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Karl Schmidt-Rottluff - Explosion der Farbe.
Die Berliner Jahre 1946-1976

23.September 2005 - 15. Januar 2006
Brücke-Museum Berlin

Mit einer Ausstellung, die das Spätwerk Karl Schmidt-Rottluffs in den Mittelpunkt stellt, thematisiert das Brücke-Museum zum 100jährigen Jubiläum der Künstlergruppe "Brücke" einen ganz besonders wichtigen Aspekt: als Gründungsmitglied war Schmidt-Rottluff nicht nur maßgeblich am Aufbau der Gruppe, ihrer strukturellen und künstlerischen Entwicklung beteiligt, sondern spielte auch über das Bestehen der „Brücke“ hinaus eine zentrale Rolle als Vermittler der Idee der „Brücke“ und ihrer Kunst. Das wichtigste Ereignis in diesem Zusammenhang war zweifellos sein Entschluß, ein Museum einzurichten, das exklusiv das Werk der Künstlergruppe „Brücke“ unter einem Dach vereinen sollte. Er betonte „die Historie“ seines Vorhabens, denn „alle Maler der Brücke haben einmal in Berlin gelebt und gearbeitet und haben von Berlin aus gewirkt“.

Mit einer Schenkung von 74 Gemälden an das Land Berlin initiierte er 1964 den Bau des Brücke-Museums, das am 15. September 1967 eröffnet wurde. Schmidt-Rottluff setzte sich unermüdlich für den Aufbau einer alle "Brücke"-Künstler umfassenden Sammlung ein, er konnte u.a. den ehemaligen Mitstreiter Erich Heckel für sein Projekt gewinnen, der ebenfalls mit umfangreichen Schenkungen besonders dazu beitrug, die Sammlung um Werke der frühen „Brücke“-Zeit zu ergänzen. So entstand bis heute die bedeutendste Sammlung an „Brücke“-Werken sowie von Dokumenten, die die Angliederung eines Forschungsarchivs für expressionistische Kunst an das Museum möglich machten.
Neben seinen Aktivitäten um das Erbe der „Brücke“ führte Karl Schmidt-Rottluff nach der Zäsur des 2. Weltkrieges wesentliche Ideale der "Brücke"-Kunst auch künstlerisch weiter. Als Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin (1947-1954) nahm er aktiv am künstlerischen Diskurs der Nachkriegszeit teil. Seine nach 1945 entstanden Werke sind von sprühender Vitalität und neugewonnener Kraft; sie sind geprägt von der Synthese aus verinnerlichtem Ausdruckswollen, der Freude an einfachen und doch tiefgründigen Strukturen, der Konfrontation mit jungen künstlerischen Positionen und dem gleichzeitigen Beharren auf funktionierenden Bildelementen. Im Motiv, das sich weiterhin mit der ihm vertrauten Umgebung verbindet, orientiert sich Schmidt-Rottluff im Gegensatz zu den aufstrebenden ungegenständlichen Stilrichtungen konsequent am Gegenstand. Monumentale Form, irreale Proportionen und Perspektive und die reine, gegenstandsunabhängige Farbe bewirken in Schmidt-Rottluffs Werken eine unerhört kraftvolle Magie und zeigen die zeitlose Schönheit ganz elementarer Dinge des Alltags, der Natur und der Naturgewalten. So behaupten sich die späten, in musterhafter Flächigkeit komponierten und bis zur Auflösung der illusionistischen Form gesteigerten Werke eindrucksvoll vor der Folie der internationalen, von der Abstraktion geprägten Kunst. Den Weg in die inhaltliche Abstraktion ging Schmidt-Rottluff nicht. Sein künstlerisches Motto war die Verehrung der Natur und des Natürlichen, so wie er es verstand.

Das Brücke-Museum ehrt in diesem Jahr seinen Initiator und Förderer Karl Schmidt-Rottluff mit der Ausstellung seines Spätwerkes, das den Bogen spannt zwischen den charakteristischen Elementen der „Brücke“-Kunst und der zeitgenössischen Kunst der 1950er bis 1970er Jahre. Bis zuletzt war Schmidt-Rottluff Expressionist. Dieses Bekenntnis verteigte er sein Leben lang vor den verschiedensten künstlerischen Moden, wie Neue Sachlichkeit, Abstraktion, Informel, Pop- und Op-Art oder neue realistische Strömungen. Sein Motto „das zu fassen, was ich sehe und fühle und dafür den reinsten Ausdruck zu finden“ verwirklichte er in ganz besonders authentischer Weise in seinen späten Bilder, von denen nun im Brücke-Museum zahlreiche, bisher nie gezeigte Beispiele zu sehen sind.

 

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Ausstellungsort: Berlinische Galerie, Alte Jakobstr. 124-128, Berlin (Kreuzberg)

BRÜCKE - Die Geburt des deutschen Expressionismus
Ausstellung zum 100jährigen Jubiläum
1. Oktober 2005 - 15. Januar 2006

Eine Ausstellung des Brücke-Museums in Zusammenarbeit mit dem Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid
ERWEITERTE ÖFFNUNGZEITEN:
Mo-Sa 10-20 Uhr; So 10-18 Uhr

Diese großangelegte Ausstellung wird in den Räumen der Berlinischen Galerie gezeigt.

Seit ca. drei Jahren bereitet das Brücke-Museum diese umfassende Ausstellung mit dem Museo Thyssen-Bornemisza vor. Zahlreiche hochkarätige Leihgaben aus internationalen öffentlichen und privaten Sammlungen lassen diese Übersichtsschau zu einem großartigen Erlebnis werden. Noch nie konnte man die "Brücke" mit ihren Spitzenwerken so konzentriert in einer Ausstellung sehen.
(Katalog/Plakat/Flyer)