Das Brücke-Museum Berlin

Am 15. September 1967 wurde das Brücke-Museum eröffnet. Während dieser Zeit ist die Anerkennung und Wertschätzung für die Kunst des Expressionismus und der Künstlergruppe „Brücke“ in der Öffentlichkeit stetig gestiegen. An dieser Entwicklung ist das Brücke-Museum mit seinen Aktivitäten nicht ganz unbeteiligt. Zahlreiche Ausstellungen im Stammhaus in Berlin haben das Werden des „Brücke"- Expressionismus und die künstlerische Entwicklung seiner Mitglieder dargestellt, haben den Kontext seiner Zeit beleuchtet und die verschiedenen Facetten und Themen der „Brücke" einem breiten Publikum nahe gebracht. Weitere Ausstellungen, zusammengestellt aus den reichen Beständen des Hauses, wurden In ganz Deutschland gezeigt und machten so den Namen des Brücke-Museums national bekannt. Auch auf internationaler Ebene hat das Brücke-Museum dazu beigetragen, den Expressionismus als wichtigen deutschen Beitrag zur Kunst der Klassischen Moderne ins Bewusstsein zu bringen: mit Ausstellungen der „Brücke''-Kunst aus eigenen Bestände sowie mit der Beteiligung an großen Projekten.

Dieser Einsatz für den deutschen Expressionismus wurde ermöglicht durch die großzügigen Schenkungen von Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel sowie durch das Engagement des Landes Berlin. Am Anfang stand die Entscheidung Schmidt-Rottluffs, dem Land Berlin 74 seiner Werke zu schenken und darüber hinaus weitere nach seinem Tode in Form einer Stiftung zur Verfügung zu stellen. Anlässlich einer großen Ausstellung seines Lebenswerkes in der Berliner Akademie der Künste, die zu Ehren seines 80. Geburtstages veranstaltet wurde, hatte sich ihm die Frage gestellt, was aus seinem Werk werden sollte. Er hatte keine direkten Erben und sein Werk sollte nicht auseinander gerissen werden. „Gestatten Sie mir, Ihnen einige Gedanken mitzuteilen, die sich im Zusammenhang mit der Ausstellung in der Akademie meiner Frau und mir aufgedrängt haben und die auch von anderer Seite geäußert worden sind: dass möglichst viele Bilder, die da zusammengebracht worden sind, zusammenbleiben sollten. Meine Frau und ich sind daher übereingekommen, meinen künstlerischen Nachlass nach unserem Tode der Stadt Berlin zu schenken." So schrieb Schmidt-Rottluff am 12. Juli 1964 an Werner Stein, den damaligen Berliner Senator für Wissenschaft und Kunst.

