Erich Heckel (1883-1970)

Erich Heckel wurde 1883 in Döbeln bei Chemnitz geboren, wo er bereits während seiner Gymnasialzeit die Bekanntschaft von Karl Schmidt-Rottluff machte. Gemeinsam mit weiteren Mitschülern trafen sie sich im Debattierclub „Vulkan“, wo sie sich mit antibürgerlicher Literatur und kunsttheoretischen Fragen auseinandersetzten. Nietzsche und Dostojewski gehörten zu den bevorzugten Literaten, die intellektuelle Auseinandersetzung mit der Literatur und auch später die Umsetzung in bildnerische Form waren für Heckel prägend. 1904 begann er ein Architekturstudium an der Technischen Universität Dresden. Er lernte Ernst Ludwig Kirchner kennen; die Entdeckung des gemeinsamen Wollens kulminierte 1905 in der Gründung der Künstlergruppe „Brücke“ zusammen mit Schmidt-Rottluff und Bleyl. Heckel, der pragmatische Charakter der Gruppe, übernahm die Geschäftsführung und engagierte sich stark im Bereich des Organisatorischen. Er gab sein Architekturstudium auf und arbeitete im Architekturbüro von Wilhelm Kreis. Wie die anderen „Brücke“-Maler suchte er die von der Zivilisation weitgehend unberührte Natur und verbrachte die Sommermonate 1907 und 08 mit Schmidt-Rottluff an der Nordsee in Dangast, 1909 und 10 mit Kirchner und Pechstein an den Moritzburger Teichen.

1911 erfolgte der Umzug aller „Brücke“-Mitglieder nach Berlin. Heckel reagierte melancholisch auf die Eindrücke der Großstadt: seine Farben werden gedämpfter, das Motiv melancholischer, sinnender, nachdenklicher oder krank im Bett leidender Figuren kommt hinzu. Auch beschäftigt er sich vermehrt mit Illustrationen zu literarischen Werken. Höhepunkt des Jahres 1912 war die Teilnahme an der Kölner Sonderbundausstellung und die dortige Arbeit an der Dekoration einer Kapelle gemeinsam mit Kirchner. Er machte in dieser Zeit die Bekanntschaft zahlreicher Künstler wie beispielsweise Wilhelm Lehmbruck, Christian Rohlfs, Lyonel Feininger, August Macke und Franz Marc.

Im Ersten Weltkrieg ist Heckel als Sanitäter in Flandern, wo er für den Rücktransport verletzter Soldaten zuständig war. Aus dieser Zeit stammt eine Reihe von Zeichnungen und Skizzen, in denen er das Erlebte verarbeitete sowie landschaftliche Eindrücke festhielt. Auch ergab sich ein Besuch bei dem in Ostende lebenden James Ensor. Im Juni 1916 heiratete er Milda Frieda Georgi (Sidi).

In den 20er Jahren betätigte sich Heckel in Berlin politisch aktiv als Mitglied des „Arbeitsrates für Kunst und der „Novembergruppe“. In den Sommermonaten machte er Reisen durch ganz Europa, er entdeckt die Berge für sich, was ihn in die Alpen, an den Bodensee und in den Schwarzwald führt. Die Strenge und Monumentalität der Berge gewinnt damit erstmals auch Eingang in seine Landschaftsgemälde. 1922/23 schuf er Wandmalereien für das Anger-Museum in Erfurt.

Die Zeit des Nationalsozialismus bedeutete auch für Heckel die Diffamierung als „entarteter“ Künstler, der Krieg zerstörte einen großen Teil seiner Arbeiten. 1944 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Hemmenhofen am Bodensee.

Nach dem Krieg lehrte er an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Mit zahlreichen Ausstellungen in ganz Deutschland und vielen Auszeichnungen (Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland 1956, Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen 1961, u.a.) gehörte er bis zu seinem Tod 1970 zu den wichtigen Künstlern Deutschlands.

 

 

Junger Mann und Mädchen, 1911