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Künstler

Otto Mueller

Titel

Zwei badende Mädchen

Jahr
1921
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 100,5 x 139,5 cm
Rahmenmaß 117,6 x 157,7 x 5,5 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1976 aus Privatbesitz
Credits
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Das Motiv des Aktes in der freien Natur zieht sich kontinuierlich durch das Werk Otto Muellers. Von seinen künstlerischen Anfängen um 1900 über die Zeit seiner Mitgliedschaft in der Künstlergruppe »Brücke« bis zur seiner Professur an der Breslauer Kunstakademie in den 1920er Jahren nahm er das Thema variantenreich in den verschiedenen Phasen seiner stilistischen Entwicklung auf.(1) Die wesentlichen Bildelemente hatte Mueller früh gefunden: ein horizontal gegliederter Landschaftsausschnitt, gruppierte Bäume, Gras und Buschwerk, Dünen, Meer und Himmel sowie Figuren in verschiedenen Posen kennzeichnen bereits sein frühestes Gemälde dieses Genres, »Akte im Freien« von 1900. Die relativ naturalistische Bildauffassung in diesem Frühwerk, in der die Schilderung der Landschaft noch einen größeren Stellenwert einnimmt als die der Figuren, weicht ziemlich schnell der Konzentration auf die Figur — ab 1908 stellt Mueller sie in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Zunehmend löst er sie aus dem Landschaftszusammenhang, führt an ihr Form- und Haltungsstudien durch und arrangiert die bevorzugten Posen immer wieder neu zu vielfältigen Varianten seines Motivs. Eine Annäherung an den flüchtigen Skizzenstil der »Brücke«-Künstler führte in der Malerei Muellers ab 1911 zu einer neuen Dimension des Ausdrucks — das Erlebnis der Situation, das Ausschnitthafte des Räumlichen und Zeitlichen spiegelte sich zunehmend in seinen Werken.
Ende 1910 war Mueller der Künstlergruppe »Brücke« beigetreten, in den folgenden Jahren bis zum Ausbruch des Krieges lebte er mit Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel teilweise in enger Lebens- und Arbeitsgemeinschaft.(2) Nach der Auflösung der »Brücke« 1913 blieb Mueller vor allem Heckel in enger Freundschaft verbunden. 1921 besuchten er und seine Frau das Ehepaar Heckel in Osterholz an der Flensburger Förde, wo in »alter Brücke-Tradition« noch einmal unbeschwertes Leben und Arbeiten in der Natur zelebriert, die Einheit von Kunst und Leben versucht wurde. Während dieses Sommers entstand das vorliegende Gemälde »Zwei badende Mädchen«.
Otto Muellers Bestreben, seine Empfindung mit größtmöglicher Einfachheit auszudrücken, hatte ihn in den letzten Jahren zu den für ihn charakteristischen Kürzeln für die Darstellung von Landschaft und Mensch geführt. Aus diesen Chiffren und Figurentypen setzt er auch dieses Bild zusammen. Auffällig ist, dass Muellers Kunst nun eine Hinwendung zu klarer, entschiedener Strukturierung nahm: den betonten Einsatz der Linie und beschreibender Konturen sowie die Tendenz zu einer härteren und geschlossenen, mitunter leicht verzerrten Form. Die auf diese Weise dem Ausdruck verpflichtete Gegenständlichkeit wird zum Charakteristikum für Muellers Malerei der 20er Jahre. Eingebettet in seine zurückhaltende malerische Sprache verlieren seine Figuren und mit ihnen der Stimmungsgehalt des gesamten Bildes trotz der Verhärtung der Formen nichts von der ihnen eigenen Sinnlichkeit und Zauberhaftigkeit, mit denen Mueller seine Vorstellung eines irdischen Paradieses verknüpft.

(1) Ausführlich in: Christiane Remm, Otto Muellers Akte in der Natur. Die Genese eines Motivs, in: Auf der Suche nach dem Ursprünglichen. Mensch und Natur im Werk von Otto Mueller und den Künstlern der Brücke, Brücke-Archiv, hrsg. von Magdalena M. Moeller, Heft 21, München 2004, S. 9-26.
(2) Mueller nahm beispielsweise an den gemeinsamen Moritzburg-Aufenthalten 1910 und 1911 teil und verbrachte mit Kirchner 1911 einige Sommerwochen in Böhmen.

Christiane Remm

aus: Aus: Magdalena M. Moeller (Hg.), Brücke-Museum Berlin. Malerei und Plastik. Kommentiertes Verzeichnis der Bestände, München 2005, Nr. 151.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten rechts: O.M. (Signatur)
: Nicht bezeichnet (Bezeichnung)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Otto Mueller (Bezeichnung)

Inventarnummer
1/76

Werkverzeichnisnummer
Lüttichau/Pirsig 187

Literatur

Die "Brücke" : Meisterwerke aus dem Brücke-Museum Berlin, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2000, Kat. Nr.166

Das Brücke-Museum, Reidemeister, Leopold, Berlin, 1984, Abb. S.186

Das Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., München : Prestel, 1996, Abb. S.78

Otto Mueller : Gemälde, Aquarelle, Pastelle und Druckgraphik aus dem Brücke-Museum Berlin, Hoffmann, Meike, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 1996, Kat. Nr.3

Otto Mueller : eine Retrospektive, Brade, Johanna, München : Prestel, 2003, Abb. S.121, Kat. Nr.95

Brücke : la nascita dell´espressionismo, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Milano : Mazzotta, 1999, Kat. Nr.142

Brücke und Berlin : 100 Jahre Expressionismus, Arnold-Becker, Alice , Berlin : Nicolai, 2005, Abb. S.Abb. 123, Kat. Nr.Kat.-Nr. 253

Die "Brücke" : Meisterwerke des Expressionismus aus dem Brücke-Museum Berlin, Moeller, Magdalena M., Berlin : Brücke-Museum, 2000, Kat. Nr.Kat.-Nr. 166

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.382, Abb. S.383, Kat. Nr.151

Im Zentrum des Expressionismus. Erwerbungen und Ausstellungen des Brücke-Museums Berlin 1988 - 2013. Ein Jubiläumsband für Magdalena M. Moeller, Gercken, Günther, Wolfgang Henze, Janina Dahlmanns, Christiane Remm, Karin Schick, Magdalene Schlösser, Aya Soika, Staatssekretär für kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin, André Schmitz, Berlin, München : Hirmer, 2013, Erw. S.477, Abb. S.477

Otto Mueller, Remm, Christiane, München : Hirmer, 2014, Abb. S.98, Kat. Nr.76

Brücke Museum Highlights, Moeller, Magdalena M., München : Hirmer, 2017, Kat. Nr.308

Auf der Suche nach dem Ursprünglichen. Mensch und Natur im Werk von Otto Mueller und den Künstlern der Brücke, Janina Dahlmanns, Magdalena M. Moeller, Christiane Remm, Nicole Peterlein, Magdalena M. Moeller, Hirmer Verlag, München, 2004, Abb. S.53, Kat. Nr.1