Karl Schmidt-Rottluff - Aquarelle
Eine Ausstellung zum 120. Geburtstag des Künstlers

Brücke-Museum Berlin 23. Juli – 17. Oktober 2004

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Über siebzig Jahre umfasst das Aquarellschaffen von Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976). Als Schüler malte er seine ersten Aquarelle, in den siebziger Jahren entstanden die letzten. Mit rund 130 häufig großformatigen Arbeiten überwiegend aus der Sammlung des Berliner Brücke-Museums bietet die Ausstellung einen Überblick über diesen zentralen Teil seines Werks, der für den Künstler immer gleichrangig neben seiner Malerei stand.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es innerhalb der Künstlergruppe Brücke vor allem Kirchner und Schmidt-Rottluff, die dem Aquarell zu neuer Bedeutung verhalfen. Schmidt-Rottluffs 1909 in Dangast geschaffenen Aquarelle mit ihrer subjektiven Form- und Farbgebung markieren so einen ersten Höhepunkt in seinem Œuvre. Die expressive Bildsprache der Brücke-Zeit wich dann in den zwanziger Jahren einem gemäßigteren Stil. Obwohl der Künstler seit 1911 in Berlin lebte, spielt die Großstadt in seinem Werk keine Rolle. Die entscheidenden Impulse für sein Schaffen empfing er vielmehr durch die Begegnung mit der Natur bei seinen langen Sommeraufenthalten, für die er sich ein Leben lang in unberührte Landstriche an Nord- oder Ostsee zurückzog: zunächst nach Dangast, in den dreißiger Jahren an den Lebasee in Ostpommern und ab 1951 schließlich ins schleswig-holsteinische Sierksdorf.

Die dreißiger Jahre brachten für Schmidt-Rottluff die schmerzliche Ausgrenzung durch die Kunstpolitik der Nationalsozialisten, denen er geradezu als Prototyp des entarteten Künstlers galt. Durch die kriegsbedingte Materialknappheit und schließlich durch das Malverbot gewannen die Aquarelle - Noldes »ungemalten Bildern« vergleichbar - noch größere Bedeutung. In den vielen Stillleben und Innenräumen aus dieser Zeit spiegelt sich ein immer mehr auf sich selbst zurückgeworfener Künstler.

Dieser Rückzug auf sich selbst einerseits und der Blick in die offene Landschaft andererseits bestimmen schließlich auch das Schaffen der letzten Lebensjahrzehnte. Die dunklen Konturen, die in den Stillleben und Landschaften die leuchtenden Farbflächen umgrenzen, werden nun durchlässiger. Einzelne Blätter Karl Schmidt-Rottluffs erreichen fast die Leichtigkeit ostasiatischer Tuschezeichnungen und die Gegenstände scheinen förmlich ihre Erdenschwere zu verlieren.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog von 196 Seiten mit 132 ganzseitigen Farbtafeln und vier ausführlichen Textbeiträgen. Preis: 23,-- Euro