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Künstler

Erich Heckel

Titel

Drei Frauen vor roter Uferwand

Jahr
1921
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 97 x 83 cm
Rahmenmaß 116,5 x 103 x 5,3 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1977 als Schenkung aus Privatbesitz
Credits
Copyright (Print): Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
Copyright (Online): VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Dieses Gemälde aus dem Jahr 1921 zeigt exemplarisch die neue Bildsprache, die Erich Heckel nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg entwickelt hatte: Farben und Formen sind stärker am Naturvorbild orientiert, die impulsive, bisweilen zerrissene Unruhe des Pinselstrichs ist gemildert und die gesamte Szene in sanften Rundungen zusammengefasst.
Gleichzeitig nahm Heckel erneut das Motiv des nackt badenden Menschen in der freien Natur auf, das für ihn und seine Künstlerkollegen bereits in der Dresdener »Brücke«-Zeit ein Hauptthema war. Doch nun steht nicht mehr die impulsive Lebensfreude und der spontan erfaßte Moment im Mittelpunkt des Interesses. Vielmehr wird die Nacktheit der Figuren zum Symbol ihres Menschseins. Das Motiv bietet Heckel die Möglichkeit, sein Menschenbild und seine Auffassung vom Verhältnis Mensch und Natur zu visualisieren. Stärker als zuvor empfindet er Mensch und Natur als harmonische Einheit, begreift den Menschen als Teil einer allumspannenden Natur.(1) Ausgedrückt wird dies durch die in harmonischen Rundungen flutenden Kurven der Landschaft, in welche die drei Frauen weich eingebettet sind. Ihre Haut spiegelt sanft alle Farbtöne der Natur, von den braun-orangenen Schattierungen bis hin zu einzelnen Reflexen in verhaltenem Grün und Blau. Überhaupt prägen Harmonie und Ausgewogenheit den Gesamteindruck der Darstellung, was durch die streng durchdachte Komposition unterstrichen wird. So sind die drei nackten Frauen auf einem imaginären Dreieck angeordnet, das in die Tiefe der Bildmitte führt. Hier trifft der Blick auf eine einheitliche halbrunde Fläche in leuchtendem Orangerot, die wie ein beschützender Bogen die Köpfe der drei Figuren verbindet und hinterfängt. Das behütende Dach stabilisiert die Szene und läßt sie fast bewegungslos erscheinen, so dass eine feierliche, geradezu sakrale Stimmung entsteht. Auch die statuarische Haltung ihrer Körper und der weihevolle Ernst ihrer Gesichter tragen zur meditativen Verinnerlichung der Bildwirkung bei. Die drei Frauen, die sinnbildlich für das Menschsein stehen, verharren in tiefer innerer Stille und führen einen schweigenden Dialog mit der sie umgebenden Natur.
Die klassische, fast ein wenige strenge Ausformulierung der weiblichen Körper entwickelte sich im Laufe der 20er Jahre immer weiter fort und ist in diesem Beispiel von 1921 bereits angelegt. Zum einen tritt hier die Verehrung Heckels für Hans von Marées hervor, dessen Akte ihn aufgrund ihrer klaren Plastizität und strengen Würde beschäftigt hatten.(2) Zum anderen lassen sich auch Parallelen zum Schaffen Otto Muellers ziehen, mit dem Heckel auch nach dem Auseinandergehen der »Brücke« noch regen freundschaftlichen Kontakt pflegte.(3) Das meditative Insichversunkensein, die stille Würde, der poetisch verschwiegene Dialog der Figuren mit der Natur, all dies findet sich bei beiden Künstlern.

(1) Vgl. hierzu: Janina Dahlmanns, Die Badenden - Wandlung eines Motivs, in: Ausst.-Kat. Erich Heckel - Sein Werk der 20er Jahre, Brücke-Museum Berlin, München 2004, S. 53-61.
(2) Von seiner Wertschätzung für Marées schreibt Heckel beispielsweise in einem Brief an Walter Kaesbach vom 30. Mai 1918, Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.
(3) Andreas Hüneke, Gespräche mit Chinesenmiene - Erich Heckel und Otto Mueller in den 20er Jahren, in: Ausst.-Kat. Erich Heckel - Sein Werk der 20er Jahre, Brücke-Museum Berlin, München 2004, S. 227-234.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Inschrift/Signatur
Signiert unten links: Erich Heckel 21 (Signatur)
Rückseitig auf dem Keilrahmen: Erich Heckel Drei Frauen 1921 (Bezeichnung)
Rückseitig auf dem Bildträger: Drei Frauen/ 1921 (Bezeichnung)

Inventarnummer
28/77

Werkverzeichnisnummer
Vogt 1921 / 13

Literatur

Erich Heckel - sein Werk der 20er Jahre, Dahlmanns, Janina, Remm, Christiane, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2004, Kat. Nr.29

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.114, Abb. S.115, Kat. Nr.32

Erich Heckel : der große Expressionist ; Werke aus dem Brücke-Museum Berlin, Bielefeld, Marlene, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2013, Kat. Nr.149

Max Kaus. Schenkungen für das Brücke-Museum Berlin, Hauptautor: Janina Dahlmanns, Volker Strunz, Magdalena M. Moeller, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Hirmer Verlag, München, 2017, Abb. S.Abb. 8, S. 33

Max Kaus - Erich Heckel. Eine Künstlerfreundschaft, Janina Dahlmanns, Lizzy Blasius, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, Hirmer Verlag, München, 2015, Kat. Nr.26

Auf der Suche nach dem Ursprünglichen. Mensch und Natur im Werk von Otto Mueller und den Künstlern der Brücke, Janina Dahlmanns, Magdalena M. Moeller, Christiane Remm, Nicole Peterlein, Magdalena M. Moeller, Hirmer Verlag, München, 2004, Abb. S.73, Kat. Nr.19

Flucht in die Bilder? Die Künstler der Brücke im Nationalsozialismus, Aya Soika, Meike Hoffmann, Meike Hoffmann, Lisa Marei Schmidt, Aya Soika für das Brücke-Museum, Hirmer Verlag, München, 2019, Abb. S.Abb. 129