Max Pechstein (1881-1955)

Pechstein wurde in Zwickau als Sohn eines Textilfabrikanten geboren. Nach einer Lehre als Dekorationsmaler schrieb er sich 1900 an der Kunstgewerbeschule in Dresden ein, von 1903-1906 studierte er an der Kunstakademie bei Professor Gußmann. 1906 machte er die Bekanntschaft von Erich Heckel, der ihn in den Kreis der Künstlergruppe „Brücke“ einführte. Begeistert stürzte er sich in das gemeinsame Zeichnen und in die künstlerischen Diskussionen mit den „Brücke“-Künstlern. Den Sommer 1907 verbrachte er mit Kirchner in Goppeln zum Malen und Zeichnen in der freien Natur. Im Herbst machte er mit einem Stipendium der Akademie eine Reise nach Italien, die er jedoch nach drei Monaten abbrach, um für ein Dreivierteljahr nach Paris zu gehen, wo er sich intensiv mit dem aktuellen Kunstgeschehen der dortigen Avantgarde auseinandersetzte.

Nach seiner Rückkehr zog er nach Berlin, verbrachte aber die Sommer gemeinsam mit Kirchner und Heckel an den Moritzburger Teichen bei Dresden. Auch entdeckte er den Fischerort Nidden an der Kurischen Nehrung in Ostpreußen, wo er in aller Abgeschiedenheit von der Zivilisation das unverfälschte Leben im Einklang mit der Natur genoß, studierte, zeichnete. In Berlin war er sehr aktiv: er gründete mit anderen Zurückgewiesenen der Secession die Neue Secession, versuchte, gemeinsam mit Kirchner 1911 das MUIM-Institut (Moderner Unterricht im Malen) aufzubauen und war erfolgreich sowohl im Verkauf von Bildern wie auch als Gestalter von Innenausstattungen für herrschaftliche Wohnhäuser. Bereits 1912, ein Jahr vor der offiziellen Auflösung der „Brücke“, trat er aus, da er sich von der Gruppe in seiner persönlichen Ausstellungstätigkeit eingeschränkt fühlte.

1914 reiste Pechstein zu den Palau-Inseln in der Südsee. In fast romantischer Verklärung erlebte er das Leben im „Paradies auf Erden“, in einer von den Zwängen der europäischen Konventionen freien Welt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte seinem Aufenthalt ein Ende, unter abenteuerlichen Bedingungen kehrte er nach Deutschland zurück.

Die Zeit zwischen den Weltkriegen war für Pechstein geprägt von gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Erfolg. Er wurde in die Akademie der Künste berufen und engagierte sich politisch in der „Novembergruppe“ und im „Arbeitsrat für Künstler“. 1933 wurde Pechstein wegen seiner Kunst von den Nationalsozialisten diffamiert, 326 seiner Werke aus deutschen Museen wurden beschlagnahmt. In der Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937 war er mit 6 Gemälden, 4 Aquarellen und 6 Graphiken vertreten. Er verbrachte die Zeit abgeschiedenen in einer Art „innerer Emigration“ in Pommern auf dem Land.

Erst nach dem Krieg wurde er rehabilitiert und erhielt zahlreiche Titel und Auszeichnungen für sein Werk.


Liegender weiblicher Akt, 1909