In engem Kontakt zu Leopold Reidemeister, dem ehemaligen Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin und aktivem Verfechter der Klassischen Moderne im Deutschland der Nachkriegszeit, entstand daraufhin die Idee, ein Museum für die geschenkten Werke zu errichten und in diesem Museum nicht nur Schmidt-Rottuffs Kunst, sondern die der ganzen Künstlergruppe „Brücke" zu zeigen. Schmidt-Rottluff war von diesem Vorhaben begeistert: „Dieser Vorschlag hätte auch die Historie für sich: alle Maler der ,,Brücke" haben einmal in Berlin gelebt und gearbeitet und haben von Berlin aus gewirkt", bemerkte er. Auch Erich Heckel, wie Schmidt-Rottluff Mitbegründer der „Brücke" im Jahr 1905, war von diesem Gedanken sehr angetan und stellte umfangreiche Schenkungen in Aussicht. Als Reidemeister ihn 1964 in seinem Alterssitz in Hemmenhofen am Bodensee besuchte, sprach er seine volle Unterstützung aus und soll Reidemeister verschmitzt angeboten haben; „Muss ich Ihnen nun gleich alles mitgeben?" Dies sollte noch etwas dauern: 1966 wurde eine Schenkung von über 800 Arbeiten amtlich gemacht. Weitere Stiftungen folgten 1969 und nach seinem Tod 1970 durch seine Witwe Siddi Heckel, so dass aus dem Besitz Erich Heckels insgesamt über 1500 Arbeiten zur Sammlung kamen.
Am 1 . Dezember 1964, dem 80. Geburtstag Schmidt-Rottluffs, fasste der Senat von Berlin den Beschluss, einen Museumsneubau zu errichten. Schmidt-Rottluff und Reidemeister entwickelten die Vorstellung, das Gebäude nicht inmitten der Stadt, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft zur Natur zu errichten, da für die „Brücke" die Harmonie von Mensch und Natur ebenso wie die Einheit von Kunst und Natur von großer Bedeutung gewesen war. Reidemeister berichtete rückblickend; „Klar war mir nur, dass es ganz in der Landschaft eingebettet sein musste. Berlin bietet dazu herrliche und vielfältige Möglichkeiten. Vielleicht waren die ersten Überlegungen zu romantisch bestimmt, ich dachte an Schildhorn, wo ich an der kleinen, von Segelbooten und Schwänen belebten Bucht in einem Alt-Berliner Ausflugslokal mit Schmidt-Rottluff Baupläne schmiedete. Mein Geheimtip war eine Lichtung im Walde am Rupenhorn, die von majestätischen alten Kiefern umstanden wie eine Krone hoch über der Havel liegt." Die endgültige Entscheidung des Senats war pragmatischer und praktisch orientiert: Die Wahl fiel auf ein am Rande des Grunewalds gelegenes Grundstück im Besitz des Landes, das die Vorstellung Schmidt-Rottluffs von unmittelbarer Nähe zur Natur erfüllte, gleichzeitig aber auch leichter mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto für die Besucher zu erreichen war. Reidemeister zeigte sich zufrieden: „Dies hielt genau die Mitte zwischen stiller Abgeschiedenheit und Erreichbarkeit." Der jetzige Bussardsteig als Zufahrt zum Gebäude wurde eigens angelegt, die Lage am Ende der Straße soll das Gefühl erzeugen, „an einem Ziel angelangt zu sein, das zum Verweilen einlädt", wie Reidemeister erklärte. Der damalige Stadtbaudirektor Werner Düttmann, der auch die Akademie der Künste am Hanseatenweg realisiert hatte, wurde mit den Planungen für das neue Museum betraut. Am 16. Januar 1967 erfolgte die Grundsteinlegung in Anwesenheit von Schmidt-Rottluff und seiner Frau, die sich auch an den Baukosten finanziell beteiligten. Bereits neun Monate später, am 15. September 1967, wurden das Haus und die Sammlung der Öffentlichkeit übergeben.

Die erste Präsentation im neuen Brücke-Museum umfasste vor allem die von Schmidt-Rottlutf gestifteten Gemälde, zu denen eigene, wie auch Werke seiner ehemaligen „Brücke"- Gefährten gehörten. Hinzu kam Heckels Schenkung, die eigene Aquarelle und Zeichnungen sowie graphische Arbeiten aller „Brücke"-Mitglieder umfasste. Angeregt von der Idee eines Brücke-Museums hatten mittlerweile auch weitere Freunde der „Brücke" Kunstwerke gestiftet, um zum Gelingen des Projektes beizutragen, wie beispielsweise die Sammlerin Hanna Bekker vom Rath oder die Künstler Emy Roeder und Max Kaus. Ergänzt werden konnte die erste Darstellung der „Brücke''-Kunst durch zahlreiche Dauerleihgaben aus Privatbesitz. Erich Heckel hat das Museum persönlich nicht mehr kennenlernen können, da ihm die weite Reise aus Süddeutschland im hohen Alter nicht mehr möglich war. Jedoch verfolgte er mit großem Interesse stets den Fortgang der Arbeiten und hat „von dem glücklichen Gelingen hörend, bis zuletzt mit vollen Händen gegeben", wie Leopold Reidemeister schrieb. Anlässlich der feierlichen Eröffnung wünschte der damalige Kultursenator Werner Stein: „Möge das Brücke-Museum ein Ort des Studiums, der künstlerischen Betrachtung und der menschlichen Begegnung werden". Diese ambitionierten Hoffnungen haben sich über die langen Jahre des Bestehens erfüllt. Unzählige Besucher haben seit der Eröffnung 1967 das Haus in Dahlem besucht: alte und junge Berliner, deutsche wie internationale Touristen. Zahlreiche Schulklassen haben sich, betreut durch museumspädagogische Führungskräfte, mit der expressionistischen Kunst auseinandergesetzt.

