Ausstellung

 

Karl Schmidt-Rottluff. Ostseebilder

11. Februar bis 28. August 2011 im Brücke-Museum Berlin

Aufenthalte am Meer und insbesondere an der von Berlin aus gut zu erreichenden Ostsee gibt es in den Biographien aller „Brücke“-Mitglieder. War Erich Heckel vor allem an der
Flensburger Förde gewesen, um dort die Landschaft und Badende zu malen, so war sein „Brücke“-Kollege Karl Schmidt-Rottluff an ganz verschiedenen Orten an der Ostsee unterwegs. Zwar kehrte auch er oft viele Jahre hintereinander an einen bestimmten
Landstrich zurück, doch waren es im Laufe der Zeit sieben verschiedene Ostseedomizile, die für sein Leben und Werk von Bedeutung waren.
Der Rückzug in die Einsamkeit und Stille war für Karl Schmidt-Rottluffs Werk von besonderer Wichtigkeit. Um Inspiration für seine künstlerische Arbeit zu sammeln, suchte er sein ganzes
Leben lang immer wieder die Ostsee auf. Die Ostseelandschaft zieht sich damit wie ein roter Faden durch sein gesamtes Schaffen und alle seine Stilphasen. Diese thematische Konstantegab Anlaß, den Ostseebildern Schmidt-Rottluffs eine Ausstellung im Brücke-Museum zu widmen.

Erstmals verbrachte Schmidt-Rottluff 1906 einen Sommer an der Ostsee auf der Insel Alsen, wohin er vom zeitweiligen „Brücke“-Mitglied Emil Nolde eingeladen war. Die Werke
dieses Sommers sind noch ganz von der stürmischen Dynamik der Van Gogh-Rezeption dieser Zeit geprägt. In den Folgejahren zog sich Schmidt-Rottluff dann an die Nordsee nach Dangast zurück, um seine Vorstellung einer innovativen Landschaftsmalerei in
einsamer Konzentration zu realisieren. 1913 fuhr er wieder an die Ostsee, nach Nidden auf die Kurische Nehrung. Dort beschäftigte er sich vor allem mit dem Motiv des badenden Aktes und fand zu südseehaft sinnlicher und hitziger Farbe und Form. Die bedrohliche Atmosphäre am Vorabend des Ersten Weltkriegs fand bei Schmidt-Rottluff Ausdruck in der bedeutungsvoll aufgeladenen Stimmung von melancholischen Figuren an der Steilküste von
Hohwacht an der Lübecker Bucht. Schmidt-Rottluffs konstante Ostseeaufenthalte setzten mit den 1920er Jahren ein. Regelmäßig verbrachte er die Sommer in Hinterpommern, erst in Jershöft, später am Lebasee, wo er im einfachen Leben der Fischer eine ideale Umgebung für seine kreative Konzentration fand. Schmidt-Rottluff war von der Ursprünglichkeit Hinterpommerns völlig fasziniert. Großartige Meditationen der dortigen Landschaft
entstanden, in intensiven Farben steigerte er sein Naturerlebnis. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Schmidt-Rottluff die Reise nach Pommern durch die politischen Umstände verwehrt und er suchte und fand ein neues Ostsee-Domizil in Sierksdorf an der Lübecker
Bucht. Steilküste, Meer, Himmel und Wolken erreichten eine Abstraktion als Form und Farbspiele.

Das Brücke-Museum hat aus seiner Sammlung 35 Gemälde und rund 100 Werke auf Papier zusammengestellt, um diesen wichtigen Motivkomplex umfassend vorzustellen. Erstmals
wird dieses Thema systematisch bearbeitet und bietet neben einer faszinierenden Vielfalt der reizvollen Landschaft zugleich einen Überblick über Schmidt-Rottluffs Stilentwicklung als ein Maler des 20. Jahrhunderts. Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog mit ganzseitigen Farbtafeln der Exponate und Essays, die das Thema ausführlich vorstellen.

Janina Dahlmanns