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Künstler

Erich Heckel

Titel

Steinklopfer im Erzgebirge

Jahr
1914 - 1925
Kategorie
Material / Technik
Maße
Bildmaß 120 x 96 cm
Rahmenmaß 125,2 x 101,7 x 3 cm
Details zum Erwerb
Erworben 1966 als Schenkung von Erich Heckel
Credits
Copyright (Print): Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
Copyright (Online): VG Bild-Kunst, Bonn
Eigentum: Brücke Museum, Berlin

Über das Werk

Das vorliegende Gemälde »Steinklopfer im Erzgebirge« ist in Heckels Personalstil der mittleren 20er Jahre ausgeführt, was an der auf den ersten Blick naturnahen Farbigkeit und den nüchtern und realistisch gestalteten Figuren und Gesichtern abzulesen ist. Es wurde jedoch bereits 1914 begonnen und erst 11 Jahre später fertiggestellt, was neben der eigenhändigen Signatur des Künstlers zudem durch eine ebenfalls in der Sammlung des Brücke-Museums befindliche Aquarellskizze von 1914 belegt ist. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrach die Arbeiten an dem Gemälde; erst 1925 befaßte sich Heckel erneut mit der Leinwand und vollendete das Bild. Dabei hatte sich in der Zwischenzeit seine Bildsprache tiefgreifend gewandelt. Dies war zum einen hervorgerufen durch die existentiellen Erfahrungen des Krieges, die zu einer sachlicheren und gemäßigten Bildsprache geführt hatten. Zum anderen ist die persönliche Entwicklung eingebettet in den grundsätzlich geänderten Zeitstil der 20er Jahre, der von den Strömungen der Neuen Sachlichkeit geprägt war. Besonders gut lässt sich dies beim Vergleich des Gemäldes mit dem vorbereitenden Aquarell ablesen.
Das Gemälde zeigt ein Motiv, das im Schaffen Heckels ab 1912 /13 nach dem Umzug in die Metropole Berlin häufiger vorkam: der arbeitende Mensch. Die Steinklopfer bearbeiten direkt vor Ort den freiliegenden Granit oder Gneis und schlagen ihn in Form. Zum Schutz vor herumfliegenden Splittern haben sie die Augen mit dickglasigen Brillen bedeckt und die Arbeitsstelle mit aufgespannten Tüchern abgeschirmt. Ohne narrativ zu werden beschreibt Heckel genau den Arbeitsplatz, Tätigkeit und Umgebung der Steinarbeiter. Allerdings zielt Heckel bei dieser Darstellung nicht auf eine programmatische Sozialkritik oder gar eine politische Stellungnahme, wie es für viele zeitgenössische Künstler zu einem vorrangigen Anliegen geworden war. Heckel konzentrierte sich vielmehr auf den menschlichen Aspekt der gesellschaftlichen Randgruppen, ob es sich wie hier um Arbeiter in einer entlegenen, ländlichen Region handelte oder um Artisten und Clowns. Es ging Heckel um das Mitfühlen emotionaler Regungen, die durch Farbe, Form und Komposition verbildlicht wurden.
So suggerierten im Aquarell die düstere Farbigkeit, das stumpfe Schwarz und die gedämpften Braun- und Ockertöne die Härte und Anstrengung der Arbeit sowie deren triste Perspektivlosigkeit. In der über 10 Jahre später erfolgten Fertigstellung des Gemäldes behält Heckel die Komposition bis ins Detail bei und verändert nichts an Motiv und Bildaufbau. Allerdings verwendet er eine gänzlich andere Farbgebung. Die Wirkung des Gemäldes ist von einer weich leuchtenden, pastellhaften Farbe geprägt. Helles, zitroniges Gelb reagiert mit einem kreidigen Flieder und stumpfen Rottönen. Vor dem matten Weiß des Schnees, der einen hellen Grund bildet, heben sich die Farben ab und entwickeln so durch den Kontrast eine leuchtende Intensität. In der Farbe offenbart sich am deutlichsten der Unterschied zwischen den Jahren vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Eindrücklich werden die Beruhigung und Besänftigung erfahrbar, die Heckels Kunst nach seiner Rückkehr aus dem Krieg in Flandern durchlaufen hat.

Janina Dahlmanns

Aus: Moeller, Magdalena M. (Hrsg.): Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik; kommentiertes Verzeichnis der Bestände. München 2006.

Klassifizierungsdetails

Literatur

72/70, Erich Heckel (1883 - 1970), Steinklopfer, 1914

633/66, Erich Heckel (1883 - 1970), Steinklopfer im Erzgebirge, 1962

Verzeichnis der zur Eröffnung ausgestellten Werke September 1967 bis März 1968, Heinrich Albertz, Werner Stein, Leopold Reidemeister, Werner Stein, Berlin, Berlin : Brücke-Museum, 1967, Abb. S.Tafel 42, Kat. Nr.77

Brücke-Museum Berlin, Malerei und Plastik : kommentiertes Verzeichnis der Bestände, Beloubek-Hammer, Anita, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2006, Erw. S.120, Abb. S.121, Kat. Nr.35

Erich Heckel : der große Expressionist ; Werke aus dem Brücke-Museum Berlin, Bielefeld, Marlene, Brücke-Museum, Magdalena M. Moeller, Berlin, München : Hirmer, 2013, Kat. Nr.152