Neben der Präsentation der Gemälde der Sammlung im Stammhaus lockten zudem regelmäßige Sonderausstellungen die Besucher an, in denen einzelne Aspekte der „Brücke"-Kunst und ihre verschiedenen Techniken vorgestellt wurden. So stellten die frühen Ausstellungen der 1970er Jahre wie „Brücke in Dresden", „Brücke in Moritzburg" und „Brücke in Berlin" erstmals wichtige Themen der „Brücke''-Kunst überhaupt konzentriert zusammen und erforschten sie in den begleitenden Publikationen. Auch die einzelnen Protagonisten der „Brücke" wurden mit monographischen Ausstellungen In den Fokus gerückt, so mit den erfolgreichen Retrospektiven über Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Erich Heckel in den 1980er und 1990er Jahren. Hinzu kamen Sonderausstellungen mit Kunstwerken aus anderen Sammlungen, die die Zeit des Expressionismus allgemein anschaulich machen und parallele Entwicklungen in der Kunst aufzeigen, wie z.B. 1989 eine Franz Marc-Ausstellung, 1994 „Der frühe Kandinsky", 1998 „Der Blaue Reiter und seine Künstler" oder 2002 „August Macke und die Rheinischen Expressionisten". Zusätzlich zu den Ausstellungen im Haus in Berlin wurden einzelne Werke aus der Sammlung, aber auch ganze Themenausstellungen, in verschiedenen deutschen Städten, aber auch im übrigen Europa und in Übersee gezeigt. Damit wird eine Tradition fortgeführt, die bereits von den „Brücke"-Künstlern selbst gepflegt wurde: die Zusammenstellung von reisenden Ausstellungen, um ,,die Genießenden" zu erreichen.

Neben der Organisation von Ausstellungen, der Publikation der Sammlung in den Ausstellungs- und Bestandskatalogen sowie der didaktischen Arbeit ist auch die Tätigkeit des Brücke-Archivs von Bedeutung. Seit 1986 ist es in einem eigens errichteten Anbau untergebracht und verwahrt die Archivalien sowie die stetig wachsende Graphik-Sammlung. Als Anlaufstelle für Forscher, Interessierte und Sammler bietet sich hier die Möglichkeit, Informationen über die „Brücke" und den Expressionismus zu erhalten und in die Bestände Einblick zu nehmen. Zudem gehören die Dokumentation und die systematische Erfassung von Graphik, Fotografien, Briefen und weiterem Archiv-Material zu den Aufgaben. In der Schriftenreihe „Brücke-Archiv" werden die Ergebnisse der Forschungen und die wissenschaftliche Erschließung der Bestände veröffentlicht. Bisher sind 23 Bände erschienen; das „Brücke-Archiv" steht auf der Abonnentenliste zahlreicher Bibliotheken und Forschungseinrichtungen im In-und Ausland.

Während der 45 Jahre seines Bestehens konnte das Brücke-Museum seine Sammlung so erweitern, dass es sich heute um die weltweit größte Kollektion des „Brücke''-Expressionismus handelt. Mit den im Brücke-Museum aufbewahrten Arbeiten der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung befindet sich im Haus außerdem der umfangreichste Bestand an Arbeiten Schmidt-Rottluffs. Durch Gelder zunächst des Berliner Zahlenlottos, später der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin konnten zahlreiche wichtige Ankäufe getätigt werden, ebenso wie durch das Engagement des Fördererkreises Brücke-Museum e.V. und der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung. Lücken in der Sammlung wurden somit geschlossen, vor allem was Gemälde des „Brücke"-Mitbegründers Ernst Ludwig Kirchner, aber auch Max Pechsteins und Emil Noldes betraf. Auch Schmidt-Rottluff engagierte sich bis zu seinem Tode im Jahr 1976 für die Sammlung, indem er Gemälde von Kirchner, Emil Nolde und Otto Mueller erwarb und direkt dem Museum übertrug. Damit sind zum gegenwärtigen Zeltpunkt alle Künstler, die für das Werden und die Entwicklung der „Brücke" von Bedeutung waren, umfassend vertreten.

