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Künstler

Emil Nolde

Titel

Jägers Haus auf Alsen

Jahr
1909
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 73 x 91 cm
Rahmenmaß 91 x 106,9 x 4,3 cm
Verknüpfte Ausstellungen
Die Brücke 1905 - 1914, 2018/19, Museum Frieder Burda, Baden-Baden
Flucht in die Bilder? Die Künstler der Brücke im Nationalsozialismus, 2019, Brücke Museum, Berlin
Details zum Erwerb
Erworben 1979
Credits
Copyright: Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Emil Nolde hatte in seinen Lehr- und Wanderjahren seine Neugierde und Weltoffenheit unter Beweis gestellt: Der Bauernsohn aus dem friesischen Dorf Nolde hatte nach einer Lehre in Flensburg die Kunstgewerbeschule im süddeutschen Karlsruhe besucht, hatte als Zeichenlehrer in St. Gallen in der Schweiz gelebt und in Dachau bei München in der dortigen Künstlerkolonie gearbeitet. Doch nun zog es ihn zurück in seine norddeutsche Heimat, wo er zu seinem unverwechselbaren Stil fand. Seit 1903 hielt sich Nolde regelmäßig und für längere Zeit auf der heute zu Dänemark gehörenden Ostseeinsel Alsen auf, wo er ein kleines, altes Fischerhaus mietete. Ein solch typisches Haus ist auch auf dem vorliegenden Gemälde zu sehen: eingeschossig mit einer regelmäßigen Reihe kleiner Fenster, das reetgedeckte Dach weit heruntergezogen. Besonders auffallend und typisch für die Region ist auch der üppig wachsende, in allen Farben wild blühende Bauerngarten. Dieser hatte es Nolde besonders angetan. In seinem Haus in Seebüll, das er 1926 mit Grundstück erwarb und zu seinem langjährigen Wohnsitz machte und das jetzt das Museum der Nolde-Stiftung beherbergt, legte er genau solch einen Garten an, der bis heute im von Nolde gestalteten Zustand zu besichtigen ist. Das opulente Farbenspiel der blühenden Pflanzen war für Nolde nicht nur ein reizvolles Motiv abwechslungsreicher Farbgestaltung, sondern es manifestierte sich für ihn hier auch die unermüdliche, zyklisch wiederkehrende und damit ewige Kraft und Fruchtbarkeit der Natur an sich. Deshalb waren für ihn Blumen und Gärten ein Sujet, das er in seinem gesamten Schaffen immer wieder aufs Neue thematisierte.(1)
Stilistisch betrachtet ist noch der unruhige, deutlich sichtbar bleibende Pinselstrich aus Noldes Frühwerk zu erkennen. Dahin deutet auch die Farbgebung, welche die lichte Palette an nuancierten, mit Weiß gemischten Pastelltönen aufweist, die er bis etwa 1909 /10 verwendete. Somit ist auch noch das Wort Karl Schmidt-Rottluffs nachzuvollziehen, mit dem er Nolde 1906 zum Beitritt zur Künstlergruppe »Brücke« aufforderte, nachdem die jungen Dresdener Maler eine Ausstellung seiner Werke gesehen hatten: »Nun, geehrter Herr Nolde, denken Sie, wie und was Sie wollen, wir haben Ihnen hiermit den Zoll für Ihre Farbenstürme entrichten wollen.«(2) Auch wenn Nolde als Einzelgänger nur für ein Jahr aktives Mitglied der Gruppierung war, so trifft diese Formulierung auf den speziellen Charakter von »Jägers Haus auf Alsen« immer noch sehr passend zu.
Das Gemälde befand sich vormals im Besitz der Hamburger Kunsthalle, von wo es im Jahr 1937 durch die unselige Kulturpolitik der Nationalsozialisten als entartet entfernt wurde. Es wurde in Privatbesitz verkauft, wo es die dunklen Jahre überstand. 1979 konnte es das Brücke-Museum aus dem Kunsthandel erwerben und es nun im Kontext der expressionistischen Kunst des frühen 20. Jahrhunderts präsentieren.

(1) Martin Urban, Emil Nolde. Blumen und Tiere. Aquarelle und Zeichnungen, Köln 1965.
(2) Der Brief befindet sich in der Stiftung Ada und Emil Nolde in Seebüll und ist abgedruckt in: Emil Nolde, Jahre der Kämpfe, Köln 1976, S. 146.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: Emil Nolde (Signatur)
: Nicht bezeichnet (Bezeichnung)

Inventarnummer
4/79

Werkverzeichnisnummer
Urban 292

Literatur

Die "Brücke" : Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2000, Kat. Nr.146

Das Brücke-Museum, Reidemeister, Leopold, Berlin, 1984, Abb. S.63

Brücke : la nascita dell´espressionismo, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Milano : Mazzotta, 1999, Kat. Nr.Kat.-Nr. 127

Brücke und Berlin : 100 Jahre Expressionismus, Arnold-Becker, Alice , Berlin : Nicolai, 2005, Kat. Nr.Kat.-Nr. 280

Die "Brücke" : Meisterwerke des Expressionismus aus dem Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., Berlin : Brücke-Museum, 2000, Kat. Nr.Kat.-Nr. 146

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.362, Abb. S.363, Kat. Nr.143

Nolde : der Maler, Moeller, Magdalena M., München : Hirmer, 2016, Erw. S.36, Abb. S.49, Kat. Nr.11

Brücke Museum Highlights, Moeller, Magdalena M., München : Hirmer, 2017, Kat. Nr.283

Erich Heckel : der große Expressionist ; Werke aus dem Brücke-Museum Berlin, Bielefeld, Marlene, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2013, Kat. Nr.III