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Künstler

Emil Nolde

Titel

Weiße Stämme

Jahr
1908
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 67,5 x 77,5 cm
Rahmenmaß 90 x 99,5 x 5 cm
Verknüpfte Ausstellungen
Die Brücke 1905 - 1914, 2018/19, Museum Frieder Burda, Baden-Baden
Details zum Erwerb
Erworben 1969 aus Galerie Änne Abels, Köln
Credits
Copyright: Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Das Gemälde »Weiße Stämme« entstand in Cospeda bei Jena, wo sich Nolde aufhielt, während sich seine Frau Ada in einem Sanatorium bei Dresden von einer schweren Krankheit erholte. In einem Brief an sie vom 10. März berichtete er von der Entstehung des Gemäldes: » ... es waren einige geweißte Fruchtbaumstämme, die ich zu malen versuchte.« In einem weiteren Brief vom 23. desselben Monats schickte er ihr eine kleine gezeichnete Skizze: »so ungefähr sehen meine 'Weißen Stämme' aus /... und so ungefähr das Bild 'Braunes Laub'«(1) Nolde scheint sich also rund zwei Wochen mit der Arbeit an dem Gemälde beschäftigt zu haben. Selten tritt im Werk Noldes die konstruktive Ordnung der Komposition und deren durchdachte Struktur so deutlich zutage wie in diesem Gemälde. Durch die parallele Ordnung der Bäume wird der Bildraum klar rhythmisiert, indem die aufsteigenden Vertikalen der Stämme eine gleichmäßige Unterteilung vornehmen und gleichzeitig dem kleinteiligen Pinselduktus, der in horizontaler Richtung verläuft, ein beruhigtes Äquivalent entgegensetzen. Die fleckige Struktur der Wiese entsteht durch die deutlich erkennbaren Pinselstriche, die eine flirrende Unruhe und fließende Dynamik kreieren. Entfernt erinnern diese Kommata und Striche aus Farbe an die Kunst der französischen Neoimpressionisten — doch bemühte Nolde zu keinem Zeitpunkt deren theoretische Systematik, dass sich die einzelnen Farbpunkte im Auge zum gewünschten Ton zusammensetzen sollten. Vielmehr verwandte Nolde die Farben so, dass sie durch komplementäre Kontraste zu ihrer jeweils intensivsten Leuchtkraft gebracht wurden: das azurne Blau ist mit hellem Orange kombiniert, frisches Grün direkt neben das ins Magenta spielende Rot gesetzt. Dabei führt die strahlende, ungemein gesättigte und dichte Farbigkeit zu einer gesteigerten Kraft der sinnlichen Wirkung des Gemäldes. Dies waren die Komponenten, die Nolde vor allem mit seiner Kunst erreichen wollte: Lebendigkeit und Energie, Intensität und Kraft. So bot sich auch die übersteigerte Farbe, die mit den gesehenen Tönen der Natur kaum mehr zu tun hat, als Ausdrucksmittel an. Auch die energiegeladene Handschrift, die sich in einem eruptiven Gestus äußert, führt zur Intensivierung der Szene. Damit verbildlichte Nolde nicht nur eine gesehene Szene, sondern drückte auch seine eigene vitale Empfindung aus. In seinen Gemälden verlieh er der aus seinem Inneren strömenden Energie einen kraftvollen Ausdruck.

(1) Beide Briefe befinden sich heute in der Stiftung Ada und Emil Nolde in Seebüll, Text auf dänisch.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: E Nolde (Signatur)
: Nicht bezeichnet (Bezeichnung)

Inventarnummer
16/68

Werkverzeichnisnummer
Urban 241

Literatur

Die "Brücke" : Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2000, Kat. Nr.145

Brücke : la nascita dell´espressionismo, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Milano : Mazzotta, 1999, Kat. Nr.Kat.-Nr. 126

Die "Brücke" : Meisterwerke des Expressionismus aus dem Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., Berlin : Brücke-Museum, 2000, Kat. Nr.Kat.-Nr. 145

Brücke : el nacimiento del expresionismo alemán, Arnaldo, Javier, [Madrid] : Museo Thyssen-Bornemisza, 2005, Kat. Nr.98

Brücke : el naixement de l'expressionisme alemany, Arnaldo, Javier, Barcelona : Lunwerg, 2005, Abb. S.144

Christian Rohlfs : die Begegnung mit der Moderne, Luckow, Dirk, München : Hirmer, 2005, Kat. Nr.91

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.360, Abb. S.361, Kat. Nr.142

Nolde : der Maler, Moeller, Magdalena M., München : Hirmer, 2016, Abb. S.40, Kat. Nr.8

... die Welt in diesen rauschenden Farben. Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Magdalena M. Moeller, Rainer Stamm, Christiane Remm, Gloria Köpnick, Magdalena M. Moeller und Rainer Stamm, Hirmer Verlag, München, 2016, Abb. S.14