 

Architektur

Das Brücke-Museum ist ein Haus, „das so vital und phrasenlos ist wie die Kunst, die es birgt", so beschrieb Leopold Reidemeister die Architektur im „Verzeichnis der zur Eröffnung ausgestellten Werke" von 1967. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist in die umgebende Landschaft eingebettet und kontrastiert gleichzeitig durch das strahlende Weiß seiner Außenwände und die klaren, rechtwinkligen Formen mit dem üppigen Grün der Vegetation. Die für die Region Berlin und Brandenburg typischen Kiefern und Birken überragen den eingeschossigen, eher in die Horizontale sich ausbreitenden Bau und fügen der Ansicht die Vertikale hinzu, so dass das Gesamtensemble ein harmonisches Bild ergibt. Durchaus lässt sich das Gelände als „Leistikow-Landschaft mit märkischen Kiefern" beschreiben, auf dem „das helle Gebäude, von der dunklen Graphik der Kiefern mit einer preußisch-mageren Phantastik unterteilt" wird, wie die Süddeutsche Zeitung 1967 poetisch formulierte.

Auch innen ist die Architektur so gestaltet, dass sich immer wieder durch die Fenster Blicke nach außen auf Wiesen, Sträucher und Bäume, aber auch auf den bepflanzten Innenhof bieten. Damit wird die Nähe zur Natur betont und im Wechsel der Jahreszelten erfahrbar gemacht. Reidemeister beschrieb dies so: „Der Besucher ist aus dieser Landschaft nicht ausgeschlossen, er ist von ihr umfangen und wird von ihr zur beschaulichen Ruhe eingestimmt." Diese Naturnähe ist bewusst gestaltet, ganz im Sinne von Karl Schmidt-Rottluft, der die stetige Inspiration seines Schaffens durch die Natur und das Streben nach der Einheit von Mensch und Natur im Werk aller „Brücke''-Künstler betont wissen wollte. In den Ausstellungsräumen erlauben Oberlichter die Beleuchtung der Kunstwerke mit Tageslicht, so dass auch die Effekte wechselnden Wetters erlebbar werden - damit tritt wieder das Naturelement in die Gestaltung. Die Oberlichter sind im Raumerlebnis durch eine tiefere Mitteldecke von drei Metern Höhe verdeckt, eine moderne Verdunkelungstechnik erlaubt zudem, bei Bedarf optimale konservatorische Lichtverhältnisse für die Präsentation von Papierarbeiten herzustellen. Die vier um den Innenhof gruppierten Räume erlauben einen offenen Rundgang, die Einteilung der Wände in Nischen ermöglicht die optische Abgrenzung einzelner Werkgruppen. Diese Nischen sind verschieden lang, ebenso variieren auch die Wandflächen, so dass kein vollkommen symmetrischer Raum entsteht, sondern ein dynamisches, abwechslungsreiches Raumgefüge. Der Gesamteindruck der Architektur ist von großer Einfachheit und sachlicher Klarheit geprägt. Eine Atmosphäre von fast asiatischer Zurückhaltung entsteht, so dass der leuchtenden Farbigkeit der Kunstwerke die unverstellte Hauptrolle zukommt. Auch die Farbgestaltung der Innenräume zielt darauf die Intensität der Farben des Expressionismus zu unterstreichen. So dominiert die Farbe Weiß der Wände als Hintergrund, weitere Farbtöne sind sehr zurückhaltend gewählt: Die Fenster- und Türrahmen sind In einem mattem Olivgrün gehalten und vermitteln damit dezent zwischen Innen und Außen, zwischen Kunst und Natur. Der honigfarbene Kokosteppich ist ganz bewusst in Bezug zur gezeigten Kunst gewählt: Er reflektiert die bisweilen raue Struktur der Leinwände der „Brücke''-Maler und zitiert damit deren Vorliebe für das Ungeglättete und Ursprüngliche. Zum Ensemble der originären Einrichtung gehören auch die schlichten, würfelförmigen Sessel mit dunklen Lederpolstern, die von den selbstgeschnitzten Möbeln der „Brücke"-Künstler in ihren Wohnateliers inspiriert sind. Das Gebäude des Brücke-Museums tritt damit bewusst als eigens gestaltetes Bauwerk für die Kunst der „Brücke" auf und bildet den passenden und beziehungsreichen Hintergrund für Ausdruck, Charakter und Farben dieser Errungenschaft des Expressionismus.

