Zurück zu den Ergebnissen
Zurück zu den Ergebnissen
Künstler

Erich Heckel

Titel

Sandabfuhr

Jahr
1912
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 70 x 59,5 cm
Rahmenmaß 81,6 x 70,7 x 4,5 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1977
Credits
Copyright (Print): Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
Copyright (Online): VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Im Schaffen Erich Heckels tritt im Jahr 1912 ein wichtiger neuer Themenkomplex ins Blickfeld seines Interesses: Der arbeitende Mensch. Es entstehen Bilder von Handwerkern bei ihrer Tätigkeit, so beispielsweise der »Ziegelbäcker« (Kat. Nr. 24), von Arbeitern unter freiem Himmel wie die »Steinklopfer im Erzgebirge« (Kat. Nr. 35) oder die hier vorliegende »Sandabfuhr«. Diese Szene in einer Sand-, bzw. Kiesgrube, in der Baumaterial gewonnen wird, ist in einer schaukastenartig hochgeklappten Perspektive gegeben, die einen perfekten Überblick der Arbeitsstätte erlaubt. Die arbeitenden Menschen sind dabei klein und entindividualisiert wiedergegeben. Sie verrichten wie Ameisen in scheinbar müheloser Emsigkeit ihre Aufgaben. In einer diagonal in die Bildtiefe führenden Zickzacklinie sind die großen, von Pferden gezogenen Wagen aufgereiht, die von den Arbeitern mit Sand von den umgebenden Sandhügeln beladen werden. Im Vordergrund dominieren dabei die wuchtigen, derben Formen der altmodischen Pferdewagen des 19. Jahrhunderts. In der Bildtiefe hingegen ist eine moderne Stahlkonstruktion zu erkennen, die allem Anschein nach einen Kran darstellt, der die Ladung der Fuhrwerke zum weiteren Transport auf Boote umlädt. Dabei lassen die tiefblaue Farbe des Hintergrunds und kleine, abstrahierte Formen, die als Boote verstanden werden können, die Interpretation einer Wasserfläche zu, wobei nicht genau zu erkennen ist, ob es sich um einen See, das Meer oder einen Kanal handelt.
Als dicke schwarze Linien und Striche sind die Konturen und die Details in fast graphischer Lockerheit auf die Leinwand gezeichnet. In einzelnen Partien wird sogar die kalligraphische Leichtigkeit der Tuschpinselzeichnung erreicht. Dieses zeichnerische Grundgerüst ist mit flächig und einheitlich aufgefasster Farbe gefüllt, die weich verstrichen wurde, so dass der Duktus des Pinselstrichs kaum zu erkennen ist. Ein spannungsreicher Kontrast entsteht durch das Zusammenspiel von kleinteiligem schwarzem Liniengewirr und den großflächigen, einheitlichen Farbpartien. Dominierend ist der Farbklang Gelb und Blau, akzentuiert durch einzelne Partien in einem warmen Rotbraun. Damit konzentriert sich das Bild auf die weitgehend unvermischten drei Grundfarben des Spektrums und verweist auf den unbedingten Willen zu Klarheit und Ausdrucksstärke.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Literatur

3/77, Erich Heckel (1883 - 1970), Römisches Stilleben, 1909

Die "Brücke" : Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2000, Kat. Nr.77

Das Brücke-Museum, Reidemeister, Leopold, Berlin, 1984, Abb. S.53

Das Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., München : Prestel, 1996, Abb. S.55

Die "Brücke" : Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgraphik von Ernst-Ludwig Kirchner, Karl Schmitt-Rottluff, Erich Heckel, Max Pechstein, Emil Nolde und Otto Mueller aus der Sammlung des Brücke-Museums Berlin, Benesch, Evelyn, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 1995, Kat. Nr.71

Die "Brücke" : Meisterwerke des Expressionismus aus dem Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., Berlin : Brücke-Museum, 2000, Kat. Nr.77

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.88, Abb. S.89, Kat. Nr.21 verso