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Künstler

Max Pechstein

Titel

Im Wasser

Jahr
1910
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 68 x 78 cm
Rahmenmaß 82,7 x 92,6 x 5,5 cm
Details zum Erwerb
Seit 1990 Dauerleihgabe aus Privatbesitz
Credits
Copyright: Pechstein – Hamburg / Tökendorf
Besitz: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Wie ein fotografischer Schnappschuss ist diese Badeszene mit dem Titel »Im Wasser« spontan aus dem Moment heraus eingefangen. Die zentrale weibliche Figur steht wadentief im flachen Wasser eines Sees und blickt den Maler direkt aus dem Impuls ihrer sich aufrichtenden Bewegung an, so als habe er sie gerade angesprochen. Die neben ihr stehende nackte Figur hat sich tief gebückt und benetzt sich die Unterarme mit Wasser, während eine dritte Figur in Rückenansicht in der linken Ecke zu sehen ist. Die große Unmittelbarkeit und Momenthaftigkeit, die der Erfassung der Situation zugrunde lag, zeigt sich in allen Elementen des Bildes. So suggeriert der wie zufällig erscheinende Ausschnitt, der keinen Horizont mit aufnimmt und damit keine genaueren Angaben zur Landschaft macht, das unvermittelte Festhalten der Szene. Auch die flüchtige, fast skizzenhafte Malweise zeugt von einer gewissen Eile des Schaffensprozesses, der sich in kurzen Strichen mit dem Pinsel und großzügiger Zusammenfassung der Details und kleinteiliger Formen äußert. Stilistisch klingen hier fast impressionistische Prinzipien an, da die fedrige Struktur und die zarten Schattierungen der Farbe als Bildmittel dem Flimmern der Lichtreflexe und dem Changieren der Wasseroberfläche entsprechen. Die nackte Haut der badenden Mädchen hingegen ist ganz im expressionistischen Verfahren des Dresdener »Brücke«-Stils gestaltet. Noch nicht ganz hat Pechstein in den Körpern die vollplastische Gestaltung aufgegeben, indem er Schatten und Rundungen modelliert, doch sind auch ganze Partien flächig und in einheitlicher Farbgebung aufgefasst. Ob in der sonnenbeschienenen Haut des Oberkörpers der rechten Figur oder in der vereinfachten Differenzierung in Ober- und Unterseite bei den Armen: in dieser Flächigkeit und der damit einhergehenden Reduktion und Vereinfachung der Formen manifestiert sich der Schritt zum Neuen am deutlichsten. Auch der Wert der Farbe ist nicht mehr, wie beispielsweise beim Impressionismus, der rein visuell wahrgenommene Ton, sondern bezieht mit anderen Sinnen gefühlte Empfindungen mit ein. So taucht die gleißende Sommersonne die Haut in hell leuchtendes Gelb, die aufgeheizte Temperatur wird durch das intensive, geradezu feurige Orangerot spürbar gemacht. Das dringend empfundene Bedürfnis nach Kühlung im Wasser wird durch den Kalt-Warm-Kontrast der erhitzten Körper zum frisch hellblauen Nass des Teiches betont.
Auch wenn sich außer dem Wasser und einem kleinen Streifen der Ufervegetation am oberen Rand von der Landschaft nicht viel erkennen lässt, weil der Bildausschnitt so eng gewählt ist, so ist doch sehr wahrscheinlich, dass es sich um einen Schauplatz aus Moritzburg handelt. Damit wird diese so unmittelbar und spontan erfasste Szene zu einem Zeugnis der unbeschwerten Leichtigkeit des Sommers voller Freiheit und Kunst: Die Euphorie des unbekümmerten Miteinanders der Badenden ist ebenso verbildlicht wie die leidenschaftliche Freude des Künstlers an der Situation und an den darstellerischen Möglichkeiten seiner Malerei.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Literatur

DL 1990/2, Max Pechstein (1881 - 1955), Das gelbschwarze Trikot, 1910

Max Pechstein im Brücke-Museum, Belgin, Tayfun, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2001, Kat. Nr.3 v

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.332, Abb. S.333, Kat. Nr.133 verso

Im Zentrum des Expressionismus. Erwerbungen und Ausstellungen des Brücke-Museums Berlin 1988 - 2013. Ein Jubiläumsband für Magdalena M. Moeller, Gercken, Günther, Wolfgang Henze, Janina Dahlmanns, Christiane Remm, Karin Schick, Magdalene Schlösser, Aya Soika, Staatssekretär für kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin, André Schmitz, Berlin, München : Hirmer, 2013, Erw. S.538, Kat. Nr.446 verso

Max Pechstein : Pionier der Moderne, Moeller, Magdalena M., München : Hirmer, 2015, Abb. S.146, Kat. Nr.85

Auf der Suche nach dem Ursprünglichen. Mensch und Natur im Werk von Otto Mueller und den Künstlern der Brücke, Janina Dahlmanns, Magdalena M. Moeller, Christiane Remm, Nicole Peterlein, Magdalena M. Moeller, Hirmer Verlag, München, 2004, Abb. S.124, Kat. Nr.65