 

Die Direktoren des Museums

Das Brücke-Museum hätte sich nie zu der lebendigen Ausstellungsstätte und weltweit bedeutenden Sammlung entwickelt, wenn sich ihre künstlerischen Leiter nicht mit solch großem Engagement, Einfallsreichturn und Beharrlichkeit für das Haus eingesetzt hätten.

Leopold Reidemeister [1900-1987)

Nach einem Studium der Kunstgeschichte und Architektur begann Reidemeister seine Laufbahn in den 1920er Jahren als Assistent in der Ostasiatischen Abteilung der Staatlichen Museen zu Berlin, wurde dort später Kustos und 1938/39 Direktor. Aus persönlicher Neigung beschäftigte er sich jedoch mit der zeitgenössischen Kunst und pflegte enge persönliche Kontakte zu den Künstlern des Expressionismus wie Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Ludwig Meidner oder Max Kaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er als Generaldirektor in Köln die Städtischen Museen wieder auf und trug vor allem aktiv dafür Sorge, die schmerzlichen Lücken, die die Aktion „Entartete Kunst" der Nationalsozialisten hinterlassen hatte, wieder zu füllen. Gleiches leistete er in Berlin, wohin er 1957 zum Generaldirektor der Staatlichen Museen berufen wurde. Sein besonderes Engagement für die Kunst der Klassischen Moderne und besonders des Expressionismus verstand er als Wiedergutmachung nach dem erlittenen Unrecht der dunklen Jahre im Nazi-Deutschland.
Sein enger und freundschaftlicher Kontakt zu Schmidt-Rottluff und Heckel war wesentlich für deren Entschluss zu den großzügige Schenkungen, die den Grundstock für das Brücke-Museum bildeten. Reidemeister als Gründungsdirektor ist der Aufbau des Museums zu verdanken. Durch kluge Ankäufe erweiterte er die Sammlung zu einem umfassenden Überblick zur Kunst der „Brücke". Die Betreuung des Brücke-Museums kann als krönender Abschluss seines Lebenswerkes gesehen werden. Gleichzeitig schuf er mit diesem Museum auch ein Denkmal der Wiedergutmachung für die Künstler, die als „entartet“ diffamiert worden waren. Das Sammeln und Verwahren ihrer künstlerischen Arbeiten ist ein gültiges Zeichen, dass solcherart Verfemung in Berlin und Deutschland nicht wieder passieren darf und kann - die Präsentation und das Verständlichmachen ihrer Kunst ermöglichen Verstehen und Wertschätzung des künstlerischen Ausdrucks einer Epoche.

