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Künstler

Ernst Ludwig Kirchner

Titel

Frauen im Bade

Jahr
1911
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 150,5 x 200 cm
Rahmenmaß 162,3 x 212,6 x 6,4 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1968
Credits
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Im Jahr 1910 beschäftigte sich Kirchner mit zwei reich illustrierten Bänden über indische Höhlenmalerei, die er in der Zentralen Kunstbibliothek der Dresdner Museen entdeckt hatte: John Griffiths, The Paintings in the Buddhist Cave-Temples of Ajanta, 1896 / 97. Noch 1925 / 26 hielt er in dem Essay »Die Arbeit E. L. Kirchners« fest: »Diese Werke machten mich fast hilflos vor Entzücken. Diese unerhörte Einmaligkeit der Darstellung bei monumentaler Ruhe der Form glaubte ich nie erreichen zu können, alle meine Versuche kamen mir hohl und unruhig vor. Ich zeichnete vieles an den Bildern ab, um nur einen eigenen Stil gewinnen zu können.«
Im Besonderen bezog sich Kirchner auf den im 5. und 6. Jahrhundert entwickelten Gupta-Stil, in dem die indische Kunst zur harmonischen Reife gelangte. Den Künstler, der zahlreiche Abbildungen des Buches in Skizzen, aber auch großformatigen Zeichnungen interpretierend kopierte, interessierte dabei hauptsächlich das raffinierte Wechselspiel zwischen der Plastizität der Körper und der an sich flächigen Darstellung. In einem Brief an Nele van de Velde schrieb er dazu: »Sie sind ganz Fläche und doch absolut Körper und haben somit das Geheimnis der Malerei restlos gelöst.« Auch in Kirchners Skulpturen der Jahre 1911/1912 ist der Einfluss der Ajanta-Malerei nachweisbar, so beispielsweise in der fast lebensgroßen Figur »Tänzerin Gerda« (Henze 1912/07).
Das monumentale Gemälde »Frauen im Bade« kann als Zusammenfassung und Höhepunkt der Auseinandersetzung Kirchners mit der indischen Kunst gewertet werden. Dieses Werk bezieht sich zwar auf ein Wandbild aus dem 2. Höhlentempel in Ajanta, in dem Szenen aus dem Leben des Prinzen Siddharta geschildert werden, ist aber eine eigenständige Adaption des Vorbildes — wie Kirchner grundsätzlich Werke der Kunstgeschichte im eigenen Stil aktualisierte, sie damit aus ihrer historischen Gebundenheit befreite und zum Ausdruck des persönlichen Lebensgefühls werden ließ. Eine spätere Reflektion dieser Beschäftigung mit exotischer Kunst ist sicher das heute leider auseinandergerissene »Badetriptychon« (1915/1925; G 440a-c), in dem Kirchner noch einmal das Thema der fünf Badenden variiert, diesmal aber auf die europäische ikonographische Tradition der »schaumgeborenen Venus« anspielend.

Roland Scotti

Klassifizierungsdetails

Literatur

Das Brücke-Museum, Reidemeister, Leopold, Berlin, 1984, Abb. S.105

German expressionism : primitivism and modernity, Lloyd, Jill, New Haven, Conn. : Yale University Press, 1991, Abb. S.Abb. Nr. 167, S. 127

Brücke und Berlin : 100 Jahre Expressionismus, Arnold-Becker, Alice , Berlin : Nicolai, 2005, Abb. S.Abb. 113, Kat. Nr.Kat.-Nr. 119

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.38, Abb. S.39, Kat. Nr.4

Brücke Museum Highlights, Moeller, Magdalena M., München : Hirmer, 2017, Kat. Nr.4

Brücke Highlights, Magdalena M. Moeller, Hirmer Verlag, München, 2007, Kat. Nr.3

Auf der Suche nach dem Ursprünglichen. Mensch und Natur im Werk von Otto Mueller und den Künstlern der Brücke, Janina Dahlmanns, Magdalena M. Moeller, Christiane Remm, Nicole Peterlein, Magdalena M. Moeller, Hirmer Verlag, München, 2004, Abb. S.103, Kat. Nr.46

Ernst Ludwig Kirchner. Erträumte Reisen, Katharina Beisiegel, Prestel Verlag, München, 2018, Abb. S.8, Kat. Nr.Tafel 1