im Zweiten Weltkrieg verbrannte; vgl. Kaus' Angaben dazu in seiner 1960 verfassten Autobiographie in: Ausst.-Kat. Max Kaus - Druckgraphik, Brücke-Museum Berlin 1998, S. 162 f.
(2) Vgl. ebd., Nr. 55, 58.
(3) Zit. nach Autobiographie, in: ebd., S. 164.

Bettina Schaschke

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: MKaus (Signatur)
Rückseitig: Max Kaus 21 / Liegende Frau mit Katze gewachst! (Bezeichnung)

Inventarnummer
23/18

Werkverzeichnisnummer
Schmitt-Wischmann 48

Literatur

Max Kaus : Gemälde von 1917 - 1970; zum 80. Geburtstag d. Künstlers am 11. März 1971, Reidemeister, Leopold, Berlin : Brücke-Museum, 1971, Kat. Nr.8

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.414, Abb. S.415, Kat. Nr.163

Max Kaus. Schenkungen für das Brücke-Museum Berlin, Hauptautor: Janina Dahlmanns, Volker Strunz, Magdalena M. Moeller, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Hirmer Verlag, München, 2017, Abb. S.Abb. 13, S. 35

Max Kaus - Erich Heckel. Eine Künstlerfreundschaft, Janina Dahlmanns, Lizzy Blasius, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Hirmer Verlag, München, 2015, Kat. Nr.51