Eberhard Roters (1929-1994)

Roters studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Archäologie in Halle und (West-)Berlin und promovierte über den Holzschnitt der „Brücke". Von 1958 bis 1965 war er Assistent an der Nationalgalerie Berlin, von 1965 bis 1969 Generalsekretär bei der Deutschen Gesellschaft für Bildende Kunst (Kunstverein Berlin). Von 1969 bis 1971 leitete er die Kunsthalle Nürnberg, um 1972 nach Berlin zurückzukehren, wo er bis 1976 die Stellung des Präsidialsekretärs der Akademie der Künste innehatte. Seine umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen mit der zeitgenössischen Kunst brachte er von 1976 bis 1987 als Gründungsdirektor der Berlinischen Galerie ein. Nach dem Tode Reidemeisters übernahm er 1987/88 die Leitung des Brücke-Museums als Kommissarischer Direktor. Als Kenner sowohl der Berliner Kulturlandschaft wie auch der „Brücke"-Kunst konnte er optimal die Lücke ausfüllen, die durch den Tod Reidemeisters entstanden war.

Magdalena M. Moeller

Moeller studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Ostasiatische Kunstgeschichte in Köln und Bonn und promovierte über den „Sonderbund Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler". Für ihre Dissertation erhielt sie den renommierten Paul Clemen-Preis. Nach Stationen in Zürich, an der Staatsgalerie Stuttgart und dem Sprengel-Museum Hannover wurde sie als Nachfolgerin von Eberhard Roters zur Direktorin des Brücke-Museums berufen. Moellers Initiative ist es zu verdanken, dass die Sammlung insbesondere in Hinsicht auf die Werke Kirchners kontinuierlich ausgebaut wurde. Mit konsequenter Ankaufsstrategie gelang es ihr, die Zahl der Arbeiten Kirchners im Brücke-Museum auf über 400 anwachsen zu lassen, so dass die Sammlung den größten Kirchner-Bestand Deutschlands vorweisen und eine komplette Übersicht über seinen künstlerischen Werdegang bieten kann. Neben der Sicherung einzelner kostbarer oder seltener Blätter gehörte 1999 der Ankauf der Kirchner-Sammlung des Frankfurter Kaufmanns Karlheinz Gabler mit 118 Aquarellen und Zeichnungen zu den herausragenden Erwerbungen. Ein besonderes Highlight ist auch das 1995 erworbene Gemälde ,,Artistin - Marcella" sowie die zwei Jahre später angekaufte Mappe ,,Peter Schlemihls wundersame Geschichte" mit sieben Farbholzschnitten, ein Schlüsselwerk der expressionistischen Druckgraphik überhaupt. Zudem konnte 1994 durch die Erwerbung von 84 Aquarellen und Zeichnungen Heckels aus dem Nachlass das zeichnerische Werk des „Brücke"-Mitbegründers auf höchstem Niveau ergänzt werden. Ebenso wurde der Bestand an Gemälden und Arbeiten auf Papier von Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Emil Nolde und Otto Mueller durch Ankäufe und Dauerleihgaben, beziehungsweise Schenkungen wesentlich erweitert.
Besonderes Gewicht legte Moeller auf die systematische Publikation der Bestände. Durch zahlreiche Ausstellungsprojekte mit sorgsam edierten Katalogen hat sich das Brücke-Museum mittlerweile weltweit einen Namen gemacht. Hervorzuheben ist besonders die große Überblicksschau zum 100jährigen Jubiläum der „Brücke", die 2005 in Berlin, Madrid und Barcelona gezeigt wurde, aber auch die maßgebliche Beteiligung an der Kirchner-Retrospektive 2003 in London und Washington. Die Zusammenarbeit mit Museen und Kulturinstitutionen auf internationaler Ebene erwies sich auch in den folgenden Jahren als ausgesprochen erfolgreich. So fanden weitere großangelegte Ausstellungen 2009 im Moskauer Puschkin-Museum sowie 2012 im französischen Grenoble und Quimper statt, die zum ersten Mal überhaupt das Werk der Künstlergruppe „Brücke“ dort präsentierten.

