Emil Nolde (1867-1956)

Emil Hansen wurde im August 1867 im Dorf Nolde im deutsch-dänischen Grenzland geboren. Mit 17 Jahren absolvierte er eine Lehre als Holzschnitzer in Flensburg, nebenher übte er sich im freien Zeichnen. 1888-91 verbrachte er seine Wanderjahre als Schnitzer und Zeichner in Möbelfabriken in München, Berlin und Karlsruhe. Abends besuchte er Kurse an der Kunstgewerbeschule. 1892-97 erhielt er in St. Gallen eine Stelle als Lehrer für gewerbliches Zeichnen am Industrie- und Gewerbemuseum. Er unternahm Reisen nach Mailand, Wien und München, außerdem entwickelte er große Begeisterung für die Welt der Berge, die er sich in vielen Wandertouren erschloß. Nolde entwarf Postkarten mit personifizierten Bergkarikaturen, die einen großen Verkaufserfolg erzielten, so daß es ihm möglich wurde, seine Lehrerstelle aufzugeben und 1898 nach München zu gehen, um freier Maler zu werden. Zwar wurde er nicht an der Akademie aufgenommen, doch studierte er privat und verbrachte auch ein Studiensemester in Paris, wo er sich an der Akadémie Julian einschrieb. 1901 ließ er sich in Kopenhagen nieder. Hier lernte er Ada Vilstrup kennen, die er 1902 heiratete, anläßlich der Hochzeit änderte er seinen Namen nach seinem Geburtsort in Nolde um. 1903 zog er auf die Insel Alsen, verbrachte jedoch die Wintermonate in Berlin, wo er ein Atelier gemietet hatte.

1906 wurde während einer Ausstellung in Dresden die Künstlergruppe „Brücke“ auf ihn aufmerksam und lud ihn zum Beitritt ein. Zwei Jahre beteiligte sich Nolde an den Wanderausstellungen der Gruppe, hielt sich 1907 auch mehrere Wochen in Dresden auf - doch Ende des Jahres schied er aus der Künstlervereinigung aus, Alters- und Temperamentsunterschiede waren für den Einzelgänger Nolde zu groß. In Berlin malte er das großstädtische Nachtleben und studierte im Völkerkundemuseum die Kunst der Naturvölker. 1913/14 erfüllte er sich einen Traum und reiste gemeinsam mit seiner Frau in Begleitung einer medizinischen Expedition über Rußland und China in die Südsee. Eine große Zahl von Aquarellen ist die Ausbeute der Reise. 1927 zogen die Noldes nach Seebüll, einer Warft, wo Nolde ein Haus und ein Ateliergebäude entwarf und baute. Ab 1931 arbeitete er an seiner Autobiographie.

Die Zeit der Nationalsozialisten bedeutete auch für Nolde die Diffamierung, seine Werke in Museen wurden beschlagnahmt, auf der Ausstellung „Entartete Kunst” wurden seine Bilder besonders im Mittelpunkt präsentiert. 1941 erhielt er völliges Malverbot. Er malte heimlich kleinformatige Aquarelle, die er als seine „Ungemalten Bilder“ bezeichnete. Nach dem Krieg, zwischen seinem 80. und 85. Lebensjahr erhielt er zahlreiche Ehrungen und Preise. Nolde starb 1956 in Seebüll, seine letzte Ruhestätte ist neben Ada im Garten von Seebüll. Das gemeinsame Testament enthielt die Urkunde zur Errichtung der „Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde“.

 


Feriengäste, 1911