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Künstler

Max Pechstein

Titel

Mädchen mit Schleier

Jahr
1929
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 120 x 95 cm
Rahmenmaß 139,1 x 115,2 x 5,8 cm
Details zum Erwerb
Seit 1990 als Dauerleihgabe aus Privatbesitz
Credits
Copyright: Pechstein – Hamburg / Tökendorf
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Die Rückseite des Gemäldes »Tanz« aus dem Jahr 1909 nutzt Pechstein zwanzig Jahre später erneut für das Aktgemälde »Mädchen mit Schleier«. Ganz im naturalistischen, nüchternen Stil der Neuen Sachlichkeit gestaltet er die nackte junge Frau, die in lockerer und entspannter Position auf einem Sessel sitzt, dabei ein Bein über die Lehne baumeln lässt und die Arme hinter den Kopf gelegt hat. Gemäß der Rückkehr zur naturalistischen Bildsprache der 20er Jahre ist ihre Hautfarbe am Naturvorbild orientiert und ihre Formen mit Licht und Schatten vollrund modelliert. Großes Interesse entwickelt Pechstein dabei für die malerischen Qualitäten der Oberfläche, vor allem im elfenbeinfarbenen Teint der jungen Frau, der mit weichen Schattierungen gestaltet ist. Die verschatteten Zonen reflektieren das kühle Blau, das sich ebenfalls als einfarbige Fläche rechts im Hintergrund befindet. Der linke Teil des Fonds mit einem rotbraunen Farbton wiederholt sich in den ins Rosa abgemilderten fleischigen Partien des nackten Körpers. Auch die Struktur und Modellierung des weißen Sesselüberwurfs spiegeln in mit Weiß aufgehellten Schattierungen diese beiden Farbzonen des Hintergrunds wider.
Neben der Farbgestaltung konzentriert sich Pechstein ebenfalls stark auf die Plastizität des menschlichen Körpers und modelliert die Rundungen mit dezidierter Entschlossenheit. Als abstrahierendes Moment nutzt Pechstein dagegen die klare dunkle Umrisslinie, mit der sich die weibliche Figur vom Hintergrund absetzt. Die so konturierte Form ist von sanft geschwungener Eleganz. Hinzu tritt eine fast laszive Offenheit und starke Sinnlichkeit, die von der offenen Körperhaltung und dem direkten Blick getragen werden.
Die 20er Jahre sind für Pechstein eine erfolgreiche Zeit mit zahlreichen Aufträgen und weitreichender öffentlicher Anerkennung. Er ist an zahlreichen Ausstellungen beteiligt und seine Bilder werden in erfolgreichen Einzelausstellungen präsentiert. Für sein Schaffen erhält er Preise, auch für kunsthandwerkliche Entwürfe. Eine große Anerkennung seiner künstlerischen Erfahrung sowie eine Würdigung seiner Person als besondere Figur des öffentlichen Kunstlebens ist 1928 die Wahl Pechsteins zum Mitglied der Ausstellungskommission der Preußischen Akademie der Künste.

Janina Dahlmanss

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: H Pechstein 1929 (Signatur)
: Nicht bezeichnet (Bezeichnung)

Inventarnummer
DL 1990/1 v

Werkverzeichnisnummer
Soika 1929/15

Literatur

DL 1990/1, Max Pechstein (1881 - 1955), Tanz, 1909

Max Pechstein im Brücke-Museum, Belgin, Tayfun, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2001, Kat. Nr.5 v

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.342, Abb. S.343, Kat. Nr.135 verso

Im Zentrum des Expressionismus. Erwerbungen und Ausstellungen des Brücke-Museums Berlin 1988 - 2013. Ein Jubiläumsband für Magdalena M. Moeller, Gercken, Günther, Wolfgang Henze, Janina Dahlmanns, Christiane Remm, Karin Schick, Magdalene Schlösser, Aya Soika, Staatssekretär für kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin, André Schmitz, Berlin, München : Hirmer, 2013, Erw. S.538, Kat. Nr.447 verso