Die Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung

Nach dem Willen von Schmidt-Rottluff ging sein Nachlass auf die gemeinnützige Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung über. Der künstlerische Nachlass umfasst 87 Gemälde und über Tausend Arbeiten Schmidt-Rottluffs auf Papier, seine plastischen und kunsthandwerklichen Werke, aber auch Gemälde anderer Künstler wie von Erich Heckel oder Emil Nolde. Hinzu kommen die Objekte aus Schmidt-Rottluffs Afrika- und Ozeanien-Sammlung sowie Briefe, Bücher und andere archivarische Unterlagen aus seinem Besitz. All dies wird in den Depots des Brücke-Museums verwahrt. In der testamentarischen Verfügung Schmidt-Rottluffs heißt es: „Dieser Nachlass soll so verwahrt und die darin enthaltenen Werte so geordnet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, dass sie im Vergleich und im Zusammenhang mit den Werken seiner Zeitgenossen Anregungen geben und an den Aufgaben mitwirken, welche der Förderung und Vertiefung des künstlerischen Verstehens dienen." Schmidt-Rottluff formuliert damit seinen Wunsch, dass sein Werk der Allgemeinheit gezeigt werden und zur Förderung der kulturellen Bildung beitragen soll. Damit ist die Gemeinnützigkeit der Stiftung gegeben.

Die Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung unterstützt die Arbeit des Brücke-Museums in vielerlei Hinsicht und ehrt damit das Andenken Schmidt-Rottluffs. Aus den Erträgen des Kapitalvermögens der Stiftung werden Publikationen ermöglicht oder Werke angekauft, die Lücken in der Sammlung schließen. Auch unterstützt die Stiftung die Forschung zur Kunst Schmidt-Rottlutfs und des Expressionismus, beispielsweise indem Recherchen zu einem aktuellen und überarbeiteten Werkverzeichnis von Schmidt-Rottluffs Gemälden beauftragt werden. Das Kuratorium der Stiftung entspricht dem Vorstand im Sinne der §§ 86, 26 BGE. Es besteht aus mindestens drei Personen, darunter der Direktor oder die Direktorin des Brücke-Museums, ein Vertreter aus der für die kulturellen Angelegenheiten zuständigen Senatsverwaltung von Berlin und ein Vorstandsmitglied oder Mitglied der Geschäftsleitung der Berliner Niederlassung eines deutschen Kreditinstituts.

Aktuell gehören folgende Mitglieder dem Kuratorium der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung an:

Prof. Dr. Magdalena M. Moeller
Staatssekretär André Schmitz
Dipl.-Ing. Thomas Erb
Dr. Karl Kauermann

Geschäftsführung: Dipl.-Ing. Thomas Erb

 

Der Fördererkreis Brücke-Museum e.V.

1967 wurde der Fördererkreis des Brücke-Museums gegründet, um mit gelebtem Bürgersinn und aktivem Eintreten für das Berliner Kulturleben das Brücke-Museum und seine Aktivitäten zu unterstützen. Über 800 Mitglieder fördern das Haus mit ihren Jahresbeiträgen sowie durch Spenden. Auf den Ausstellungseröffnungen sowie in Sonderführungen und -veranstaltungen können die Fördererkreis-Mitglieder am aktuellen Geschehen im Haus teilhaben, aber auch die Schätze im Grunewald bei freiem Eintritt entdecken und genießen.

Der Fördererkreis bringt sich auf vielfältige Weise in die Arbeit des Museums ein: durch seine finanzielle Unterstützung beteiligt er sich an der Realisierung von Sonderausstellungen und trägt durch die Übernahme von Werbekosten dazu bei, aktuelle Ausstellungen In der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Durch Druckkostenzuschüsse des Fördererkreises sind manche Publikationen erst möglich geworden. Außerdem werden Ankäufe zur Erweiterung der Sammlung getätigt. So gelangten wichtige Zeichnungen und Druckgrafiken von allen Brücke-Künstlern in den Bestand des Museums.

Das aktive Engagement der „Brücke"-Freunde aus Berlin und ganz Deutschland zeigt sich in der Arbeit des Fördererkreises und belegt damit, wie die Kunst des Expressionismus auch über 100 Jahre nach ihrer Entstehung für eine breite Öffentlichkeit von Bedeutung ist, immer wieder berührt, interessiert und anspricht.