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Künstler

Erich Heckel

Titel

Flußlandschaft bei Würzburg

Jahr
1921
Kategorie
Material / Technik
Maße
Rahmenmaß 91,4 x 80,4 x 4 cm
Bildmaß 70,5 x 80,4 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1973 als Schenkung von Karl Schmidt-Rottluff
Credits
Copyright (Print): Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
Copyright (Online): VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Auf einer der Reisen durch die süddeutschen Mittelgebirge hatte Heckel die Inspiration für diese Ansicht der Weinberge am Main gefunden. Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg hatte er begonnen, zahlreiche Reisen zu unternehmen, die ihn in die verschiedensten Regionen Deutschlands, aber auch Europas führten. In der Zeit während des Bestehens der »Brücke« sowie unmittelbar vor und während des Ersten Weltkriegs hatte er sich vor allem auf die Natur an der Küste konzentriert, nun jedoch entdeckte er auch den Reiz der bergigen Landschaft für sich. Neben dem Hochgebirge in den Alpen, in dem die Natur mit Wucht und majestätischer Größe erschien, bereiste er auch die verschiedenen Mittelgebirge Deutschlands, die ihn mit ihrer sanften und lieblichen Formenvielfalt faszinierten.
Typisch für den Stil der frühen 20er Jahre sind die weichen Kurven und die fließenden Elemente der Landschaft. Besonders deutlich wird dies in den kugelig runden Bergkuppen oder in der weichgeschwungenen, auf den Betrachter hinströmenden Straßenkehre im Vordergrund. Es fallt auf, wie sehr Heckel mit den physikalischen Eigenschaften der Dinge und ihrer Oberflächenbeschaffenheit spielt. Der harte Asphalt der Straße scheint wie ein zähes Magma zu fließen und erreicht dabei eine unaufhaltsame Dynamik. Das eigentlich bewegte, fließende Wasser des Mains auf der rechten Seite hingegen ist viel weniger in Bewegung begriffen als die Straße. Der Strom ist eine statische, wie eingefrorene Fläche, die wie ein Spiegel die Umgebung reflektiert. Gleichzeitig ist er die Quelle einer feinen Transparenz, bei der ein farbiges Licht aus einer tiefer liegenden Schicht hervorschimmert und zu einer intensiven Leuchtkraft findet. In den kraftvollen Farbreflexen spiegelt sich die Gliederung des Weinbergs durch Wege und Pflanzreihen, die gerade Linien und geometrische Formen in die Komposition hineinbringen. Sie erinnern noch entfernt an die Facettierung von Landschaft, wie sie Heckel in den Jahren unmittelbar vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges entwickelt hatte. Dies sollte Heckel jedoch im Laufe der 20er Jahre zugunsten einer immer deutlicheren formalen Orientierung am Naturvorbild aufgeben. Inhaltlich jedoch suchte er zunehmend eine transzendente Ebene, wie es für seine späteren Landschaftsdarstellungen typisch wurde. Sie manifestiert sich hier, wie auch in vielen anderen Gemälden, in der spiegelnden Wasserfläche, die zu einem metaphorischen Symbol wird. Die Heckelschen Wasserflächen sind gleichzeitig transparent und dennoch für den menschlichen Blick nicht zu durchdringen. Sie reflektieren die Welt vor dem Spiegel und fordern den Betrachter unmissverständlich auf, sich mit dem Sichtbaren auseinanderzusetzen. Damit beinhalten sie eine Stellungnahme zur Bedeutung, die Heckel der Bildenden Kunst zusprach. Gleichzeitig jedoch sind die Wasser in Heckels Werk seit den 20er Jahren, ob Fluss, Meer oder See, stets der Ausgangspunkt eines überirdischen Leuchtens, das aus dem Inneren zu kommen scheint. Es glimmert als Licht der Lebendigkeit, als die Seele der Natur, wie sie Heckel nicht mit den Augen, sondern mit seinem Unterbewussten wahrnahm. Dieses magisch schimmernde Licht ist bei Heckel ein Verweis auf eine metaphysische Ebene, auf das Göttliche, das ihm in der Natur entgegentrat.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: Erich Heckel 21 (Signatur)
: Nicht bezeichnet (Bezeichnung)

Inventarnummer
56/73 v

Werkverzeichnisnummer
Vogt 1921 / 25

Literatur

56/73, Erich Heckel (1883 - 1970), Junger Mann und Mädchen, 1909

Die Brücke in Dresden 1905-1911, Barnett, Vivian Endicott, Gemäldegalerie Neue Meister , Dresden, Köln : König, 2001, Abb. S.167, Kat. Nr.170

Das Brücke-Museum, Reidemeister, Leopold, Berlin, 1984, Abb. S.51

Die Expressionisten : vom Aufbruch bis zur Verfemung, Behn, Helga, Gerhard Kolberg, Stuttgart : Hatje, 1996, Abb. S.Abb. 87, Kat. Nr.76

Das Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., München : Prestel, 1996, Abb. S.56

Die "Brücke" : Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgraphik von Ernst-Ludwig Kirchner, Karl Schmitt-Rottluff, Erich Heckel, Max Pechstein, Emil Nolde und Otto Mueller aus der Sammlung des Brücke-Museums Berlin, Benesch, Evelyn, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 1995, Kat. Nr.72

Erich Heckel : 1883 - 1970 ; Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik, Dube, Annemarie, München : Prestel, 1983, Abb. S.95, Kat. Nr.14

Erich Heckel - sein Werk der 20er Jahre, Dahlmanns, Janina, Remm, Christiane, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2004, Kat. Nr.Kat.-Nr. 51

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.92, Abb. S.93, Kat. Nr.22 verso